Die Bundesbank warnt angesichts des Krieges im Nahen Osten vor einer länger anhaltenden Phase hoher Inflation in Deutschland, berichtet die Zeitung Die Welt. Nach der gegenwärtigen Prognose der Notenbank wird die Teuerungsrate 2026 bei 2,9 Prozent liegen und damit deutlich über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank. Bundesbankpräsident Joachim Nagel erklärte, der durch den Konflikt ausgelöste Angebotsschock erweise sich als «stark und persistent».
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Selbst bei einer raschen Entspannung der Lage erwartet die Bundesbank für 2027 lediglich einen Rückgang der Inflationsrate auf 2,7 Prozent. Erst 2028 soll die Teuerung mit 1,9 Prozent wieder knapp unter die Zwei-Prozent-Marke fallen. Besonders besorgt zeigt sich die Notenbank über die Folgen steigender Energiepreise, die sich zunehmend auf Transport-, Produktions- und Dienstleistungskosten auswirken.
Für den Fall einer länger andauernden Sperrung der Strasse von Hormus zeichnet die Bundesbank ein deutlich düstereres Bild. In ihrem Risikoszenario geht sie von einem Ölpreis von bis zu 166 Dollar pro Fass aus. Die Inflation könnte dann im kommenden Jahr auf über fünf Prozent steigen und selbst 2028 noch nahe vier Prozent liegen. Zugleich drohten erhebliche Belastungen für Konsumenten, Unternehmen und den Arbeitsmarkt.
Die Entwicklung hat auch Konsequenzen für die Geldpolitik. Nachdem die Europäische Zentralbank den Einlagenzins auf 2,25 Prozent angehoben hat, schloss Nagel weitere Zinsschritte nicht aus. Höhere Finanzierungskosten machen sich bereits bei Baukrediten und Unternehmenskrediten bemerkbar und belasten die Investitionstätigkeit.
Trotz der Risiken erwartet die Bundesbank für die deutsche Wirtschaft weiterhin ein moderates Wachstum. Für 2026 prognostiziert sie ein Plus des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent, für 2027 von 0,8 Prozent und für 2028 von 1,4 Prozent. Wesentlichen Anteil daran hätten zusätzliche staatliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur. Ohne diese Impulse wäre die wirtschaftliche Entwicklung deutlich schwächer.