Deutschlands Lehrkräfte sehen im Verhalten ihrer Schüler inzwischen die grösste Herausforderung ihres Berufsalltags. Das geht aus dem neuen Schulbarometer der Robert-Bosch-Stiftung hervor. 46 Prozent der befragten Lehrer nennen den Umgang mit dem Verhalten von Schülern als wichtigste Belastung – elf Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren. Grundlage der Studie ist eine repräsentative Forsa-Befragung von 1547 Lehrkräften an allgemein- und berufsbildenden Schulen.
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Besonders häufig beklagen die Befragten mangelndes Sozialverhalten, fehlende Motivation, psychische Probleme, Aggressivität und Konzentrationsschwierigkeiten. Auch die zunehmende Heterogenität der Klassen wird als Belastung wahrgenommen. 34 Prozent nennen die stark unterschiedlichen Voraussetzungen ihrer Schüler als zweitgrösste Herausforderung. Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte hält die inklusive Beschulung nicht für alle Schüler für gewinnbringend.
Erstmals untersuchte die Studie auch den Umgang mit politischen Meinungen im Unterricht. Dabei zeigt sich eine bemerkenswerte Verunsicherung. 18 Prozent der Lehrkräfte geben an, ein vermeintliches Verbot politischer Meinungsäusserungen schränke ihr Handeln ein. 27 Prozent glauben, Lehrer dürften ihre eigene politische Meinung grundsätzlich nicht äussern. Fast ein Viertel meint sogar, alle Schülermeinungen gleichermassen als richtig anerkennen zu müssen, um neutral zu bleiben.
Die Robert-Bosch-Stiftung führt dies auf ein verbreitetes Missverständnis des sogenannten Beutelsbacher Konsenses zurück, der die politische Bildung in Deutschland prägt. Das Überwältigungsverbot untersage zwar Indoktrination, verbiete Lehrkräften aber nicht, eigene Positionen zu vertreten. «Sie dürfen und sollen Position beziehen, solange unterschiedliche verfassungskonforme Standpunkte diskutiert werden können», sagte Bildungsexpertin Katharina Thoren der Zeitung Die Welt. Gleichzeitig verwies sie auf zunehmenden Druck durch gesellschaftliche Polarisierung, Beschwerden gegen Lehrkräfte und Meldeportale für angeblich mangelnde Neutralität.
Die Befragung zeichnet insgesamt ein angespanntes Bild. Mehr als ein Viertel der Lehrkräfte würde den Beruf wechseln, wenn sich die Möglichkeit dazu böte. Jeder vierte Befragte fühlt sich mehrmals pro Woche emotional erschöpft. Zugleich berichten viele Lehrer von diskriminierenden Äusserungen im Schulalltag – gegen Frauen, Homosexuelle, Muslime, Menschen mit Behinderung und Juden.