Patrick Fischer ist seit Montag Geschichte. Der Nationaltrainer der Schweizer Eishockeymannschaft – dreimal WM-Silber, zehn Jahre im Amt – wurde von der Swiss Ice Hockey Federation per sofort entlassen. Grund: Fischer hatte sich im Oktober 2021 auf Telegram ein gefälschtes Covid-Zertifikat besorgt, um an den Olympischen Spielen 2022 in China dabei sein zu können. 2023 wurde er dafür von der Staatsanwaltschaft Luzern verurteilt – und mit knapp 39.000 Franken gebüsst. Am Montag machte er den Fall selbst publik, um einer SRF-«Enthüllung» zuvorzukommen. Der Verband stellte sich zunächst hinter ihn: «Für uns ist die Angelegenheit damit abgeschlossen.» 48 Stunden später war Fischer entlassen. Dreissig Tage vor dem ersten Gruppenspiel der Heim-WM gegen Olympiasieger USA.
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Die Weltwoche hat sämtliche Sponsoren und Partner der Swiss Ice Hockey Federation befragt: Ist diese Entlassung gerechtfertigt? Und dient sie dem Schweizer Eishockey – so kurz vor dem Grossevent im eigenen Land?
Die deutlichsten Worte kamen von einem unerwarteten Ort. Die Terex Real Estate AG, Partner des Verbandes, lässt an ihrer Haltung keinen Zweifel: Die Entlassung sei «nicht gerechtfertigt». Und weiter: «Es ist unfassbar, dass die ganzen Bemühungen und Investitionen, die Teamarbeit aller Mitarbeiter und Spieler, die täglich ihr Bestes geben, mit Füssen getreten werden für ein belangloses, wertloses Stück Papier.»
Das sind die klarsten Worte, die die Weltwoche in den letzten Stunden zu hören bekommen hat. Und die Seltenheit dieser Klarheit sagt alles.
Die meisten Sponsoren antworteten gar nicht. Swiss International Air Lines, Tissot, Keystone-SDA und ein Dutzend weitere: schweigen – oder bemühen sich mit leeren Worten. Swiss-Mediensprecher Michael Pelzer: Man möchte «höflich davon absehen, sich in dieser Sache weiterführend zu äussern». Die SRG, selbst Vertragspartnerin des Verbandes und gleichzeitig Urheberin der Anschwärzungsgeschichte, die Fischer den Job kostete, verweist auf ihre «publizistische Unabhängigkeit». Denner schreibt: «Als Sponsor ist es nicht unsere Aufgabe, sportliche Entscheidungen zu kommentieren, sondern das Schweizer Eishockey mit unserem Engagement zu unterstützen.»
Wer redete, sortierte sich rasch – und bekräftigte den Rausschmiss Fischers. Continental-Mann Wolfgang Vordermayer «unterstützt den eingeschlagenen Weg vollumfänglich». KPT-Sprecher Beni Meier findet, «konsequentes Handeln war erforderlich». Swiss Olympic begrüsst die Freistellung ausdrücklich – und wünscht der Mannschaft «grösstmöglichen Erfolg». Als hätte man nicht selbst dazu beigetragen, ihr den Trainer wegzunehmen.
Zwei Stimmen stechen heraus. Travelclub-Projektmanager Marc Strasser sagt klar: «Natürlich nicht – einen Trainerwechsel mitten in der Vorbereitung, einen Monat vor der WM, vorzunehmen, ist sportlich sehr schwierig.» Und der Force8-Chef antwortet auf die Frage, ob die Entlassung gerechtfertigt sei: «Ja.» Ob sie dem Eishockey diene: «Nein.»
Zwei Wörter. Mehr brauchte es nicht.