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Fussballs genialischer Prophet

Conte, Mourinho, Klopp und Zidane, die Schweizer Favre, Fischer, Wicky: Nie waren so viele Toptrainer ohne Job oder legten eine schöpferische Pause ein. Pep Guardiola hat den Sport verändert und überfordert seine Konkurrenz.
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Pep Guardiola tritt zum Ende der Saison als Trainer von Manchester City zurück. Das teilte der englische Meister heute mit. Der Vertrag des 55-jährigen Spaniers wäre noch bis 2027 gelaufen. Guardiola verlässt den Klub nach zehn Jahren als erfolgreichster Trainer der Vereinsgeschichte. Die Nachfolge ist offen.

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Pep Guardiola an der Seitenlinie von Manchester City gegen Arsenal
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«Fragt mich nicht, wieso ich gehe. Es gibt keinen Grund, aber tief in mir drin weiss ich, dass es Zeit ist zu gehen. Nichts ist ewig, sonst wäre ich noch hier», erklärte Guardiola in der Mitteilung. Die Verbindung zum Verein bleibe jedoch bestehen. Guardiola werde künftig als globaler Botschafter für die City Football Group tätig sein und verschiedene Projekte sowie technische Fragen innerhalb des weltweiten Klubnetzwerks begleiten.

Guardiola hatte Manchester City im Sommer 2016 übernommen, nachdem er zuvor den FC Bayern München trainiert hatte. In England prägte er eine Ära. Unter seiner Führung gewann City insgesamt zwanzig Titel, darunter sechs Meisterschaften sowie erstmals die Champions League. Bereits in seiner zweiten Saison führte er den Klub zum Gewinn der Premier League.

In den vergangenen beiden Jahren geriet die Dominanz von Manchester City jedoch ins Wanken. 2025 holte Liverpool den Meistertitel, in dieser Saison setzte sich Arsenal durch. Damit endet Guardiolas Amtszeit in einer Phase sportlicher Veränderungen, nachdem City zuvor jahrelang den englischen Fussball beherrscht hatte.

Sein letztes Spiel als Trainer von Manchester City bestreitet Guardiola am Sonntag zu Hause gegen Aston Villa. Die nachfolgende Würdigung seiner Leistung als Trainer erschein in der Weltwoche-Ausgabe vom 3. April 2024.

 

Für Bastian Schweinsteiger, den einstigen Spielmacher des FC Bayern und Weltmeister von 2014, ist der Schuldige an der mangelnden Kreativität der aktuellen Bundesliga überraschend der Stratege des modernen Fussballs überhaupt: Josep «Pep» Guardiola, der Erfinder des Tiki-Taka, der endlosen Passgirlanden, des Ballbesitzmonopols, des Prozentfussballs.

Falsch, «Schweini» klagt gewiss nicht den genialischen Propheten selber an, sondern die Masse seiner schlechten Nachahmer, die einer vermeintlichen Zauberformel, in Wirklichkeit der einschläfernden Langeweile des Linienverschiebens und Hintenherumspielens, verfielen.

 

Eleganter Schleicher

Der Maestro selber ist von München längst weitergezogen und setzt bei Manchester City radikal die neue, uralte Weisheit in die Tat um: Entscheidend ist, wer die Tore schiesst. Guardiola hatte das unfehlbare Auge und liess die Besitzerscheichs in Abu Dhabi den blutjungen Wikinger Erling Braut Haaland für vergleichsweise bescheidene sechzig Millionen Euro von Borussia Dortmund loseisen. An der Seite des Norwegers stürmt, kostengünstig, weil aus dem eigenen Nachwuchs rekrutiert, der ebenso junge, virtuose Dribbler Phil Foden.

Der Gewinner beim hektischen finalen Schlagabtausch ist in jedem Fall das Publikum.Die Topklubs in Europa bieten jeden Preis für Goalgetter, von Saudi-Arabien – 300 Millionen im Gesamtpaket für den Veteranen Ronaldo — nicht zu reden. Gleichzeitig rotiert das Trainerkarussell, denn auch das Spiel verändert sich und damit die Anforderungen und Erwartungen an den Trainer.

Mit der Chance, fünf Ersatzspieler einzuwechseln, also das halbe Feldpersonal, kann der Trainer spontan auf die Situation reagieren, ähnlich wie im Eishockey oder American Football. Aber eben nur fünf Mal. Doch möglich werden, je nach Situation und Zwischenstand, Umstellungen, neue taktische Varianten, Fantasie statt Beton. Momentan wechseln die meisten Trainer allerdings erst in den Schlussminuten frische Kräfte ein. Das führt häufig zu einem hektischen finalen Schlagabtausch – der Gewinner ist in jedem Fall das Publikum.

Im Seilziehen des Weltverbands Fifa mit der europäischen Uefa um immer mehr Wettbewerbe und Einnahmen – jetzt auch durch eine Klubweltmeisterschaft der Fifa – müssen die Klubs die Spieler stellen und ihre Kontingente entsprechend vergrössern. Der Trainer ist nicht nur auf dem Platz, sondern auch als Personalplaner ultimativ gefordert.

Pep Guardiola, wieder er, hat diese Entwicklung antizipiert. Im katalanischen Städtchen Girona mit kaum 100 000 Einwohnern operiert der Lokalklub als eine Art Farmteam und Reservoir von Manchester City, trainiert von Peps langjährigem Freund Miguel Angel Muñoz, Künstlername «Michel». Die Provinzler lieferten dem Riesen Real Madrid ein monatelanges Kopf-an-Kopf-Rennen in der spanischen Meisterschaft.

Er ist der kreative Trainer, der aus den Spielern die Spielweise, den Stil formt.Als Spieler in Italien war Pep Guardiola, heute 53, ein eleganter Schleicher und liess sich sogar in einen Dopingskandal hineinziehen. Als Trainer entwickelte er sich zum Perfektionisten. In Barcelona fand er drei kleingewachsene, filigrane Ballkünstler aus dem Nachwuchsinternat vor, Messi, Iniesta und Xavi, sowie ein halbes Dutzend weitere Jungs, eine Art perfekte Schulklasse. Für sie tüftelte er das System aus, das die fehlende Robustheit mit der Intelligenz des schnellen Ballzirkulierens kompensierte: Tiki-Taka.

 

Baukastensystem-Trainer

Er ist der kreative Trainer, der aus den Spielern die Spielweise, den Stil formt. Im Unterschied zu den Baukastensystem-Trainern, die mit fixen taktischen (und entsprechenden finanziellen) Forderungen an die Geldgeber operieren. Michel Platini, der einstige französische Weltklassespieler, der seine Karriere hauptsächlich in der Serie A bei Juventus Turin in einer durchorganisierten Mannschaft bestritt, bemisst den Anteil des Trainers am Erfolg eines Teams auf 20 Prozent. Das ist vermutlich zu tief gegriffen. Dennoch verdienen Trainer nur einen Bruchteil der Gagen ihrer Stars. Und Strategen auf dem Platz, wie etwa Pirlo oder Xavi, sind es nicht unbedingt auf der Trainerbank.

José Mourinho war ein lausiger Verteidiger und eine bewunderte Lichtgestalt als Trainer: Sieger der Champions League mit dem FC Porto und mit Internazionale Milano, Gewinner nationaler Meistertitel in Portugal, Italien, Spanien und England; Ehrendoktor der Technischen Universität Lissabon, aber an seinen letzten vier Arbeitsstellen ist er entlassen worden. Er gilt als mitreissender Motivator, aber auch als schnöder Abwehrfallensteller. Bei der AS Roma haben sie ihn nach zweieinhalb Jahren und nicht weniger als 28 roten Karten wegen seines dauernden Ausrastens gefeuert.

Zuchtmeister Klopp

Nie waren so viele renommierte Trainer arbeitslos oder zu einem Sabbatical entschlossen. In der Premier League hat der beispiellos populäre deutsche Zuchtmeister Jürgen Klopp seinen Abschied vom FC Liverpool erklärt, mitten im laufenden Titelkampf. Den Grund vermuten sie in England in seinem Privatleben. Klopp fand für den FC Liverpool eine ideale Formel mit den entsprechenden Spielern. Der Holländer Virgil van Dijk spielt ähnlich wie einst der unlängst verstorbene «Kaiser Franz» Beckenbauer den Libero, der mit Pässen über fünfzig Meter und das ganze gegnerische Mittel- und Minenfeld hinweg den Raketenstürmer Mo Salah lanciert. Eine einmalige Besetzung, unkopierbar. Salah, der Ägypter, wurde übrigens vom FC Basel entdeckt.

In der Bundesliga hat der FC Bayern dem Coach Thomas Tuchel den Vertrag auf Ende der Saison gekündigt. Für einen Trainer in München verläuft jede Saison wie das Jüngste Gericht. Die Bayern-Bosse wollten nun Xabi Alonso holen, ihren einstigen Spieler, der ihnen mit Bayer Leverkusen den Titel wegschnappt. Alonso gab allerdings bekannt, eine weitere Saison in Leverkusen anzuhängen.

Trotzdem bleibt der Spanier der Wunschtrainer der Stunde, ist auch bei Real Madrid ein Thema, falls Carlo Ancelotti, der weise italienische Bauernsohn und unaufgeregte Rasenphilosoph, weiterziehen sollte. An ihm, Ancelotti, dem Meistertrainer in allen fünf grossen europäischen Ligen, perlt jede Kritik ab.

Hingegen ist Rafa Benítez, 63, gerade von der grauen spanischen Maus Celta Vigo abgehalftert worden. Auf seinem Ruhmesblatt stehen Klubs wie Valencia, Inter, Real, mit Liverpool gewann er die Champions League.

Und in der Schweiz? In Bern haben sie Raphael Wicky vom Leader-Thron geschasst, weil sie befürchteten, es könne ausgehen wie einst mit Vladimir Petkovic, der den Titel mit den Young Boys auf der Zielgeraden noch verpatzte. Lucien Favre und Urs Fischer, beide im Vorruhestand nach bemerkenswerten Gastspielen im Ausland, werden als Kandidaten für die Nachfolge des umstrittenen Murat Yakin gehandelt.

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