SRF-Journalist Pascal Schmitz, der durch die Publikation vertraulicher Aussagen massgeblich für die Entlassung von Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer verantwortlich ist, steht wegen früherer Facebook-Beiträgen unter Druck, wie die Weltwoche enthüllte. Das Schweizer Radio und Fernsehen erklärte: «SRF distanziert sich klar von diesen Äusserungen.» Schmitz wird vorerst nicht mehr vor der Kamera stehen, wie der Blick berichtet. Schmitz selbst «entschuldigt sich in aller Form für diese Äusserungen».
Auslöser sind obszöne und rassistische Kommentare aus früheren Jahren, die Schmitz nach Bekanntwerden der Affäre um Fischer gelöscht hatte. Der Fall trifft SRF in einer Phase erhöhter Sensibilität gegenüber journalistischen Standards und persönlichem Verhalten von Mitarbeitenden. Im Abstimmungskampf um die «200 Franken sind genug»-Initiative hat die gebührenfinanzierte Anstalt wiederholt ihre publizistische Integrität und ihren Stellenwert für die schweizerische Demokratie betont («Unsere Angebote unterstützen die Menschen in der freien Meinungsbildung und wirken positiv auf die Qualität der öffentlichen Debatte»).
Auffällig ist, dass sich SRF-Chefredaktor Tristan Brenn bislang nicht öffentlich zum Fall geäussert hat. Eine Stellungnahme zur Rolle des Senders oder zur Personalie Schmitz liegt nicht vor, obwohl Ursina Wey, Geschäftsführerin des Schweizer Presserats, erklärte: «Es sind keine Personen zu Schaden gekommen, der Vorfall liegt eine gewisse Zeit zurück, eine Verurteilung hat stattgefunden.» Sie wirft SRF-Journalist Schmitz vor, gegenüber Fischer einen «Vertrauensbruch» begangen zu haben.
Die Zurückhaltung von SRF-Chefredaktor Brenn kommt für Branchenkenner nicht überraschend. Weltwoche-Medienkolumnist Kurt W. Zimmermann, ehemaliger Chefredaktor der Sonntagzeitung, hat Brenns Führungsverhalten in mehreren Artikeln analysiert und kritisiert. Er bescheinigt Brenn ein «brennendes Desinteresse» für journalistisches Handwerk. Selbst wenn SRF von der Unabhängigen Beschwerdeinstanz (UBI) gerügt wird, will Brenn nicht die Spur eines Fehlverhaltens erkennen.
Etwa im Fall der sogenannten RKI-Files, die belegten, wie die deutsche Regierung in den Corona-Jahren wissenschaftliche Erkenntnisse zum Virus unterdrückte, um nicht von ihrem harten Massnahmenkurs abrücken zu müssen. Brenn begründete die fehlende Berichterstattung mit den Worten, die RKI-Files hätten «kaum Einfluss auf die Schweiz» – obwohl sie 2024 laut Zimmermann «eines der dominierenden Themen im deutschsprachigen Journalismus» waren und SRF fast täglich über und aus Deutschland berichtet.
«Unter Brenn, das wissen inzwischen alle TV-Mitarbeiter, kann man sich alles erlauben», schreibt Zimmermann. «Auch beim grössten Quatsch, den man abliefert, ist Verteidigungsminister Brenn als Abwehrkraft zur Stelle.» Der SRF-Chefredaktor sei der einzige Mensch, der glaube, dass das Schweizer Fernsehen vollkommen fehlerfrei sei. Zimmermann bezeichnet Brenn mit augenzwinkerndem Blick zurück als «sechsten und sechstbesten TV-Chefredaktor in der Fernsehgeschichte» und kleidet sein Fazit in Frageform: «Wie kann ein Esel wie Tristan Brenn nur Chefredaktor des Schweizer Fernsehens sein?»