Es braucht keine Lehrmeistereien, kein nachträgliches Besserwissen, keine vernichtenden Kommentare aus dem Off. Der Blick, den der neue Schweizer Film «Der Hype. 2020 revisited» auf Protagonisten, Entscheidungsprozesse und zentrale Massnahmen des Corona-Regimes richtet, ist nüchtern und beinahe gelassen.
Mal ist die Zugangsweise investigativ, mal erzählend – und immer wieder so realsatirisch, dass manch einer bei der Zürcher Premiere sich ein Lachen nicht verkneifen konnte, trotz des schwerwiegenden Inhalts.
Regisseur Mike Wyniger, ein kluger, mutiger Einzelkämpfer des Genres, musste einfach nur Hunderte von Stunden fleissig nachschauen, wer wann was gesagt hat. Die Verantwortlichen – beim Bund, aber auch international bei der WHO, beim deutschen Robert-Koch-Institut oder bei der Bundesregierung – entlarven sich und die stümperhaften Grundlagen der weitreichenden politischen Weichenstellungen immer wieder selbst.
Dieselben Bundesräte und Beamten, die beispielsweise sagten, dass Masken nichts nützten, behaupteten wenig später das Gegenteil. Oder das Bundesamt für Gesundheit: Es informierte zuerst richtig und transparent darüber, dass PCR-Tests keine Aussagen über die Infektiosität zulassen – um kurz darauf zu behaupten, mit dem «Testen, testen, testen» könne man feststellen, wer infektiös sei.
Der Film belegt alles, was er sagt, mit Originalquellen und Daten. Deutlich wird, in welchem Ausmass wissenschaftliche Fakten aussen vor gelassen wurden, um gravierende Massnahmen wie Lockdowns anzuordnen; auch, wie prominente Vertreter der Wissenschaft sich in eine Kampagne einspannen liessen, die ihre eigenen wissenschaftlichen Grundsätze am laufenden Meter verletzte. Paradebeispiel dafür ist Professor Matthias Egger, Epidemiologe an der Universität Bern, ehemaliger Task-Force-Präsident und Chef des Schweizerischen Nationalfonds. Er ging, wie der Film beweist, so weit, Studienresultate in ihr Gegenteil zu verkehren und Mitarbeiter auszuschliessen, die bei den Tatsachen blieben.
Neben seiner Recherchekraft lebt «Der Hype» von prominenten Stimmen der Wissenschaft, nationalen und internationalen. Zu Wort kommen die Professoren John P. Ioannidis, Beda Stadler, Andreas Sönnichsen, Pietro Vernazza, Michael Esfeld, Konstantin Beck und weitere. Dr. Mascha Santschi Kallay, Juristin und Präsidentin der Unabhängigen Beschwerdeinstanz, durchleuchtet die Medienmechanismen hinter dem Hype. Andrea Staubli vom Aktionsbündnis Freie Schweiz blickt voraus: auf die Revision des Epidemiengesetzes, das die Fehler von damals fortschreiben will. Das ist schliesslich einer der Antriebe des ganzen Films: durch Aufklärung «eine bessere Zukunft» zu ermöglichen. Dazu tragen auch die famosen Wissenschaftsjournalistinnen Serena Tinari und Cathrine Riva bei.
Diesen Film sollten sich alle ansehen, insbesondere die Politiker, Beamten, Wissenschafter, Journalisten, die den sich in Hysterie steigernden Hype von 2020 befeuerten. Und die bis heute so tun, als hätte ihr Handeln irgendwelche Evidenz gehabt. Dass dem nicht so war, zeigt Wynigers Werk überzeugend. Damit ihn möglichst viele Leute sehen können, ist der Film neben den Kinos auch im Internet frei verfügbar.