Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat die zunehmende Akademisierung der deutschen Parteien und Parlamente kritisiert. In der ARD-Sendung «hart aber fair» sagte Gabriel, viele Parteien spiegelten die gesellschaftliche Vielfalt nicht mehr ausreichend wider.
Gabriel erklärte, die Parteien würden zunehmend von Menschen mit akademischem Hintergrund geprägt. Dadurch fühlten sich Teile der Bevölkerung nicht mehr vertreten. «Diese Menschen kommen gar nicht zu uns, weil sie wissen, dass ihre Sprache, ihre Kultur, bei uns fremd ist», sagte er. Als Beispiel nannte Gabriel einen fiktiven Parteibewerber, der rauche, gerne Fleisch esse, All-inclusive-Ferien auf Mallorca bevorzuge, RTL-Soaps schaue und ein Pinup-Bild im Spind habe. Er fragte, ob eine solche Person in den Parteien akzeptiert oder zunächst durch zahlreiche «Pädagogisierungsversuche» verändert würde.
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Die AfD bilde in dieser Frage eine Ausnahme. Viele andere Parteien hätten nur noch wenige Handwerksmeister, Facharbeiter oder Selbstständige in ihren Reihen. «Die Parteien bilden nicht mehr die Bandbreite der Gesellschaft ab, sondern sind immer mehr akademisiert», sagte Gabriel.
Als Ursache sieht der frühere SPD-Chef auch die Bildungserfolge der vergangenen Jahrzehnte. Die Bildungsreformen der 1970er Jahre hätten vielen Menschen neue Aufstiegschancen eröffnet. Gabriel verwies dabei auf seine eigene Biografie. Er sei in seiner Familie der Erste gewesen, der das Abitur abgelegt und studiert habe. Ohne diese Reformen wäre er nach eigenen Worten vermutlich Chemielaborant geworden.