Kanadas Premierminister Mark Carney hat die Separatismusbewegung in der Provinz Alberta scharf kritisiert und vor den Folgen einer möglichen Abspaltung gewarnt. Bei einem Auftritt in Ottawa bezeichnete Carney die Bestrebungen als «gefährlichen Bluff». Wie mehrere kanadische Medien berichteten, zog Carney dabei Parallelen zum Brexit in Grossbritannien.
Sean Kilpatrick/Keystone
«Ich habe aus erster Hand gesehen, was im Vereinigten Königreich passiert ist», sagte Carney mit Blick auf das Brexit-Referendum von 2016. Viele Befürworter des EU-Austritts bereuten die Entscheidung inzwischen. «Sie versuchen noch zehn Jahre später rückgängig zu machen, was die Menschen am Ende bekommen haben», erklärte der Premierminister.
Hintergrund ist die Ankündigung von Albertas Premierministerin Danielle Smith, am 19. Oktober eine öffentliche Abstimmung über die Einleitung eines Referendums zur Abspaltung der Provinz von Kanada abzuhalten. Die ölreiche Provinz im Westen des Landes beklagt seit Jahren eine Benachteiligung gegenüber Ostkanada.
Seit Carneys Wahlsieg im vergangenen Jahr hat die Separatismusbewegung in Alberta an Unterstützung gewonnen. Gemäss Umfragen unterstützen rund 30 Prozent der Bevölkerung eine Loslösung von Kanada. Präsident Donald Trump hatte wiederholt mit einer Annexion Kanadas als «51. Bundesstaat» gedroht.
Trotz politischer Differenzen bemühen sich Carney und Smith um eine Zusammenarbeit beim Ausbau der Energieinfrastruktur. Erst Anfang Mai vereinbarten beide Seiten die Grundlagen für eine neue Pipeline mit einer Kapazität von einer Million Barrel Öl pro Tag.
Die konservative Opposition in Ottawa sprach sich ebenfalls gegen eine Abspaltung Albertas aus. Oppositionsführer Pierre Poilievre kündigte an, alle konservativen Abgeordneten würden gegen die Separationspläne kämpfen.