Kurz vor seinem Abschied aus der Politik hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann Kritik am Kurs der Bundes-Grünen geübt. In der SWR-Sendung «Zur Sache Baden-Württemberg» sagte der 76-Jährige, das Verhältnis zur Parteiführung sei «immer sehr gespannt» gewesen. Diese arbeite mit «Tunnelblick» und orientiere sich vor allem an möglichst radikalen Zielen. «Wer formuliert noch die radikaleren Ziele? Das ist nicht mein Ding gewesen», so Kretschmann. Radikalität habe er «in der Studentenzeit versucht» – ein «Irrtum», der nicht zum Erfolg führe.
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Der aktuelle Kurs sei politisch wirkungslos. «Wichtig ist, dass man Mehrheiten bekommt», sagte Kretschmann. Bundesweit sprächen die Grünen zu wenige Wähler an. «Wenn man in die Breite will, muss man sein Programm breiter machen.» In Umfragen liegt die Partei derzeit bei 11 bis 12 Prozent. Dazu Kretschmann: «Wenn man mit 10 Prozent zufrieden ist, kann man das so machen, wie die Bundespartei das jetzt wieder macht.» Mit breiter aufgestellten Zielen könne man «viel mehr und dauerhafter gestalten».
In Baden-Württemberg kommen die Grünen aktuell nur noch auf 17 bis 20 Prozent und liegen hinter CDU und zuletzt auch AfD. 2021 hatte Kretschmann noch 32,6 Prozent erreicht. Den Absturz erklärt er mit «bundespolitischen Gründen», etwa dem schlechten Ansehen der Ampel und von Wirtschaftsminister Robert Habeck. Schon nach der Europawahl 2024 hatte er seine Partei aufgefordert, zu klären, ob sie Bündnis- oder Milieupartei sein wolle. Anfang 2025 kritisierte er erneut fehlende Klarheit in der Migrationspolitik.
Kretschmann tritt 2026 nicht mehr an. Dass er auf dem Bundesparteitag in Hannover nicht verabschiedet wird, kommentierte Kretschmann knapp: Es sei «vielleicht auch ehrlich». Ihren einzigen Ministerpräsidentenposten wollen die Grünen mit dem ehemaligen Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir als Spitzenkandidaten verteidigen.