Die EU-Kommission steht mit ihrer neuen Altersprüfungs-App kurz nach der Präsentation wegen gravierender Sicherheitslücken in der Kritik. Das berichtet Politico unter Berufung auf Cyberexperten, die Schwachstellen identifiziert haben, die sich teils «in weniger als zwei Minuten» ausnutzen liessen.
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte das Instrument in Brüssel als einsatzbereit vorgestellt und erklärt: «Es ist vollständig open source. Jeder kann den Code überprüfen.» Kurz darauf meldeten Sicherheitsexperten erhebliche Zweifel an. Der IT-Berater Paul Moore stellte fest, dass sensible Nutzerdaten lokal auf Geräten gespeichert und ungeschützt zugänglich seien. Nach eigenen Angaben konnte er die Anwendung innert Minuten kompromittieren. Auf der Plattform X schrieb er: «Dieses Produkt wird irgendwann der Auslöser für ein enormes Datenleck sein. Es ist nur eine Frage der Zeit.»
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Weitere Fachleute bestätigten die Mängel. Der französische Sicherheitsexperte Baptiste Robert erklärte laut Bericht, biometrische Schutzmechanismen liessen sich umgehen. Damit könne eine einmal verifizierte Person anderen Zugang verschaffen. Der Kryptografie-Forscher Olivier Blazy beschreibt das Problem so: «Nehmen wir an, ich habe die App heruntergeladen und bewiesen, dass ich über 18 bin. Dann kann mein Neffe mein Telefon nehmen, meine App entsperren und sie benutzen, um zu beweisen, dass er über 18 ist.»
Die EU-Kommission relativiert die Kritik. Ein Sprecher erklärte, es handle sich weiterhin um eine «Demo-Version», die laufend verbessert werde. Zugleich hält die Behörde daran fest, die Anwendung sei grundsätzlich «technisch einsatzbereit».
Hintergrund ist der politische Druck, Alterskontrollen im Internet rasch umzusetzen. Mehrere EU-Staaten planen Einschränkungen für Minderjährige bei sozialen Medien. Die Kommission hatte dafür ein Projekt im Umfang von rund 4 Millionen Euro vergeben. Kritiker zweifeln jedoch an der technischen Reife und warnen vor Datenschutzrisiken sowie einfacher Umgehbarkeit, etwa über VPN-Dienste.
Die Kontroverse legt eine zentrale Spannung offen: politischer Zeitdruck trifft auf ungelöste Sicherheitsfragen. Ein breiter Einsatz der App dürfte kaum ohne Nachbesserungen erfolgen.