Mit dem Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der Opec verliert das Ölkartell eines seiner wichtigsten Mitglieder. Der Schritt ist ein Signal wachsender Spannungen am Golf, eine Kampfansage an Saudi-Arabien und möglicherweise der Beginn einer neuen Phase auf den globalen Energiemärkten.
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Kurzfristig dürfte sich für europäische Energiekonsumenten zunächst zwar wenig entspannen: Solange die Unsicherheit rund um die Strasse von Hormus anhält, bleiben Öl- und damit auch Treibstoffpreise hoch. Sollten die Emirate ihre bislang durch Opec-Vereinbarungen begrenzte Förderkapazität ausweiten und zusätzliches Öl auf den Markt bringen, würde dies die Preismacht des Kartells schwächen und dämpfend auf die Ölpreise wirken.
Nicht auszuschliessen ist allerdings ein Preiskrieg zwischen den Emiraten und Saudi-Arabien: Das könnte zu extremen Schwankungen am Ölmarkt führen und grosse Unsicherheiten für Verbraucher schaffen. Energie könnte deshalb langfristig günstiger, kurzfristig aber deutlich unberechenbarer werden.
Die Begründung aus Abu Dhabi lautet offiziell wirtschaftliche Eigenständigkeit. Tatsächlich wollen die Emirate ihre Förderpolitik nicht länger an Opec-Vorgaben binden. Das Land hat in den vergangenen Jahren massiv in neue Produktionskapazitäten investiert und betrachtet die bisherigen Quoten zunehmend als Hindernis. Mit rund 3,6 Millionen Barrel täglich gehören die Emirate zu den bedeutenden Produzenten innerhalb der Organisation. Künftig soll diese Kapazität nach nationalem Interesse und nicht nach kollektiver Abstimmung genutzt werden.
Für die Opec ist der Austritt der Emirate ein schwerer Rückschlag. Anders als frühere Austritte kleinerer Produzenten trifft nun ein Mitglied mit erheblichem Gewicht das Kartell. Seine Fähigkeit, Fördermengen zu koordinieren und Preise zu beeinflussen, könnte dadurch weiter geschwächt werden. Die Opec ist nicht mehr die beherrschende Kartellorganisation von einst. Für Konsumenten ist das endlich wieder eine gute Nachricht aus dem Nahen Osten.