Eine neue Studie der Technischen Universität München stellt die Klimabilanz von Elektroautos in Frage und liefert der Debatte über das europäische Verbrenneraus neuen Stoff. Nach der Bild am Sonntag vorliegenden Zusammenfassung kommen die Forscher zum Ergebnis, dass batterieelektrische Fahrzeuge die CO2-Belastung gegenüber Verbrennern im Durchschnitt lediglich um 41 Prozent senken. Die Studie soll am Dienstag offiziell vorgestellt werden.
Sascha Thelen/Keystone
Kern der Kritik ist die Berechnung der Emissionen. Elektroautos gelten im Betrieb als emissionsfrei, weil sie kein CO2 am Auspuff ausstossen. Nach Ansicht der Münchner Forscher greift das zu kurz: Einbezogen werden müssten auch Emissionen aus Rohstoffgewinnung, Produktion, Stromverbrauch und Recycling. Erst über den gesamten Lebenszyklus lasse sich die tatsächliche Klimabilanz eines Autos beurteilen.
Jens Gieseke, verkehrspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, sieht darin eine Bestätigung seiner bisherigen Kritik. E-Autos als Nullemissionsfahrzeuge einzustufen, sei ein «ideologischer Irrweg» gewesen. Statt nur die Emissionen am Auspuff zu berücksichtigen, müsse der gesamte Lebenszyklus zählen. Nun gebe es die «einmalige Chance, den Fehler zu korrigieren».
Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nimmt die Studie zum Anlass, erneut das Ende des geplanten Verbrenneraus zu fordern. «Wieder einmal wird klar: Es braucht dringend das echte Aus vom Verbrenneraus der EU», sagte der CSU-Chef der Bild. Statt die Autoindustrie auf den Elektroantrieb festzulegen, müsse Brüssel verschiedene Technologien zulassen.
Söder begründet diese Forderung nicht nur mit der Klimabilanz, sondern auch mit der Sorge um Europas Autoindustrie. Der Umbau hin zur Elektromobilität könnte dort zahlreiche Arbeitsplätze kosten: Laut einer separaten Studie des Fraunhofer-Instituts könnten bis 2040 europaweit rund 726.000 von 1,6 Millionen Stellen wegfallen, ein Grossteil davon bereits bis 2035.
Auch der Verband der Automobilindustrie warnt deshalb davor, den Wandel auf eine einzige Antriebstechnik auszurichten. VDA-Präsidentin Hildegard Müller fordert einen Technologiemix. Unterschiedliche Lösungen könnten zum klimafreundlichen Verkehr beitragen und zugleich der europäischen Industrie mehr Spielraum beim Umbau geben.