Selbst ein Ja sei nicht das Aus für das Abkommen mit der EU. Der bilaterale Weg sei dann für die Stabilisierung unserer Beziehungen noch wichtiger. Dies gab Aussenminister Ignazio Cassis in einem Gespräch mit der Sonntagszeitung zu verstehen. Der Sohn italienischer Einwanderer, der es zum Arzt und bis in den Bundesrat gebracht hat, warnt zwar auch vor einer Annahme der Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz», über die wir in vierzehn Tagen abstimmen werden.
Andreas Becker/Keystone
Von den anderen Initiativgegnern unterscheidet sich der Tessiner insofern, als er nicht in das übliche Lamento verfällt, man werde die bilateralen Verträge inklusive der Abkommen von Schengen/Dublin kündigen müssen, sollte die SVP mit ihrer Vorlage durchkommen. Cassis strich beim oben genannten Gespräch sogar heraus, dass bei einem Ja zur «Keine 10-Millionen-Schweiz!»-Initiative die «Bilateralen III», die in der parlamentarischen Beratung stecken, noch wichtiger würden. Cassis’ Diskurs ist ein anderer als jener linksliberaler Kreise, die mit wilden Katastrophenszenarien und steilen Hypothesen versuchen, bei den Stimmbürgern Angst zu schüren.
Wenn also selbst der freisinnige Aussenminister nicht mehr behauptet, ein Ja am 14. Juni bedeute automatisch das Ende der Bilateralen, verliert das zentrale Angstargument der Gegner an Glaubwürdigkeit.