Es sei ein «31-jähriger Schweizer» gewesen, der am Bahnhof Winterthur drei Personen mit einem Messer angriff und zum Teil schwer verletzte. Die Sprachregelung aus der offiziellen Polizeimeldung wurde über Stunden hinweg von praktisch allen Schweizer Medien unhinterfragt übernommen. Obwohl es früh Anzeichen dafür gab, dass es nicht ganz so einfach ist.
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Auch für die öffentlich-rechtlichen Erziehungsberechtigten vom Leutschenbach war die Welt damit vorerst im Lot. Die SRG-Kanäle nahmen die Bezeichnung als «Schweizer» dankbar auf und wiederholten sie. Auf der Website von SRF wurde in der Berichterstattung zunächst auch auf das Detail verzichtet, dass der Attentäter laut Zeugen mehrfach «Allahu akbar» gerufen hatte.
Das, während in den sozialen Medien und anderen Onlinezeitungen längst Videos zirkulierten, die den rennenden Angreifer unmissverständlich mit diesem Kampfruf zeigten. Ganz nach dem eisernen Gesetz: Bloss keine gefährlichen Stereotypen bedienen.
Erst am Nachmittag, als der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr Klartext redete und von einem «Terrorakt» sprach, zerbröselte das mediale Kartenhaus. Aus dem vermeintlichen Eidgenossen wurde in den SRF-Spalten und in den Onlinemedien urplötzlich ein «schweizerisch-türkischer Doppelbürger».
Es stellte sich heraus: Der Mann war der Bundesanwaltschaft schon seit Jahren wegen IS-Propaganda bekannt und lebte die letzten Jahre in der Türkei. Doch statt den Fokus auf das monumentale Versagen der hiesigen Ausschaffungs- und Überwachungspraxis zu legen, zauberten die SRF-Redaktoren sofort die nächste Nebelkerze aus dem Hut: Der Mann sei schliesslich «psychisch gestört» und in der Psychiatrie gewesen.
Ein Islamist sticht mehrere Schweizer nieder, wird medial erst zum reinen Eidgenossen gemacht und schliesslich zum bedauernswerten Patienten umdeklariert. Die Wahrheit scheint aus Sicht vieler Journalisten dem einfachen Volk nicht zumutbar.