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BMW und die Schweiz

Innovative Zulieferer oder moderne Trainingsstätten: Auf einer Fahrt durchs Land zeigt der bayerische Weltkonzern seine Schweizer Wurzeln.
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Wenn Sergio Solero, CEO und Präsident von BMW Schweiz, über seine neue Heimat spricht, klingt er nicht wie ein internationaler Top-Manager, sondern eher wie ein Lokalpatriot. «Wir sind seit 1975 fest in der Schweiz verankert», sagt er. «Die Entwicklung des ersten BMW mit Allradantrieb wurde massgeblich durch die Nachfrage hierzulande angestossen.» An einem «BMW Local Day» für Medien und Automobilexperten macht das Unternehmen genau das sichtbar: BMW ist nicht nur ein Weltkonzern, sondern auch eine Schweizer Firma mit starker Verwurzelung in den Regionen.

David Künzler Fotografie
Edler Werkstoff auf Rollen: tonnenweise Aluminium bei Novelis.
David Künzler Fotografie

Zum Beispiel durch das neue BMW-Trainingscenter in Zofingen, wo Verkäufer, Techniker oder Hochvoltspezialisten jedes Jahr 6000 Schulungstage absolvieren. «Die Elektrifizierung bringt grosse Herausforderungen mit sich», erklärt Leiter Daniel Villiger. Die Wartung von Batterien und Hochvoltsystemen erfordert Spezialisten – die HV3S-Hochvoltexperten werden vor Ort ausgebildet. Ergänzt wird das Angebot durch Onlinetrainings, virtuelle Klassenräume und Webcasts. Der Standort Zofingen ist nicht zufällig gewählt, er liegt für alle Sprachregionen gut erreichbar im Zentrum des Landes. «Hier bilden wir das Personal aller Händler aus», sagt Villiger stolz.

Doch wenn ein neues Modell wie der elektrische BMW iX3 in den Handel kommt, sind – aus ökologischer Sicht – die wichtigsten Momente und Entwicklungsschritte bereits vorbei. Nachhaltige Mobilität beginnt nicht erst beim Händler oder auf der Strasse, weshalb der enge Fokus auf den (elektrischen) Antrieb bisweilen den Blick auf das grosse Ganze verstellt. Der grösste Teil der CO2-Bilanz eines Autos entsteht bereits in der Lieferkette – lange bevor es auch nur einen Meter gefahren wurde. BMW hat sich netto null bis zum Jahr 2050 als Ziel gesetzt, bei dieser Strategie spielt auch ein Schweizer Premiumpartner eine wichtige Rolle. Novelis in Sierre gilt als Weltmarktführer für flach gewalztes Aluminium. Dieser Rohstoff wird etwa benutzt für die Motorhaube des iX3 oder die Türen der 5er-Serie von BMW.

 

Treuer Partner

Warum dies so wichtig ist, zeigt Patrice Alsen, der bei der BMW AG Teamleiter «Procurement Aluminium Sheet and Cast Aluminium» ist. Die Motorhaube des iX3 bestehe heute schon zu 50 Prozent aus Recycling-Aluminium. Bei den Türen des neuen 5er sind es sogar 75 Prozent. «Würde man nur Recycling-Aluminium verwenden, sänke der CO2-Ausstoss in der Produktion um 85 Prozent», rechnet Alsen vor. Aluminiumproduktion ist extrem energieintensiv. Mit erneuerbaren Energien in den Autofabriken und hohem Recyclinganteil bei Rohstoffen lässt sich der Ausstoss jedoch dramatisch senken. Die BMW Group arbeitet weltweit mit 100 000 Lieferanten zusammen – und Novelis in Sierre ist seit zwanzig Jahren ein treuer Partner.

Im Wallis wird seit 1911 Aluminium produziert (damals noch Alusuisse), der Standort wurde nicht zuletzt wegen des Wassers aus den Bergen gewählt, das für die Herstellung des Edelmetalls notwendig ist. In Sierre werden aber nicht nur auf schweren Maschinen die zwei Kilometer langen und acht bis zehn Tonnen schweren Aluminiumrollen hergestellt. Forschung und Innovation sind gerade im Hinblick auf nachhaltigere Rohstoffe ein zentraler Bereich. In eigenen Labors testen die Novelis-Wissenschaftler neue Legierungen und versuchen, den Recyclinganteil für Aluminium fortwährend zu steigern. «Aluminium kann beliebig oft recycelt werden, wenn man es richtig macht», sagt Markus Häfliger, der bei Novelis verantwortlich ist für das Automobilgeschäft. Die Autoindustrie stelle höchste Qualitätsansprüche, und Novelis könne heute schon Aluminium mit bis zu 80 Prozent Recyclinganteil liefern. Bis 2035 sollen es sogar 95 Prozent sein.

«Es braucht mehr als die Autobranche, um nachhaltige Mobilität zu ermöglichen.»«Es geht um jede Tonne CO2, die wir einsparen können», sagt Sergio Solero und stellt fest, dass elektrische Fahrzeuge allein nicht ausreichen. «Deshalb braucht es einen Fokus auf die Lieferkette.» Je mehr E-Autos auf der Strasse sind, desto wichtiger werde dieser Aspekt. «Nachhaltige Mobilität ist nicht nur der Antrieb. Deshalb bringen ideologische Debatten über Technologien nichts», sagt Solero.

 

«Politisches Diktat»

Der CEO von BMW Schweiz erhält an dieser Stelle Unterstützung von Peter Grünenfelder, dem Präsidenten von Auto Schweiz. Er kritisiert die hiesige Klimapolitik als «politisches Diktat, das die Transformation zu netto null erschwert». Die Schweiz sei das einzige Land in Europa, wo Autoimporteure enorme Sanktionen für das Nichterreichen politischer CO2-Ziele zahlen müssen. «Die Länder um uns herum sind aufgewacht, bei uns stellt sich die Erkenntnis nur langsam ein», sagt Grünenfelder. Er fordert stattdessen Technologieoffenheit und ein ganzes Ökosystem, um die Elektromobilität voranzubringen: Es brauche Investitionen in die öffentliche Ladeinfrastruktur, Ladestationen auch für Mieter,tiefere Preise für elektrische Energie durch die Liberalisierung des Strommarkts. «Es braucht mehr als die Autobranche, um nachhaltige Mobilität zu ermöglichen», so Grünenfelder.

Die Bayerischen Motorenwerke haben ihre Strategie längst in diesem Sinn ausgerichtet. Innovation in der Lieferkette spielt dabei eine zentrale Rolle. BMW arbeitet bereits mit elf Schweizer Start-ups zusammen, pflegt Partnerschaften mit Hochschulen, der ETH Zürich und testet humanoide Roboter des Schweizer Unternehmens Hexagon, die künftig weltweit in BMW-Werken zum Einsatz kommen sollen. Ambitionierte Klimaziele können im Bereich der individuellen Mobilität nur durch gemeinsame Anstrengungen erreicht werden, davon ist man bei BMW ebenso überzeugt wie bei Auto Schweiz. Es braucht, so das Fazit, Technologieoffenheit, starke regionale Partner und ein funktionierendes Ökosystem. Vieles davon gibt es in der Schweiz bereits.

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