Springer-Chef weist den Bericht über einen AfD-Vorstoss gegenüber Merz als «glatte Lüge» zurück. Nach Recherchen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) soll Axel-Springer-Verwaltungsrats-Chef Mathias Döpfner Bundeskanzler Friedrich Merz Anfang 2026 in einem Vieraugengespräch im Kanzleramt zu einer Öffnung der Union gegenüber der AfD gedrängt haben. Der Springer-Verlag bestreitet die Darstellung entschieden und bezeichnet sie als frei erfunden.
Annette Riedl/DPA/Keystone
Ausgangspunkt des Berichts ist die erste Folge des neuen RND-Podcasts «Wenn Sie wüssten …». Die Autoren Stephan Lamby, Eva Quadbeck und Kristina Dunz berufen sich auf mehrere nach eigenen Angaben gutinformierte Quellen sowie weitere Indizien. Demnach hat Döpfner Merz vorgeschlagen, eine Zusammenarbeit mit der AfD in Betracht zu ziehen. Der Kanzler habe dies kategorisch zurückgewiesen und laut einer Quelle erklärt, dies geschehe «nur über meine Leiche». Anschliessend soll Döpfner erwidert haben: «Das werden Sie noch bereuen.»
Springer weist den Bericht vollständig zurück. Der Verlag erklärte auf X, die Schilderung sei «absurd», und die Behauptung, Döpfner habe den Kanzler zu einer Kooperation mit der AfD gedrängt, sei eine «glatte Lüge». Verlauf und Inhalt des angeblichen Gesprächs seien frei erfunden. Zudem verweist Springer darauf, dass ähnliche Behauptungen bereits Ende 2025 in Berliner Journalistenkreisen kursiert hätten, obwohl das Treffen laut Podcast erst Monate später stattgefunden haben soll. Der Verlag spricht von einer gezielten Rufmordkampagne.
Die Bundesregierung äussert sich nicht zu angeblichen nichtöffentlichen Terminen des Kanzlers. Vizeregierungssprecher Sebastian Hille bezeichnete entsprechende Fragen in der Bundespressekonferenz als «absurde Gerüchte». Das RND hält dagegen an seiner Recherche fest und erklärt, Springer vor der Veröffentlichung mit den Aussagen der Quellen konfrontiert zu haben. Im Podcast wird zudem behauptet, Döpfner habe bereits während des Bundestagswahlkampfs 2024/25 einen ähnlichen Vorstoss unternommen. Als Indiz wird unter anderem eine frühere Äusserung von Merz angeführt, wonach er sich auch auf Druck «aus einzelnen Verlagshäusern» nicht auf andere Mehrheiten mit der AfD einlassen werde.