Der Krieg mit dem Iran lässt die globalen Ölreserven in einem historisch beispiellosen Tempo schrumpfen. Laut Schätzungen der US-Investmentbank Morgan Stanley sind die weltweiten Lagerbestände zwischen dem 1. März und dem 25. April täglich um rund 4,8 Millionen Barrel gefallen. Hauptgrund ist die faktische Blockade der Strasse von Hormus, durch die normalerweise ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels läuft. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf Daten der Internationalen Energieagentur sowie Analysen von J. P. Morgan, Goldman Sachs und weiteren Marktbeobachtern.
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Die rapide sinkenden Reserven verschärfen die Gefahr neuer Preisschocks und Versorgungsengpässe. Experten warnen, dass die OECD-Staaten bereits in den kommenden Wochen kritische Belastungsgrenzen erreichen könnten. Gemeint ist jener Punkt, an dem Pipelines, Exportterminals und Raffinerien nur noch eingeschränkt funktionieren, weil die notwendigen Mindestbestände fehlen.
Besonders angespannt ist die Lage in mehreren asiatischen Importstaaten. Händler nennen Indonesien, Vietnam, Pakistan und die Philippinen als besonders gefährdet. Dort könnten Treibstoffreserven laut Marktteilnehmern innerhalb weniger Wochen kritische Tiefstände erreichen. In Europa geraten vor allem Kerosinbestände unter Druck. Die Lager im Raum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen sind laut dem Marktforschungsunternehmen Insights Global seit Kriegsbeginn um ein Drittel gefallen und liegen auf dem tiefsten Stand seit sechs Jahren.
Die USA haben ihre strategischen Reserven bereits massiv angezapft. Die amerikanischen Dieselbestände fielen zuletzt auf den niedrigsten Stand seit 2005. Gleichzeitig steigen die Exporte, weil Washington zunehmend als wichtigster Ersatzlieferant für den Weltmarkt einspringt. Die Internationale Energieagentur koordinierte inzwischen die Freigabe von 400 Millionen Barrel aus staatlichen Notreserven. Doch auch diese Puffer schrumpfen zusehends.
Der Konflikt treibt nicht nur die Energiepreise nach oben, sondern erhöht weltweit die Rezessionsgefahr. Airlines streichen Flüge, Indien meldet Engpässe bei Flüssiggas, und die Benzinpreise in den USA steigen deutlich. Analysten rechnen damit, dass die Preise weiter steigen müssen, um die Nachfrage genügend zu bremsen und den Markt zu stabilisieren.
Selbst bei einer Wiederöffnung der Strasse von Hormus dürfte sich die Lage laut Experten nur langsam entspannen. Viele Staaten und Unternehmen müssten ihre Reserven anschliessend wieder auffüllen – mit zusätzlichem Druck auf den ohnehin angespannten Ölmarkt.