Paris
Stella Li sitzt in einer Loge der Opéra Garnier im Zentrum der französischen Hauptstadt und beantwortet die Fragen europäischer Automobiljournalisten freundlich, lächelnd und routiniert. Den Ort hat der chinesische Hersteller BYD (Build Your -Dreams) für die Lancierung seiner Premiummarke Denza ausgesucht – traditionelle europäische Werte treffen auf Hightech, made in China. Man kann einen durchaus interessanten «Clash of Civilizations» beobachten, der hier in angenehmer Atmosphäre mit Ballett, klassischer Musik und den selbstbewussten Vertretern einer neuen Marke mitten im Zentrum des alten Europa stattfindet.
Weltwoche: Miss Li, vor einem Jahr haben Sie den Denza Z9GT erstmals in Mailand präsentiert. Nun steht das Fahrzeug in Paris. Welche Anpassungen haben Sie speziell für den europäischen Markt vorgenommen?
Stella Li: Wir haben uns entschieden, zwei entscheidende Technologien hinzuzufügen: das ultraschnelle Flash-Charging sowie die God’s-Eye-Plattform B mit Lidar auf dem Dach. Das Auto ist damit Hardware-seitig für autonomes Fahren bereit. Sobald die europäischen Behörden die Software freigeben, können wir per Update alles nachrüsten.
Weltwoche: Flash-Charging ist eine neue Technologie, worin liegt der Vorteil?
Li: Das neue System basiert auf der zweiten Generation unserer Blade-Batterie und lädt mit bis zu 1,5 Megawatt. In nur fünf Minuten ist das Auto für Hunderte Kilometer bereit, in neun Minuten nahezu vollgeladen (10 auf 97 Prozent). Selbst bei extremer Kälte – etwa in Norwegen oder Finnland bei minus dreissig Grad – dauert es lediglich zwölf Minuten von 10 auf 97 Prozent. Das ist ein riesiger Vorteil gegenüber der Konkurrenz.
Weltwoche: Denza ist ein Newcomer im Premiumsegment. Warum sollten anspruchsvolle Kunden in der Schweiz oder in anderen europäischen Märkten eine Marke wählen, die gegen etablierte Luxushersteller mit langer Geschichte antritt?
Li: Weil die Fahrleistung überlegen ist, besonders auf Schnee und Eis. Unsere Autos bleiben auch bei hoher Geschwindigkeit auf verschneiten oder vereisten Bergstrecken stabil und beherrschen sogar kontrolliertes Driften. Das Innen- und Aussendesign steht der Konkurrenz bezüglich Luxus in nichts nach, doch bei der Performance sind wir unschlagbar. Dazu kommen Technologien wie das Flash-Charging, das selbst im kalten St. Moritz in nur zwölf Minuten für volle Reichweite sorgt.
Weltwoche: Planen Sie, solche Flash-Charger auch in der Schweiz zu installieren?
Li: Ja, wir haben ehrgeizige Pläne in ganz Europa, Tausende Flash-Charger aufzubauen. Unsere Stationen sind sehr platzsparend und flexibel: Sie benötigen nur eineinhalb Parkplätze und können mit einem Batteriespeicher auch an Orten mit begrenzter Netzleistung bis zu 1,5 Megawatt liefern.
Weltwoche: Wie soll Flash-Charging in Europa konkret etabliert werden?
Li: Wir arbeiten intensiv daran und planen, in den nächsten zwölf Monaten 3000 Flash-Charger in Europa zu installieren. In China haben wir bereits 5000 Stationen und -wollen bis Ende des Jahres auf 20 000 kommen. Die Stationen sind grundsätzlich offen für andere Hersteller, doch nur Fahrzeuge mit unserer Batterietechnologie und dem passenden 1000-Kilowatt-Bordnetz können die volle Leistung nutzen.
Weltwoche: Kann das ultraschnelle Laden die Batterielebensdauer beeinträchtigen?
Li: Wir haben das intensiv im Labor getestet und sind so überzeugt davon, dass wir eine spezielle Garantie auf die Langlebigkeit der Batterie gewähren. Zudem haben Sicherheitsexperimente gezeigt, dass selbst bei einem extremen Stresstest, bei dem wir die Batterie mit einer Metallnadel penetriert haben, während des Ladens keine Explosions- oder Feuergefahr besteht.
Weltwoche: Wie schätzen Sie die Konkurrenz für Denza in Europa ein?
Li: Der Schlüssel ist das gesamte Ökosystem: Ladeinfrastruktur, Batterietechnologie und Kälteperformance. Unsere Flash-Charger belasten das Netz nicht, weil sie mit Batteriespeichern arbeiten. Wir haben jahrelange Expertise als Batteriehersteller.
Weltwoche: Wie sehen Sie Ihre bisherige Präsenz mit der Marke BYD auf dem Schweizer Markt?
Li: Die grösste Herausforderung ist der Aufbau eines Händlernetzes. Die Schweiz ist kleinteilig und dezentral – selbst achtzig Kilometer weiter braucht es oft einen neuen Standort. Wir sind anspruchsvoll bei der Wahl der Lage und dem Erscheinungsbild unserer Stores und lehnen viele Vorschläge ab. Das verlangsamt den Prozess, aber wir holen jetzt deutlich auf.
Weltwoche: Wie lange wird es Ihrer Einschätzung nach dauern, bis Denza als Premiummarke in Europa etabliert ist?
Li: Wir sind bereits auf einem sehr guten Weg. Die Performance des Autos überzeugt die Menschen sofort – viele wollen nach einer Probefahrt gleich bestellen. Wir investieren bewusst in Premiumstandorte, exzellenten Service und emotionale Erlebnisse. Technologie definiert bei uns das Premiumgefühl neu. Mit der richtigen Mischung aus Wow-Effekt und Luxus-Storytelling wird es nicht lange dauern.
Weltwoche: Sie haben einmal gesagt, dass deutsche Marken bei einer reinen Elektro-Zukunft kaum eine Chance hätten. Sehen Sie das immer noch so – vor allem, da einige Hersteller nun wieder stärker auf Verbrenner und Synthetik-Kraftstoffe setzen?
Li: Die Zukunft liegt klar bei Elektrifizierung, autonomem Fahren und KI. Wer jetzt wieder stärker auf Verbrenner setzt, riskiert, den Anschluss an die Zukunftstechnologien zu verlieren. Wir investieren konsequent in genau diese Bereiche. Wasserstoff bleibt eine Nischenlösung. Mit unserer Batterie- und Speichertechnologie können wir sogar autarke Ladesysteme aufbauen – das ist der nachhaltige Weg.