Die renommierte US-Zeitung «Wall Street Journal» macht die Naturschutzpolitik der Europäischen Union mitverantwortlich für das Ausmass der aktuellen Waldbrände in Frankreich und Spanien. In einem Leitartikel argumentiert die Redaktion, Vorgaben des europäischen Green Deal hätten die Brandgefahr in vielen Regionen erhöht, weil sie mehr brennbares Material in den Wäldern entstehen liessen und Eingriffe zur Waldpflege erschwerten.
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Zur Begründung verweist das Blatt auf die EU-Strategie zur Biodiversität, wonach bis 2030 rund 30 Prozent der Landfläche unter Schutz gestellt werden sollen. Ein Teil dieser Gebiete soll gemäss den Leitlinien der Europäischen Kommission unter «strengem Schutz» stehen und weitgehend frei von menschlichen Eingriffen bleiben. Zwar seien Massnahmen zur Verhinderung von Naturkatastrophen grundsätzlich möglich, sie müssten jedoch mit den jeweiligen Schutzzielen vereinbar sein und würden im Einzelfall geprüft.
Das «Wall Street Journal» beruft sich zudem auf den spanischen Forstwissenschaftler Víctor Resco de Dios von der Universität Lleida. Dieser kritisiert, Umweltgesetze orientierten sich zu wenig an forstwirtschaftlichen Erkenntnissen. Wo Menschen aus der Landschaftspflege verdrängt würden, sammle sich mehr Brennmaterial an, was Brände intensiver und schwerer kontrollierbar mache.
Als weiteren Beleg führt die Zeitung eine im vergangenen Jahr im «Journal of Environmental Management» veröffentlichte Untersuchung von Resco de Dios und Mitautoren an. Demnach machen Schutzgebiete zwar 38 Prozent der Waldflächen in Südwesteuropa aus, entfielen bei den untersuchten Bränden jedoch auf 55 Prozent der verbrannten Fläche. Auch in Australien und Kalifornien hätten Feuer in geschützten Gebieten häufig eine höhere Intensität erreicht.
Nach Auffassung des «Wall Street Journal» zeigen Karten des European Forest Fire Information System zudem eine deutliche räumliche Überschneidung zwischen aktuellen Bränden und geschützten Naturgebieten. Das Blatt folgert daraus, dass neben Trockenheit und Wind auch politische Vorgaben zur Waldbewirtschaftung zu den verheerenden Bränden beigetragen haben könnten.