Der Rückgang der Geburtenrate in Deutschland ist laut einer neuen Studie vor allem auf finanzielle Sorgen, Zukunftsängste und als unzureichend empfundene staatliche Rahmenbedingungen zurückzuführen. Zu diesem Ergebnis kommt die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen auf Basis einer repräsentativen Befragung von mehr als 2000 Erwachsenen durch das Meinungsforschungsinstitut GfK.
Christian Beutler/Keystone
Demnach verzichten viele Menschen nicht wegen eines fehlenden Kinderwunsches auf eine Familie. Zwei Drittel der Befragten nennen die hohen Kosten von Kindern als zentralen Grund dafür, dass sich viele gegen Nachwuchs entscheiden. Fast sechs von zehn sehen zudem eine unsichere Zukunft für Kinder als Hindernis. Mehr als die Hälfte kritisiert fehlende staatliche Voraussetzungen für Familien. Ebenfalls häufig genannt werden der Wunsch nach persönlicher Freiheit sowie das Fehlen eines geeigneten Partners.
Die Zahlen spiegeln sich auch in der Geburtenentwicklung wider. Nach Angaben der Stiftung kommen in Deutschland derzeit statistisch 135 Kinder auf 100 Frauen. Vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei 159 Kindern.
Gleichzeitig haben sich die Gründe gegen eine Familiengründung in den vergangenen Jahren deutlich verschoben. Während berufliche Hindernisse an Bedeutung verloren haben, nehmen Zukunftssorgen zu. Die Sorge um die Lebensbedingungen kommender Generationen wird heute deutlich häufiger genannt als noch 2016. Auch die Kritik an staatlichen Rahmenbedingungen hat spürbar zugenommen. Dagegen werden Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Priorisierung der Karriere seltener als Hindernis genannt.
Der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt, sieht darin einen grundlegenden Wandel. Heute stünden weniger berufliche Zielkonflikte im Vordergrund als die Frage, ob Kinder künftig in Sicherheit und Wohlstand aufwachsen können. Unterschiede zeigen sich auch zwischen den Geschlechtern: Frauen nennen häufiger das Fehlen eines passenden Partners als Grund gegen Kinder, während Männer öfter berufliche Ambitionen anführen.
Die Studie deutet damit auf ein gesellschaftliches Problem hin, das weit über Fragen der Familienpolitik hinausreicht: Nicht mangelnder Kinderwunsch, sondern zunehmende Unsicherheit bremst die Familiengründung.