Der frühere Linde-Chef Wolfgang Reitzle übt Kritik an der deutschen Wirtschafts- und Energiepolitik. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) bemängelt er steigende Belastungen für Unternehmen und fehlenden Reformwillen. Hohe Steuern, Abgaben und Bürokratie schadeten der Wettbewerbsfähigkeit.
Reitzle bezeichnet die Energiepolitik als «völlig verfehlt» und macht sie für hohe Strompreise verantwortlich. «Ausschliesslich auf Erneuerbare zu setzen, ist ein fataler Irrtum. Solar- und Windstrom sind zwar CO2-neutral, aber nicht grundlastfähig», sagte er. Aus seiner Sicht wäre ein Energiemix aus Kernkraft und erneuerbaren Quellen ideal. Da Kernenergie politisch kaum durchsetzbar sei, plädiert er für moderne Gaskraftwerke mit CO2-Abscheidung.
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Zugleich stellt Reitzle die Förderung erneuerbarer Energien in Frage. «Eine Technologie, die auch nach über dreissig Jahren immer noch auf Subventionen angewiesen ist, kann nicht richtig sein», sagte er. In der Automobilindustrie erwartet er keinen Niedergang deutscher Hersteller, sieht aber Nachteile bei der Elektromobilität.
Am Ziel der Klimaneutralität bis 2050 hält Reitzle fest, warnt jedoch vor dem deutschen Sonderziel für 2045. «Diese fünf Jahre klingen heute harmlos, aber sie werden eine dreistellige Milliardensumme zusätzlich kosten.» Mit Blick auf die Politik äussert er Enttäuschung über Bundeskanzler Friedrich Merz und Zweifel an der Reformfähigkeit des Landes. «Im Ausland freut man sich über unsere Dummheit», sagte Reitzle.