Die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Industrie ist auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gefallen. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor, berichtet das Portal Apollo News. Demnach arbeiteten 2025 nur noch rund 6,6 Millionen Menschen im Industriesektor.
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Die Bertelsmann-Stiftung warnt vor einer strukturellen Schwäche des Arbeitsmarkts. «Die zurückgehenden Neueinstellungen sind ein Warnsignal für die künftige Beschäftigungsentwicklung», sagte Arbeitsmarktexpertin Susanne Schultz der Deutschen Presse-Agentur. Seit 2019 würden deutlich weniger Stellen neu besetzt als Arbeitsverhältnisse beendet. Um Berufseinsteigern wieder Perspektiven zu eröffnen, brauche es eine stärkere Nachfrage nach Arbeitskräften und mehr Dynamik in der Industrie.
Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang in der Metall- und Elektroindustrie. Nach Angaben des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall gingen dort seit 2019 rund 320.000 Arbeitsplätze verloren. Allein im April dieses Jahres lag die Zahl der Beschäftigten um 103.000 unter dem Vorjahreswert. Für ihre Untersuchung werteten die Forscher zahlreiche Arbeitsmarktindikatoren sowie rund 60 Millionen Stellenanzeigen aus.
Der Bedeutungsverlust der Industrie spiegelt sich auch am Gesamtarbeitsmarkt wider. Der Anteil der Industriebeschäftigten sank von 22 Prozent im Jahr 2014 auf nur noch 19 Prozent. Gleichzeitig ging die Zahl der Stellenausschreibungen zurück. Nach Einschätzung der Studienautoren hängt dies vor allem mit einem Rückgang von Zeitarbeitsangeboten zusammen. Gesucht werden hingegen weiterhin Fachkräfte mit technisch anspruchsvollen Qualifikationen.
Die Untersuchung verweist zudem auf einen schwindenden finanziellen Anreiz für eine Tätigkeit in der Industrie. Der Lohnvorsprung gegenüber anderen Branchen hat sich innerhalb eines Jahrzehnts nahezu halbiert. Bei Berufseinsteigern sank er von 20,4 Prozent 2014 auf 10,4 Prozent. Auch langjährig Beschäftigte profitieren deutlich weniger als früher: Hier verringerte sich der Vorsprung von 16,4 auf 8,7 Prozent.