Teheran setzt die Kooperation mit der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) aus und führt sein umstrittenes Atomprogramm unbeaufsichtigt fort. Das iranische Parlament verabschiedete laut Staatssender Irib am Dienstag ein entsprechendes Gesetz, nur wenige Tage nach Inkrafttreten eines Waffenstillstands mit Israel.
Die iranische Atomenergie-Organisation erklärte: «Unser Atomprogramm wird dort fortgesetzt, wo es aufgehört hat, ohne Unterbrechung. Wir sind voll und ganz bereit.» Satellitenaufnahmen zeigen offenbar eine Wiederaufnahme der Arbeiten an der Anlage in Natans, rund 250 Kilometer südlich von Teheran. Die Urananreicherung dort ist laut Experten ein zentraler Bestandteil möglicher Waffenambitionen.
IRANIAN PRESIDENT OFFICE HANDOUT / KEYSTONE
Ein aktueller Bericht der IAEO vom Mai 2025 hatte bereits eine drastische Zunahme des Vorrats an hochangereichertem Uran dokumentiert: 408,6 Kilogramm bei 60 Prozent Reinheit – theoretisch ausreichend für mehrere Nuklearwaffen. IAEO-Chef Rafael Mariano Grossi zeigte sich «ernsthaft besorgt»: Der Iran sei das einzige Land ohne Atomwaffenstatus, das Uran auf diesem Niveau anreichere. Eine zivile Nutzung sei «nicht glaubwürdig».
Trotz diplomatischer Bemühungen, etwa durch den US-Sondergesandten Steve Witkoff, der «vielversprechende» Gespräche mit Teheran über ein ziviles, nichtmilitärisches Atomprogramm bestätigte, bleibt die Eskalation offensichtlich. Laut Witkoff ist es «fast unmöglich» für den Iran, das Atomprogramm wieder vollständig hochzufahren. Die Realität widerspricht dieser Einschätzung – zumindest derzeit.