Wie damals 1648
André D. Thess: Der Energiegipfel – Ausweg aus dem Klimakampf. Langen-Müller Verlag. 176 S., Euro 22.–
In der Klimadebatte ist jetzt so etwas wie ein Westfälischer Friede nötig. Mit diesem Ansatz hat sich André Thess, Direktor des Instituts für Technische Thermodynamik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und Professor für Energiespeicherung an der Universität Stuttgart ans Buch «Der Energiegipfel» gemacht, das den Ausweg aus der Verkrampfung weisen soll. Er beginnt das faktenreiche Buch historisch, mit dem Prager Fenstersturz von 1618, dem Dreissigjährigenm Krieg und dem Gipfel zum Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück 1648.
Auf Friedensgipfelart sollten seiner Ansicht nach nun die zerstrittenen Lager zusammenkommen. Thess teilt grob ein in die öko--soziale Fraktion einerseits und die freiheitlich-konservative anderseits. Beide -würden vom Volk gewählte Vertreter an den Gipfel entsenden: je eine Stimme für Bürger, Unternehmer und Wissenschaftler (Ökonomen und Energiefachleute). Er skizziert zudem zentrale Fragen für den Aushandlungsprozess und schlägt – das ist das Salz im Buch – Namen fürs Besetzen der beiden Delegationen vor. Als mögliche Bürgervertreter nennt er je drei Journalisten aus den beiden Lagern. Und die zweiköpfige Moderation sähe er am besten wahrgenommen durch -folgende Prominenz: die ehemalige TV-Moderatorin Sabine Christiansen und die -Physikerin und Youtuberin -Sabine Hossen-felder. Im Buch skizziert er dann den Gipfel, wie er ablaufen könnte.
Beat Gygi
Umgepolte Apokalypse
Axel Bojanowski: 33 erstaunliche -Lichtblicke – warum die Welt besser ist, als wir denken. Westend Verlag. 192 S., Fr. 25.10
Falls es bei Ihnen mal nicht so läuft, falls der Himmel grau ist, der Rücken Ärger macht, im Job nichts voran geht und der Partner auch kein Verständnis mehr für Ihre Launen hat – dann ist dieses Buch erstklassig: Axel Bojanowski hat 33 erstaunliche Lichtblicke auf 180 Seiten zusammengefasst. Und wer nicht spätestens nach den ersten sieben auf Touren kommt, sollte sich wirklich in medizinische Behandlung begeben.
Apropos Medizin: Sie zählt zu den Lichtblicken. Die Lebenserwartung der Menschen hat sich verdoppelt, Kinder sterben weniger häufig, weil inzwischen fast alle geimpft sind. Der Autor rechnet ab mit Untergangspropheten etwa vom Schlag des Biologen Paul Ehrlich, der nach einer Taxifahrt durch Delhi 1966 den Hungertod für die halbe Menschheit vorhersagte. Trat nicht ein, sondern Genforschung, Dünger und Pflanzenschutz bewirkten, dass heute weniger Menschen hungern als jemals zuvor, bei steigenden Bevölkerungszahlen. Zur «Letzten Generation»: Bojanowski zeigt, dass die Zukunft der Menschheit nicht vom Klimawandel, sondern vom Zugang zu Traktoren, Dünger und Bewässerung abhängt.
«Naiver Optimismus lähmt genauso wie naiver Pessimismus», resümiert er. Zu meinen, das Leben sei früher besser gewesen, es brauche Einfachheit, Ruhe, Geselligkeit und Spiritualität, sei ein Irrglaube. Bojanowskis Fazit: «Wir können alles» sei durch «Wir zerstören alles» abgelöst. Keine gute Idee. Sein Buch arbeitet deswegen gegen den Trend.
Oliver Stock
Klimapolitik und Religion
Zwei temperamentvolle Youtuber im hochgetakteten Gespräch miteinander. Der Ökonom und politisch leidenschaftliche Marc Friedrich unterhält sich auf seinem Portal mit dem Konstanzer Physikprofessor Gerd Ganteför über Zeitreisen, Unsterblichkeit, Klimawandel und Klimapolitik. Ganteför legt dar, welche Kluft er sieht zwischen dem Wissenschaftsverständnis der Physik und den Klimawissenschaften. Letztere gingen in Richtung Religion, in der absolute Wahrheiten gepredigt werden. Ganteför hat sich den Zorn von Klimapolitikern zugezogen, weil er via Bücher und Videos in die öffentliche Debatte gebracht hat, dass die Landpflanzen und die Ozeane rund die Hälfte des ausgestossenen CO2 aufnehmen und so die Netto-null-Ziele relativieren.
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Nüchterne Sicht auf die Kernenergie
Der deutsche Hochschullehrer und Unternehmer Eduard Heindl hat in jüngerer Zeit auf Youtube eine ganze Serie von Interviews zu Energie- und Klimafragen aufgebaut, mit der Spezialität, dass darin seine Ingenieurserfahrung wie auch seine wissenschaftliche Ausbildung als Physiker zur Wirkung kommen. Im hier vorliegenden Video führt er allerdings kein Interview, sondern erläutert die Möglichkeiten, Risiken und Chancen der Kernenergie. Warum wird die Diskussion über Kernkraft jetzt intensiver? Heindl erklärt, wie es zu den neuen Perspektiven kommt.
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Zum Wesen von Wasserstoff
Wasserstoff weckt hohe Erwartungen, die Meinungen über die Anwendungsmöglichkeiten gehen jedoch weit auseinander. Tausend Facetten spielen hinein, und vor diesem Hintergrund legt Peter Gumbsch, Professor für Werkstoffmechanik an der Uni Stuttgart, in einem Vortrag die Grundlagen dar. Wie ist das Verhalten von Werkstoffen, wie gestaltet sich der Kontakt mit dem Stoff, der in der Energiewirtschaft stark an Bedeutung gewinnen kann? tinyurl.com/38fk4zzv
(WW)