Der frühere Siemens-Chef Joe Kaeser warnt vor einer wirtschaftspolitischen Sackgasse in Deutschland und sieht die Stabilität des politischen Systems gefährdet. Kaeser sagte im Interview mit The Pioneer: «Die Brandmauer wird in Flammen aufgehen und bestehen oder auch nicht.»
Kaeser zieht eine kritische Bilanz der bisherigen Amtszeit der schwarz-roten Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz. Das erste Jahr sei ein «Jahr der verpassten Chancen» gewesen. Zentrale Reformen seien ausgeblieben, obwohl der Handlungsbedarf offensichtlich sei.
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Besonders scharf kritisierte der Manager die Rentenpolitik. Es sei «unverantwortlich», Leistungen über den Inflationsausgleich hinaus zu erhöhen und damit die jüngere Generation zusätzlich zu belasten. Insgesamt bemängelte Kaeser einen massiven Reformstau in zentralen Bereichen wie Arbeit, Wirtschaft und Soziales.
Die aktuelle Koalition bremse sich laut Kaeser selbst aus. Politische Konstellationen liessen derzeit kaum Alternativen zu, was grundlegende Veränderungen erschwere. Die Folge sei eine politische und wirtschaftliche Blockade.
Für die kommenden Jahre fordert Kaeser tiefgreifende strukturelle Reformen. Andernfalls drohe Deutschland weiter an wirtschaftlicher Stärke zu verlieren. Am Ende der Entwicklung könne eine Situation entstehen, in der nur noch radikale politische Schritte möglich seien. Kaeser sprach von der Notwendigkeit einer «Art Disruption», um das Vertrauen in politische Handlungsfähigkeit wiederherzustellen.
Ohne grundlegende Kurskorrektur werde Deutschland «den Weg in den Niedergang fortsetzen».