Die Geburtenraten sinken weltweit schneller als erwartet – inzwischen liegt die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau in mehr als zwei Dritteln aller Staaten unter dem sogenannten Bestandserhaltungsniveau von 2,1 Kindern. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf neue demografische Daten und mehrere internationale Studien.
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Besonders auffällig ist laut der Analyse die Geschwindigkeit des Einbruchs. Noch vor fünf Jahren hatte die Uno für Südkorea im Jahr 2023 rund 350.000 Geburten prognostiziert. Tatsächlich wurden nur etwa 230.000 Kinder geboren – eine Abweichung von rund 50 Prozent. Inzwischen verzeichnen auch zahlreiche Schwellenländer tiefere Geburtenraten als westliche Industriestaaten. Mexiko fiel 2023 erstmals unter das Niveau der USA, ebenso später Brasilien, Tunesien, der Iran und Sri Lanka.
Die Financial Times verweist auf eine wachsende Zahl von Forschern, die den starken Rückgang nicht mehr allein mit wirtschaftlichen Faktoren erklären. Zwar erschweren hohe Wohnkosten, prekäre Arbeitsverhältnisse und spätere Familiengründungen den Kinderwunsch. Doch als zentrale Beschleuniger gelten zunehmend Smartphones und soziale Medien. Studien aus den USA und Grossbritannien zeigen laut Bericht, dass die Geburtenzahlen dort zuerst und am stärksten zurückgingen, wo schnelle mobile Datennetze früh verfügbar waren.
Forscher argumentieren, digitale Plattformen hätten das Sozialverhalten junger Menschen grundlegend verändert. Persönliche Kontakte nähmen ab, Partnerschaften entstünden seltener, stabile Beziehungen würden schwieriger. In Südkorea etwa habe sich die persönliche Freizeit mit Gleichaltrigen innerhalb von zwanzig Jahren halbiert. Gleichzeitig steige die Zahl kinderloser Menschen deutlich an.
Hinzu kommt laut mehreren Demografen ein wachsender Gegensatz zwischen jungen Männern und Frauen – kulturell, wirtschaftlich und politisch. Besonders in westlichen Staaten hätten soziale Medien Erwartungen an Beziehungen verändert und traditionelle Rollenbilder aufgebrochen. Die Folge sei eine zunehmende Vereinsamung vieler junger Erwachsener.
Die wirtschaftlichen Folgen gelten als gravierend. Alternde Gesellschaften belasten Rentensysteme, bremsen Produktivität und verschärfen politische Spannungen. Der Ökonom Jesús Fernández-Villaverde spricht laut Bericht von der «grossen Frage unserer Zeit». Selbst milliardenschwere Familienförderprogramme hätten den Trend bislang kaum gestoppt.