Die Schweiz brilliert bisher an der Eishockey-Weltmeisterschaft im eigenen Land. Dem Team zuzuschauen, macht Spass. Wie ein Roman Josi, 35, von hinten den Puck holt und, die Gegner spielend umspielend, wie auf Schienen vor das gegnerische Tor kurvt – und dann auch noch trifft und trifft, ist Weltklasse. Das Schöne an dieser Mannschaft ist jedoch, dass nicht nur die NHL-Stars wie Josi, Nico Hischier oder Timo Meier glänzen, sondern jede Linie – und beispielsweise Spieler wie ein Théo Rochette oder Ken Jäger von HC Lausanne.
Das Zwischenlob für die Schweizer nach sieben Siegen in sieben Vorrundenspielen soll nicht geschmälert werden, aber die wahren Aufgaben kommen noch. Nun wartet Angstgegner Schweden. Und die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) hält zu Recht fest: «Doch man sollte nicht vergessen, dass das Niveau in der Vorrunde an den Weltmeisterschaften seit dem Ausschluss von Weissrussland und Russland im Jahr 2022 klar gesunken ist.»
Die NZZ legt den Finger auf einen wunden Punkt. Die Sanktionen im Sport verfälschen den Wettbewerb – und sie treffen die Falschen. Sportler können nichts dafür, wenn Staatsoberhäupter Kriege führen.
Auch stechen die doppelten Standards ins Auge: Während russische und weissrussische Athleten in verschiedenen Sportarten einem internationalen Bann unterliegen, gibt es keine Sanktionen gegen Sportler aus den USA und aus Israel, obwohl die beiden Staaten gegen den Iran einen Angriffskrieg führen und internationales Recht verletzen.
Als im März Nachrichten aus iranischen Quellen über zivile Opfer eines Luftangriffs auf eine Sportanlage in der Stadt Lamerd die Runde machten, bei dem rund zwanzig Volleyballerinnen getötet worden sein sollen, blieb der Aufschrei aus.
Punkto Sanktionen stellt sich sowieso die Frage: Warum werden die Staaten unterschiedlich behandelt? Müssten nicht für alle dieselben Regeln gelten? Und ist es überhaupt sinnvoll, Sanktionspolitik auf dem Buckel von Sportlern zu machen?
Hat Fifa-Präsident Gianni Infantino und haben andere internationale Sportfunktionärsgrössen bis hinauf zum Internationalen Olympischen Komitee nicht recht, wenn sie einen Verzicht auf Sanktionen fordern und das Verbindende des Sports gerade auch in Zeiten von Krieg und Hass betonen?