Der Queerbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Ludger Schepers, fordert eine Wende der katholischen Kirche in geschlechtspolitischen Fragen. Dies berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur. Schepers, der auch Weihbischof von Essen ist, erklärt, die Kirche dürfe «Diskriminierung» nicht hinnehmen und müsse die «Vielfalt menschlicher Identitäten» anerkennen.
DANIEL LÖB / KEYSTONE
Schepers sagt, «die Vielfalt menschlicher Identitäten – ob homo-, trans- oder intergeschlechtlich – ist kein modernes Konstrukt, sondern Teil von Gottes Schöpfungsplan». Wer Menschen «aufgrund ihrer Identität» ausgrenze, handle «im Dienst einer Ideologie», die mit dem Christentum «nichts» gemein habe. Zugleich wirft er der Kirche vor, «patriarchale Strukturen» über Jahrhunderte «nicht nur geduldet, sondern aktiv gefördert» zu haben.
Der Weihbischof fordert, «Gleichberechtigung» müsse im kirchlichen Alltag sichtbar werden. Dazu gehörten Angebote für «Frauen, Männer und queere Menschen» sowie eine «Pastoral, die alle Geschlechter ernst nimmt». Bestehende Projekte in den Bistümern reichten dafür nicht aus.
Eine Rückkehr zu traditionellen Geschlechterrollen bezeichnet Schepers als «Irrweg». In diesem Zusammenhang kritisiert er sogenannte Tradwives. Als Tradwives bezeichnen sich Frauen, die sich für ein traditionelles Hausfrauenleben entscheiden. Die Rückkehr zu festen Rollen sei «kein harmloser Trend», sondern «ein Problem für Freiheit und Gleichberechtigung». Dahinter stünden oft «politische Interessen», der Trend selbst sei eine «künstliche Ästhetik ohne Bodenhaftung».
Die DBK hatte Schepers 2024 zum ersten Queerbeauftragten ernannt. Die katholische Kirche hält im Katechismus zugleich an der Forderung nach Enthaltsamkeit für Homosexuelle fest und betont, dass sexuelle Handlungen ausserhalb der Ehe gegen ihre Regeln verstossen.