EU-Chefdiplomatin KajaAllas hat Russland vor den Folgen eines möglichen Angriffs auf ein Nato-Mitglied gewarnt und zugleich deutlich gemacht, dass die Europäische Union vorerst keinen eigenen Russland-Gesandten für mögliche Friedensverhandlungen ernennen will. In einem Interview mit dem Magazin Spiegel erklärte die estnische Politikerin: «Ein Angriff auf die Nato hätte verheerende Konsequenzen für Russland.»
GEORGE CHRISTOPHOROU / KEYSTONE
Kallas verwies auf «die permanenten Drohungen Russlands», die sich zuletzt auch gegen ausländische Diplomaten gerichtet hätten. Moskau wolle damit demonstrieren, dass es weiterhin Macht ausüben könne – «mit Angriffen auf Zivilisten in der Ukraine, aber auch mit Drohungen gegen andere Staaten». Die Botschaft sei klar: «Wenn Moskau eines dieser Länder bedroht, bedroht es die Nato als Ganzes.»
Die frühere estnische Ministerpräsidentin warnte zugleich vor möglichen russischen Ablenkungsmanövern bei Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs. Mit Blick auf Spekulationen um Vermittlerrollen erklärte sie: «Wenn Russland vorgeben will, wer als Verhandler überhaupt in Frage kommt, will es uns in eine Falle locken: Moskau will, dass wir über Personalien sprechen statt über Inhalte.» Zuvor hatte Russlands Präsident Wladimir Putin den früheren deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder als möglichen Gesprächspartner ins Spiel gebracht.
Nach Angaben mehrerer ranghoher EU-Beamter und Diplomaten sieht Brüssel derzeit keinen Nutzen darin, einen offiziellen Chefverhandler für Gespräche mit Russland zu benennen. Stattdessen solle zunächst über die politische Strategie gesprochen werden. Eine EU-Beamtin sagte am Rande eines informellen Aussenministertreffens in Zypern, man müsse zuerst klären, «worüber wir mit Russland sprechen wollen» und wie die EU diplomatische Initiativen unterstützen könne.