In mehreren Deutschschweizer Kantonen gerät der Französischunterricht auf Primarstufe zunehmend unter Druck. In Appenzell Ausserrhoden hat der Kantonsrat kürzlich eine Motion zur Abschaffung des Frühfranzösisch gutgeheissen. Im Kanton Schwyz wird die Abschaffung derzeit zumindest geprüft: Der Erziehungsrat evaluiert eine mögliche Neuordnung des Sprachunterrichts auf Primarstufe.
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Diese Entwicklungen sorgen in der lateinischen Schweiz für deutliche Reaktionen. «Die Mehrsprachigkeit ist in der ‹Willensnation› Schweiz ein wichtiges Symbol des Zusammenhalts», sagt Mathilde Crevoisier Crelier, SP-Ständerätin aus dem Jura, gegenüber Nau. Die Präsidentin der ständerätlichen Bildungskommission bezeichnet es als «schade», dass das Frühfranzösisch unter politischen Druck geraten ist. Ihr Anliegen: Nicht ein Gegeneinander von Englisch und Französisch, sondern ein Bekenntnis zur sprachlichen Vielfalt.
Auch FDP-Nationalrat Alex Farinelli aus dem Tessin warnt vor einem Abbau sprachlicher Bildung. «Sprachen sind mehr als nur Kommunikationsmittel», erklärt er. Sie hätten einen «kulturellen, identitätsstiftenden und politischen Wert». Gerade im föderalistischen System der Schweiz sei die Verständigung zwischen Sprachgemeinschaften tragende Säule des Staatswesens.
Dass der Englischunterricht das Frühfranzösisch ersetzen soll, halten beide Parlamentarier für einen Irrweg. «Wenn Französisch schwieriger ist, müsste man eigentlich früher damit anfangen», so Crevoisier Crelier. Sie verweist auf die Verankerung der Landessprachenförderung in Verfassung und Sprachengesetz – und fordert die Kantone auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen.
Farinelli warnt: Wer den Frühunterricht in Landessprachen aufgibt, riskiert das Modell des sprachlich vielfältigen Zusammenlebens. Besonders im Tessin werde diese Entwicklung mit Sorge verfolgt – dort wolle man Italienisch nicht als regionale Randerscheinung sehen, sondern als integralen Bestandteil der Schweiz.