Die Sorge vor einem massiven Ölpreisschock wächst. Analysten warnen angesichts blockierter Transportwege im Persischen Golf und schwindender Reserven vor einem möglichen Anstieg des Brent-Ölpreises auf bis zu 200 Dollar pro Barrel. Darüber berichtet die Bild-Zeitung.
Auslöser der Entwicklung ist die anhaltende Krise rund um die Strasse von Hormus. Die Meerenge zwischen Iran und Oman gilt als wichtigste Ölroute der Welt. Vor Beginn des Iran-Kriegs liefen dort laut Bericht täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl durch. Inzwischen seien es nur noch etwa 800 000 Barrel pro Tag. Die saudische Ost-West-Pipeline zum Roten Meer könne einen Teil der Ausfälle kompensieren, verfüge aber lediglich über eine Kapazität von rund sieben Millionen Barrel täglich.
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Der Energieexperte Ben Cahill vom Atlantic Council erklärte gegenüber der Zeitung, die «Puffer am Ölmarkt» seien nach rund 70 Tagen Krise «fast aufgebraucht». Auch die Lagerbestände gingen deutlich zurück. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur schrumpften die globalen Ölreserven im März um 129 Millionen Barrel und im April um weitere 117 Millionen Barrel. Cahill warnte: «Das kann nur eine begrenzte Zeit so weitergehen!»
Besonders aufmerksam verfolgt die Branche die Entwicklung des Brent-Preises. Der Analyst Michael Fitzsimmons vom Investorendienst *Seeking Alpha* sieht laut Bericht eine «50/50-Chance», dass Ölpreise von 200 Dollar pro Barrel erreicht werden könnten. Marktbeobachter sprechen bereits von einem möglichen Schock für die Weltwirtschaft. Befürchtet werden steigende Energiepreise, Engpässe bei der Versorgung sowie Belastungen für Flugverkehr und Industrie – insbesondere während der Sommerreisezeit.
In den USA sind die Benzinpreise seit Beginn des Iran-Kriegs laut Bericht bereits um rund 50 Prozent gestiegen. Gleichzeitig profitieren grosse Ölkonzerne von den hohen Weltmarktpreisen. Besonders die US-Unternehmen Chevron, Exxon Mobil und ConocoPhillips könnten laut Analysten zu den Gewinnern der Krise zählen, da viele ihrer Fördergebiete ausserhalb der unmittelbaren Konfliktzone liegen.