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«Drei-, viermal am Tag in den Schutzraum»: Nach Wochen im iranischen Bombenhagel denkt der Schweizer Botschafter in Tel Aviv keine Sekunde daran, den Posten in Israel aufzugeben

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«Drei-, viermal am Tag in den Schutzraum»: Nach Wochen im iranischen Bombenhagel denkt der Schweizer Botschafter in Tel Aviv keine Sekunde daran, den Posten in Israel aufzugeben
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Wie alle Menschen im Nahen Osten und in Mitteleuropa ist auch Simon Geissbühler am Mittwochmorgen mit der Hoffnung aufgestanden, dass nun etwas Ruhe einkehrt. Der Schweizer Botschafter in Tel Aviv hat die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, in den kommenden Wochen die Waffen schweigen zu lassen und mit dem Iran an den Verhandlungstisch zurückzukehren, zur Kenntnis genommen. Was das für Israel, das mit den USA gegen den Iran kämpft, genau bedeutet, war zur Stunde unklar, als die Weltwoche Geissbühler erreichte. Zuvor sandte er den 33. Situationsbericht seit Beginn des Kriegs an die Zentrale in Bundesbern.

© KEYSTONE / ANTHONY ANEX
Simon Geissbuehler, Schweizer Botschafter in Tel Aviv
© KEYSTONE / ANTHONY ANEX

Der Posten in Tel Aviv ist auch nach über fünf Wochen Bombenhagel offen – und operativ. «Erste Priorität hat die Sicherheit meines rund 20-köpfigen Teams», sagt Geissbühler. Zweite Priorität habe die Verfügbarkeit der konsularischen Dienste für die 25.000 Schweizer Staatsbürger, die in Israel leben, sowie für alle, die eine Dienstleistung der Schweizer Botschaft beanspruchen. Pässe und Visa ausstellen, informieren, Schalterzeiten gewähren – «Mit unserem Team konnten wir die Operationalität während des Kriegs aufrechterhalten», sagt Geissbühler. «Bei aller Bescheidenheit: Ich finde, darauf dürfen wir auch ein bisschen stolz sein.»

Am Telefon hört man heraus, dass der Krieg auch am Botschafter und dessen Mitarbeitern nicht spurlos vorbeigeht. «Seit dem 28. Februar hatten wir rund 150 Mal Sirenenalarm. Das heisst drei, vier Mal am Tag oder mitten in der Nacht müssen wir in den Schutzraum.» Die Schweizer Botschaft, die über einen guten Schutzraum verfüge, sei bis dato nicht getroffen worden, und Geissbühler geht auch nicht davon aus, dass der Iran den Posten bewusst ins Visier nimmt. Aber die iranischen Raketen mit ihren Streusprengköpfen sind unberechenbar und können lokal empfindliche Schäden anrichten. Ein einzelner Sprengkopf reicht aus, um einen Bus oder eine Wohnung zu zerstören.

Botschafter Geissbühler hatte zuletzt einen Einschlag unweit von der Schweizer Botschafter-Residenz, wo er mit seiner Familie untergebracht ist, auf dem Kurznachrichtendienst X dokumentiert. Er erinnerte dabei die Schweizer Kolonie an die Sicherheitsrichtlinien. Fast täglich habe der Iran den Grossraum Tel Aviv, wo praktisch alle Botschaften angesiedelt sind, mit solchen Cluster-Bomben beschossen. «Es gibt Länder, die ihren Posten deshalb geräumt oder die Verfügbarkeit stark eingeschränkt haben», sagt Geissbühler. Er und sein Team haben sich die Arbeit so aufgeteilt, dass nicht immer alle gleichzeitig in der Botschaft vor Ort sein müssen. «Die Botschaft zu schliessen und Tel Aviv zu verlassen, stand nie zur Debatte», sagt Geissbühler, «unsere Schweizer Mitbürger, aber auch die Kriegsparteien müssen wissen, dass die Schweiz da ist und hilft, wo sie kann.»

Was der Waffenstillstand für Israel bedeutet, wird sich in den kommenden Tagen weisen. Die israelische Armee teilte am Mittwoch mit, Luftangriffe im Süden Libanons und in Beirut durchgeführt zu haben. Was auch immer kommt: Botschafter Geissbühler und sein Team haben sich längst an diese extremen Bedingungen angepasst, sich an etwas gewöhnt, an das man sich niemals gewöhnen kann. «Man muss sich ehrlich machen: Jeder, der das durchmacht, ist traumatisiert. Die Frage wird sein, wie wir damit umgehen.»

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