Bundeskanzler Friedrich Merz hat jungen Deutschen davon abgeraten, derzeit zum Arbeiten oder Studieren in die USA zu gehen. Auf dem Katholikentag in Würzburg sagte der CDU-Politiker, er würde seinen Kindern heute nicht mehr empfehlen, «in die USA zu gehen, dort ausgebildet zu werden und dort zu arbeiten». Grund sei das «gesellschaftliche Klima», das sich in Amerika «plötzlich entwickelt» habe.
Christopher Neundorf/EPA/Keystone
«Ich bin ein grosser Bewunderer Amerikas», sagte Merz. «Meine Bewunderung nimmt im Augenblick nicht zu.» Selbst hochqualifizierte Menschen hätten in den USA inzwischen grosse Schwierigkeiten, Arbeit zu finden. Die Aussagen lösten im Publikum Applaus aus.
Die ungewöhnlich kritischen Bemerkungen des deutschen Kanzlers fallen in eine Phase wachsender Spannungen zwischen Berlin und Washington. In den vergangenen Wochen war es mehrfach zu öffentlichen Differenzen zwischen Merz und US-Präsident Donald Trump gekommen. Merz hatte Trump Ende April vorgeworfen, im Krieg gegen den Iran keine klare Strategie zu verfolgen und von Teheran «gedemütigt» worden zu sein. Kurz darauf kündigte das Pentagon den Abzug von 5000 US-Soldaten aus Deutschland an.
Trotz der Spannungen bemühte sich Merz zuletzt um Entspannung. Nach einem Telefonat mit Trump erklärte er am Freitag auf X, Deutschland und die USA blieben «starke Partner in einer starken Nato». Gleichzeitig lehnt Berlin amerikanische Forderungen ab, die Nato direkt in den Iran-Krieg einzubinden. Die deutsche Regierung betont, es handle sich «nicht um den Krieg der Nato».
Merz galt lange als überzeugter Transatlantiker. Vor seiner Kanzlerschaft leitete er die Atlantik-Brücke, ein Netzwerk zur Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Umso grösser ist nun die Aufmerksamkeit für seine Distanzierung von den Entwicklungen in den USA.