Heidi Reichinnek, Fraktionsvorsitzende von der Linken im Deutschen Bundestag, setzt sich nicht ohne Grund für die Arbeiterschaft ein. Sie sieht darin eine Mission, weil sie selbst einst aufs Schändlichste ausgebeutet wurde als billige Arbeitskraft.
In einem Podcast schildert Reichinnek die dramatischen Bedingungen, unter denen sie bei Jobs während ihres Studiums gelitten hat.
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Bei der Handelskette Kaufland habe sie beispielsweise die Inventur im Tiefkühlbereich machen müssen. Arbeitshandschuhe habe man ihr nicht zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis sei Frostbrand an den Fingern gewesen.
Und dann erst der Einsatz beim Bekleidungsverkäufer H&M. Nach einem zweistündigen Einsatz wollte die Politikerin auf die Toilette, bevor sie das Ende ihrer Schicht in einen Plan eintrug. Das wurde ihr nicht bewilligt, sie musste zuerst ihre Unterschrift setzen.
«War scheisse», befindet Reichinnek. Sie habe die Ausbeutung, die es in manchen Berufen gebe, «im Kleinsten erlebt», und das begleite sie bis heute und mache sie noch immer wütend. Deshalb kämpfe sie dafür, dass das anderen nicht passiere.
Umso ärgerlicher ist es natürlich, dass die Ausgebeuteten nicht zu wissen scheinen, mit wie viel einschlägiger Erfahrung sich die Bundestagsabgeordnete für sie einsetzt. Wahlumfragen sehen Die Linke bei etwa 10 Prozent. Offenbar suchen auch Angestellte, die unter misslichen Bedingungen leiden, das Heil eher bei der AfD, die Richtung 30 Prozent unterwegs ist.
Im Nachhinein ist es bedauernswert, dass bei Kaufland keine Handschuhe herumlagen und das Personal bei H&M keinen kurzen Gang zur Toilette erlaubte. Denn ohne diese offenbar zutiefst traumatisierenden Ereignisse wäre Reichinnek vielleicht nie in der Politik gelandet. Dem Land wäre einiges erspart geblieben.