Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) führt derzeit 44 islamistische Risikopersonen und stuft die Terrorbedrohung für die Schweiz weiterhin als erhöht ein. Das sagte NDB-Sprecher Christoph Gnägi gegenüber dem Blick. Die grösste Bedrohung gehe von Einzelpersonen oder Kleingruppen aus, die etwa mit Messern schwer zu schützende Ziele angreifen könnten.
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Ausgangspunkt der aktuellen Debatte ist der Messerangriff von Winterthur Ende Mai. Der mutmassliche Täter war den Sicherheitsbehörden bekannt. Die Zürcher Kantonspolizei informierte die Bundeskriminalpolizei zwei Tage vor der Tat darüber, dass sich der Mann mit einem wirren Hilferuf bei der Stadtpolizei gemeldet hatte. Unklar bleibt, wie engmaschig die Behörden ihn vor dem Angriff beobachteten.
Personen wie den Winterthurer Attentäter erfasst der NDB als sogenannte Risikopersonen. Darunter versteht der Nachrichtendienst Personen, die eine Bedrohung für die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz darstellen könnten. Anfang Juni registrierte der Dienst 44 solcher Fälle. Die Informationen werden laufend an das Bundesamt für Polizei und die Bundesanwaltschaft weitergegeben. Bei Verdacht auf strafbare Handlungen gelangen die Dossiers an die Strafverfolgungsbehörden.
Der Nachrichtendienst sieht die terroristische Bedrohung weiterhin vor allem im dschihadistischen Milieu. Neben den bekannten Risikopersonen beobachtet er auch sogenannte auffällige Nutzer von Internetseiten, sozialen Medien und Foren mit dschihadistischen Inhalten. Deren Zahl ist seit November 2025 von 922 auf 958 gestiegen. Der NDB betont allerdings, dass diese Personen nicht automatisch überwacht werden.
Für die Sicherheitsbehörden liegt die Herausforderung zunehmend bei Einzeltätern und kleinen Gruppen, die sich über das Internet radikalisieren und ohne komplexe Vorbereitung zuschlagen können. Der Angriff von Winterthur entspricht nach Einschätzung des Nachrichtendienstes genau diesem Muster. Der Fall hat die Diskussion über die Wirksamkeit der Terrorabwehr sowie den Informationsaustausch zwischen Polizei und Nachrichtendienst erneut angefacht.