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Frühlingsfahrt in Paris

Mit dem Denza Z9GT bringt der chinesische Hersteller BYD einen elegant-luxuriösen Elektrokombi auf den Markt, der mit aufregenden neuen Technologien aufwartet.
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Es ist ein wirklich schöner Frühlingstag etwas ausserhalb von Paris – mitten im Parc naturel régional Oise-Pays de France. Auf dem riesigen zentralen Bildschirm, grösser als ein iPad, blickt der schwarz gekleidete britische Schauspieler Daniel Craig selbstbewusst in den Innenraum des brandneuen Denza Z9GT. Craig ist die prominente Werbefigur für das Auto. Er habe den Vertrag unterschrieben, nachdem er eine Probefahrt mit dem Denza machen konnte.

Die Form fliessender Seide: der elektrische Denza Z9GT.

 

Interessantes Rennen

Der als «Shooting Brake» bezeichnete Kombi ist das Debütmodell der Luxusmarke in Europa. Der chinesische Automobilhersteller BYD fordert damit die etablierten Premiumhersteller Porsche, BMW oder Mercedes heraus, und es dürfte sich in den kommenden Monaten ein interessanter Konkurrenzkampf entwickeln, bei dem die Kunden nicht zuletzt die Wahl haben zwischen traditionellen Werten und der Überzeugungskraft des technologischen Fortschritts. Denn die chinesischen BYD-Manager (s. Interview zur Story) sind überzeugt, dass Technologie am Ende das Rennen machen wird.

Prognosen dazu machen wir lieber keine, sie neigen dazu, gerade wenn sie die Zukunft betreffen, einen irgendwann in Schwierigkeiten zu bringen.

Ähnlich wie Daniel Craig haben wir aber die Möglichkeit, uns einen Tag lang fahrenderweise von den Möglichkeiten des Denza Z9GT ein praktisches Bild zu machen. Dafür beginnen wir mit den wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten: Der knapp 5,2 Meter lange Wagen bietet dank seinem langen Radstand äusserst grosszügige Platzverhältnisse für alle Passagiere. Diese sitzen – auch in der zweiten Reihe – auf sehr bequemen, elektrisch verstellbaren Sesseln, von denen jeder einzelne über Massagefunktionen, Kühlung und Heizung verfügt. Dafür muss man übrigens bei der Bestellung nirgendwo eine Option ankreuzen, das ist, wie alles andere auch, in den 115 000 Franken inbegriffen, zu denen der Denza-GT in der Schweiz zum Marktstart im April 2026 angeboten wird.

 

Flash-Charging-Technologie

Bei aller Grandezza des Autos mit seinen grosszügigen Platzverhältnissen ist hingegen das Volumen des Kofferraums überraschend übersichtlich. Dafür gibt es zusätzliches Gepäckabteil unter der Fronthaube oder auch einen Kühlschrank für Getränke unter der Armlehne zwischen Fahrer und Beifahrer. Dort finden vier bis fünf Flaschen Platz – oder auch ein Glace: Der Inhalt des Kühlschranks kann auf bis zu minus 6 Grad Celsius gekühlt werden.

Der elegante Kombi hat einige Tricks parat, die ein wenig an Science-Fiction erinnern.Der Denza Z9GT wird auf der e3-Plattform gebaut, die speziell für die Marke entwickelt wurde. Das bringt eine Reihe von technologischen Neuerungen, darunter die revolutionäre Flash-Charging-Technologie, auf die wir gleich noch näher eingehen. Angetrieben wird der Denza von drei Motoren, einer an der Vorderachse und je einer an jedem Hinterrad. Indem die hinteren Räder einzeln steuer- und lenkbar sind, hat der elegante Kombi einige Tricks parat, die für europäische Zuschauer noch ein wenig an Science-Fiction erinnern.

 

Steuerung per App

Wir haben zum Beispiel ausprobiert, wie man mit dem doch mächtigen Fahrzeug auch sehr enge Wendemanöver beziehungsweise Kurven ohne schweisstreibendes Hin und Her schaffen kann, weil die Hinterräder parallel zu den Vorderrädern oder in entgegengesetzter Richtung eingeschlagen werden können.

Oder man fährt mit der Front schräg in einen längs zur Fahrbahn angezeichneten Parkplatz, worauf sich das Auto durch die in entgegengesetzter Richtung drehender Hinterräder in die Lücke manövriert. Das funktioniert übrigens auch, wenn man nicht im Auto sitzt, sondern den Vorgang über eine App steuert. Durch diese Technologien sind eine Reihe von Fahrzeugbewegungssteuerungen möglich, darunter auch Bremsmanöver in kritischen Situationen wie bei sehr nasser oder mit Schnee und Eis bedeckter Strasse. Dabei werden die Hinterräder beide zur Fahrzeugmitte gedreht («toe-in»), um seitlichen Störungen entgegenzuwirken und die Stabilität beim Bremsen zu erhöhen. Dies lässt sich bildlich am besten mit dem Stemmbogen beim Skifahren beschreiben.

Der Denza Z9GT ist auch bei den üblichen Werten, die beim Autoquartett den Ausschlag geben können, gut aufgestellt: Die drei Motoren bringen 1156 PS (850 kW) Leistung mit einem Drehmoment von 1210 Newtonmetern auf die Strasse, das stattliche Auto beschleunigt in lediglich 2,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h. Das ist für ein Auto von gegen drei Tonnen Gewicht schon sehr überzeugend. Für die Verzögerung sind zudem Keramikbremsen Standard. Und schliesslich hat die «Blade Battery» der 2. Generation eine beeindruckende Kapazität von 122,49 kWh, damit kommt der Denza gemäss WLTP-Messung bis zu 600 Kilometer weit.

 

Verpflegung beim Schloss

Vor allem aber ist der Denza äusserst komfortabel. Eine Luftfederung mit zwei Kammern ermöglicht 145 Millimeter Höhenregulierung. Dazu sorgt eine sehr gut gelungene Abstimmung von wichtigen Parametern wie Federung, Lenkung und Bremsen, die eine zentrale Recheneinheit übernimmt, für sehr hohe Gran-Turismo-Qualitäten.

Während wir tiefenentspannt wie Gott durch den französischen Frühling fahren, uns von dem hervorragenden Audiosystem von Devialet (s. zur Story) mit Liedern aus den letzten vierzig Jahren Pop- und Rockgeschichte unterhalten lassen, ist es jetzt aber Zeit für einen kurzen Verpflegungszwischenhalt geworden.

Beim Dorfmetzger in der pittoresken Kleinstadt Pierrefonds im Département Oise in der Region Hauts-de-France erstehen wir zwei Stück der Pâté en croûte, fait maison – Energie im klassisch-französischen Stil, die wir uns am Fuss der mächtigen Schlossanlage im Ort zuführen. Das passt ganz gut zur Ausgestaltung dieses Tages, der im Zeichen der anregenden Spannung zwischen der Macht des Fortschritts und den traditionellen Werten einer alten Zivilisation steht.

 

Vom Umgang mit Energie

Eines der zentralen Verkaufsargumente von BYD für dieses Fahrzeug, und das passt an dieser Stelle ganz gut, ist der Umgang mit Energie im Denza Z9GT. Die Grundlage dafür ist die spezielle Architektur der grossen Batterie, die durch Molekulartechnik und einer, wie es beim Hersteller heisst, «makroskopischen Strukturoptimierung» in der Lage ist, Ionen schneller zu leiten und gleichzeitig eine höhere Energiedichte zu erzeugen. Gleichzeitig hat die «Blade Battery» auch anspruchsvolle Sicherheitstests bestanden, wie etwa einen erzwungenen Kurzschluss oder die Penetration mit einem Nagel während eines Ladevorgangs.

Beim Dorfmetzger erstehen wir zwei Stück der Pâté en croûte, fait maison.Und genau dort, also beim Laden, soll der Schlüssel zum Erfolg der Marke Denza in Europa liegen, davon sind die Verantwortlichen überzeugt. Tatsächlich bietet niemand sonst die Flash-Charging-Technologie an, bei der die Batterie des Elektroautos mit einer Leistung von bis zu 1500 kW mit neuer Energie versorgt werden kann. Dafür sind spezielle, von BYD entwickelte Ladestationen notwendig, die, unabhängig von der Stärke des öffentlichen Stromnetzes, dank Pufferakkus die notwendige Spannung erzeugen können.

Während unserer Testfahrt können wir uns von der Leistungsfähigkeit des Systems in Echtzeit überzeugen. Zu Demonstrationszwecken wird ein Denza Z9GT, der eine nur noch mit 10 Prozent gefüllte Batterie hat, an die Ladestation angeschlossen. Sie sieht aus wie ein grosses «T», bei dem die Kabel von oben ans Fahrzeug kommen, was die Handhabung für den Nutzer einfacher macht und die Kabel ausserdem sauber hält. Es ist die Erste ihrer Art in Europa, in den kommenden Monaten will BYD, so sagt man uns, 3000 solcher Flash-Charging-Einrichtungen in ganz Europa aufstellen.

Aus Science-Fiction wird Realität: Eine Stoppuhr zeigt an, wie schnell der Ladevorgang abläuft. Und auch bei dieser Vorführung wird aus Science-Fiction Realität: Eine Stoppuhr zeigt an, wie schnell der Ladevorgang abläuft. Nach lediglich 3 Minuten und 45 Sekunden ist die Batterie bereits zu 55 Prozent geladen, das entspricht einer Reichweite von exakt 330,54 Kilometern. Nach etwas mehr als neun Minuten ist der Akku zu 97 Prozent voll. Das ist etwa die Zeit, die man an einer herkömmlichen Tankstelle benötigt, um den Tank eines Autos mit Benzin oder Diesel zu füllen, im Shop ein kühles Getränk aus dem Kühlschrank zu nehmen und alles an der Kasse zu bezahlen.

 

Klassische Tugenden

Der Ladevorgang gerät zur Demonstration der technologischen Überlegenheit, aber natürlich hängt vieles davon ab, wie schnell es den BYD-Verantwortlichen in Europa gelingt, das Flash-Charging-System flächendeckend auszurollen, ein Netz zu bauen und – ähnlich wie einst die Supercharger in den Pioniertagen von Tesla – ein eigenes Ökosystem zu errichten, das Fernreisen in einem elektrischen Denza zur leichtesten aller Mobilitätsübungen macht.

Mit der vollen Batterie sind wir am Ziel unserer Reise angekommen. Jetzt ist noch Zeit, um den Denza Z9GT in Ruhe nochmals von aussen zu betrachten. Das Auto soll, so heisst es, Funktionalität in eleganter Form darstellen. Das jedenfalls ist der Ansatz von Design Director Wolfgang Egger. Der 63-jährige Deutsche hat schon für Alfa Romeo, Lancia, Audi und Lamborghini gearbeitet, seit 2016 ist er Chefdesigner bei BYD.

Beim Denza wird eine faszinierende Kombination aus klassischen Tugenden wie dem Goldenen Schnitt und zur Schau gestellter Technik kombiniert. Die Seitenspiegel wurden etwa durch hochauflösende Kameras ersetzt. Die Grösse der Räder und der Raum zwischen den beiden Achsen entspricht exakt dem klassischen Teilungsverhältnis, das seit der Antike als Inbegriff ästhetischer Proportionen gilt. Auch in der Vertikalen, im Verhältnis von Karosserie- und Fensterflächen, findet sich dieser Goldene Schnitt wieder.

«Seide lässt unter der Oberfläche die Schönheit dessen erkennen, was bereits vorhanden ist.»Das macht den Z9GT zu einem Auto, das man immer wieder gern anschaut, das ebenso Dynamik ausstrahlt, wie es den weitverbreiteten Empfindungen von Schönheit entspricht. Wolfgang Egger sagt, die Form des Denza sei inspiriert von den fliessenden Strukturen von Seide: «Nehmen Sie eine Skulptur oder ein Fahrzeug wie den Denza Z9GT und hüllen Sie es in Seide. Nehmen Sie dann dasselbe Objekt und hüllen Sie es in Baumwolle, und Sie werden etwas ganz anderes sehen. Die Seide fällt natürlich und umhüllt die Karosserie, lässt aber unter der Oberfläche die Schönheit dessen erkennen, was bereits vorhanden ist», beschreibt der Designer seine Idee. Sie ist so gelungen wie all die Ideen, die die Entwickler und Ingenieure unter der Skulptur aus Aluminium und Blech verborgen haben.

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