Der frühere Bundeswehr-General Erich Vad hat in der ZDF-Sendung «Markus Lanz» vor einer direkten militärischen Eskalation zwischen Russland und Europa gewarnt und dabei einen heftigen Streit mit dem CDU-Aussenpolitiker Roderich Kiesewetter ausgelöst. Vad erklärte, Russland habe deutsche Firmen, die an Drohnentechnik für die Ukraine beteiligt seien, bereits öffentlich benannt. München sei ein «Hotspot der Rüstungsindustrie» und deshalb Teil russischer Zielplanungen. Das berichtete die Bild-Zeitung unter Berufung auf die Fernsehdiskussion.
Markus Lanz
Vad warnte vor möglichen russischen Vergeltungsschlägen gegen Europa und Deutschland. «Es kommt der Tag, wo sie Vergeltungsschläge auf Europa, auf Deutschland durchführen», sagte der frühere Militärberater von Angela Merkel. Russland sei «die stärkste Nuklearmacht der Welt». Wenn die Ukraine enger an Europa angebunden werde, hole man «den Krieg mit Russland nach Europa».
Kiesewetter widersprach entschieden. Die Ukraine schütze derzeit auch Deutschland und bilde sogar Bundeswehrsoldaten aus, sagte der CDU-Politiker. Vad hielt dagegen, Deutschland sei als logistisches Zentrum der Nato im Fall eines grossen europäischen Krieges besonders gefährdet. «Wenn es einen europäischen Krieg gibt, läuft er in unserem Land», sagte er.
Als Kiesewetter dem früheren General vorwarf, die Ukraine bereits vor Jahren aufgegeben zu haben, eskalierte der Streit endgültig. «Sie haben vor vier Jahren die Ukraine schon aufgegeben», sagte der CDU-Politiker. «Sie lagen in allen Ihren Einschätzungen falsch. Das Schicksal der Menschen lässt Sie kalt.» Vad reagierte darauf ungewöhnlich heftig. «Dummes Gerede! Dieser Krieg läuft jetzt im fünften Jahr. Hunderttausende Russen und junge Ukrainer sind ums Leben gekommen», entgegnete er. Danach verlor der frühere Merkel-Berater endgültig die Fassung: «Hunderttausende wollen sich dem Wehrdienst entziehen. Ich kann das verstehen, weil das eine Blutmühle ist, die keinen Sinn macht, weil wir keine politischen Ziele setzen!»
Kiesewetter zeigte sich sichtlich irritiert über den Auftritt seines Kontrahenten. «Schreien Sie doch nicht! Sie sind ja richtig ausser sich!», sagte er. Zum Ende der Sendung versuchte der CDU-Politiker, die Debatte wieder auf die militärische Lage zu lenken. Die Ukraine sei inzwischen in der Lage, sich wirksam gegen Russland zu verteidigen. Gerade das mache Präsident Wladimir Putin schwächer. Europa müsse Kiew deshalb weiter unterstützen, um die Voraussetzungen für einen Waffenstillstand und einen Rückzug Russlands zu schaffen.
Die Auseinandersetzung bei «Markus Lanz» zeigte damit nicht nur die tiefen Meinungsverschiedenheiten über den Ukraine-Krieg, sondern auch den zunehmend schärferen Ton innerhalb der deutschen Sicherheitsdebatte.