Die angebliche russische Störaktion gegen den Jet von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kommt immer mehr ins Zwielicht. Neue Auswertungen und Aussagen der bulgarischen Regierung widersprechen zentralen Elementen des ursprünglichen Narrativs Brüssels. Am Sonntag war das Flugzeug der EU-Kommissionschefin laut Financial Times auf dem Weg zum bulgarischen Flughafen Plowdiw angeblich über eine Stunde im Kreis geflogen, weil GPS-Signale blockiert worden seien. Der Pilot habe das Flugzeug schliesslich mithilfe von Papierkarten gelandet. EU-Vertreter und bulgarische Behörden machten umgehend Russland als Verursacher aus – und warfen Moskau «offene Einmischung» vor.
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Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Daten des Flugverfolgungsdienstes Flightradar24 zeigen, dass das Flugzeug seine GPS-Verbindung gar nie verloren hatte und lediglich mit neun Minuten Verspätung landete. Und nun ruderte auch die bulgarische Regierung zurück: Ministerpräsident Rossen Scheljaskow sprach von einem «technischen Problem» und stellte klar: «Es gibt keinen Grund, die Situation zu untersuchen, da diese Störungen weder hybride noch Cyberbedrohungen darstellen», wie das Portal Politico berichtet.
Zudem stellte sich heraus, dass das Flugzeug über ein alternatives elektronisches Navigationssystem verfügte. Eine Landung mit Papierkarten war laut bulgarischen Behörden nie nötig. Flightradar24 bestätigte, dass die Maschine bereits am Vortag im Baltikum von GPS-Störungen betroffen war – nicht jedoch über Bulgarien. Eine Analyse des Luftfahrtsicherheitsdienstes JACDEC kam zum Schluss, dass ein erster Landeversuch abgebrochen wurde, das Flugzeug jedoch anschliessend eine reguläre Anflugroute nutzte.
Auch die europäische Luftfahrtagentur EASA und Eurocontrol untersuchen den Vorfall derzeit. Sprecherin Paula Pinho betonte, es gebe zwar eine «zunehmende Häufung von GPS-Störungen» seit Beginn des Ukraine-Krieges, die Flugsicherheit sei dennoch gewährleistet. «Wenn GPS ausfällt, stehen den Piloten andere Systeme zur Verfügung», erklärte EASA.