Russische Drohnen und Gleitbomben haben in den vergangenen Wochen Hunderte Tankstellen in der Ukraine zerstört und damit ihre Angriffe auf zivile Infrastruktur ausgeweitet. Das berichtet die «Financial Times» unter Berufung auf ukrainische Behörden.
Nach Angaben ukrainischer Regionalvertreter zielen die Angriffe darauf ab, den Alltag in Frontregionen weiter zu erschweren, die Versorgung mit Treibstoff zu beeinträchtigen und den Druck auf die Zivilbevölkerung zu erhöhen. Gleichzeitig würden sie als Reaktion auf ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien und Energieanlagen verstanden. «Ihre Denkweise lautet: Wenn wir zu wenig Treibstoff haben, warum sollte euer Leben normal weitergehen?», sagte Vitalii Diakivnych, Leiter der Militärverwaltung der Region Poltawa, der «Financial Times».
Ukrainian Emergency Service via AP
Laut Oleksandr Skoryk vom Regionalrat Charkiw wurden bislang mehr als 200 Tankstellen zerstört, davon mindestens 80 in der Region Charkiw. Besonders betroffen ist die wichtige Fernstrasse E40 zwischen Charkiw und Kiew, eine der zentralen Versorgungsachsen für zivile und militärische Transporte. Autofahrer werden aufgefordert, ihre Fahrzeuge rechtzeitig zu betanken.
Nach Angaben ukrainischer Behörden gibt es trotz der Angriffe bislang keine flächendeckenden Treibstoffengpässe. Die Attacken erschwerten jedoch Logistik und Warenverkehr und könnten zusammen mit steigenden Weltmarktpreisen die Inflation weiter antreiben. Die «Financial Times» wertet die Angriffe als Teil einer russischen Strategie, den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Druck auf die Ukraine jenseits der eigentlichen Front zu erhöhen.