Kapitel
- Einleitung und Begrüssung
- Zuversicht als Grundeinstellung
- Deutschland und Identitätskrisen
- Frage der deutschen Identität
- Interview mit Björn Höcke
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Grüezi miteinander, ganz herzlich willkommen und einen wunderschönen guten Morgen, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde aus nah und fern. Ich begrüsse Sie aus dem stets frohgemuten Institut für fortgeschrittene Gegenwartskunde und angewandte Wirklichkeitsstudien zur internationalen Ausgabe von Weltwoche Daily, die andere Sicht, unabhängig... Kritisch gut gelaunt und zuversichtlich, was denn sonst? Die Zuversicht ist die einzige vernünftige Grundeinstellung zu allen menschlichen Dingen. Ja, wir sind befähigt, fast genial, wenn es nicht so schlimm wäre, Katastrophen heraufzubeschwören. Aber eine wohlwollende Vorsehung hat uns eben auch mit Kräften ausgestattet, die uns dann wieder in die Lage versetzen. die Katastrophen zu beheben, die wir uns selber eingebrockt haben. Alles andere liegt ausserhalb des menschlichen Beeinflussungsbereichs. Also darüber sollten wir uns auch keine Sorgen machen. Versuchen wir einfach, die Probleme, die sich bei uns in unmittelbarer Nähe auf dem eigenen Schreibtisch, im eigenen Schrebergarten zeigen, wenigstens die zu lösen. bevor wir in planetarische oder universelle Dimensionen abheben. Deutschland ist ein hochinteressantes Land und das sage ich Ihnen als Schweizer mit deutschem Migrationshintergrund, um hier meine Street Credibility gleich mal wieder mit dem Matterhorn winkend unter Beweis zu stellen. 25% Deutsche. Das qualifiziert mich natürlich hier intensiv, über Deutschland zu sprechen, ohne dass sich alle aufregen da draussen. Nein, jetzt Spass ein bisschen beiseite, wobei alles hochernst war, was ich Ihnen eben gesagt habe. Deutschland ist interessant, weil Deutschland steckt, und ich spreche jetzt als Journalist, der das von aussen betrachtet, Deutschland steckt in einer Identitätskrise, Deutschland steckt in einer Orientierungskrise. Wohin treibt die Bundesrepublik? Diese Frage treibt viele Deutsche um und immer mehr auch die deutschen Medien. Und diese Frage beschäftigt natürlich auch die Weltwoche. Und verbunden, eng verknüpft mit dieser Frage ist eine zweite. Nämlich die hier. Was ist Deutsch? Dieter Borchmeier, die Suche einer Nation nach sich selbst. Schauen Sie mal, wie dick dieses Buch geworden ist. Das ist also eine einfache Frage. auf die es allerdings keine einfachen Antworten zu geben scheint. In diesem Kompendium übrigens hoch anregend, Dieter Borchmeier, ein Universalgelehrter, allerdings vielleicht mit einer gelegentlichen Schwierigkeit, sich kurz zu fassen, aber er schreibt so gut, dass man eben auch über die lange Strecke, über den dreifachen Marathon dranbleibt, liefert hier so viele Denkanstösse, dass es wirklich sehr, sehr interessant ist. Was ist Deutsch? Wohin treibt die Bundesrepublik? Und das ist die Frage, die mich natürlich auch beschäftigt und wo wir versuchen, mit der Weltwoche von aussen, in grosser Verbundenheit, in Freundschaft auch, zu Deutschland und zu den Deutschen, journalistisch dem etwas nachzugehen und nachzuspüren. Und das ist ja auch der Hintergrund vieler Interviews, die ich in letzter Zeit geführt habe. Und eines... Das schlägt nun ein wie eine Bombe. Wir haben es hier gemacht. Grosses Privileg, grosse Ehre für mich. Der umstrittenste Politiker Deutschlands war zu Gast im Podcast von Weltwoche Daily. Björn Höcke, der Landesvorsitzende der AfD in Erfurt im Thüringer Landtag. Thüringen, ja, so etwas wie die Mitte der Mitte Deutschlands. Eine schweizerische Komponente, könnte man vielleicht sagen. Es gibt berühmte Thüringer, die auch in der Schweiz Akzente... gesetzt haben, denen wir dankbar sind. Zum Beispiel Oswald Grübel, der erfolgreichste Bankmanager der letzten Jahre und Jahrzehnte. Er hat sowohl die UBS als auch die Kreditanstalt geführt. Beide übrigens mit grossem Erfolg. Ein Monument, könnte man sagen, der Solidität, auch der Unbestechlichkeit, des Urteils, der Bodenständigkeit und eben ein stolzer Thüringer, der allerdings aus Thüringen noch geflohen ist den jungen Jahren, bevor man da den eisernen Vorhang mit unerbittlicher Konsequenz hochgezogen hat. Heute haben sie auch wieder einen eisernen Vorhang in Deutschland. Es ist eine Brandmauer politisch, denn die beiden Landesteile Ost und West zerfallen sozusagen entlang des Wahlspektrums. Im Osten ist die AfD ganz stark und im Westen wird sie immer stärker. Also vielleicht wächst dann Deutschland dank der AfD noch einmal zusammen. Jetzt zieht es den deutschen Kollegen die Schuhe aus, wenn ich das sage. Trotzdem ist es richtig, die AfD ist auch ein hoch faszinierendes Phänomen der Wiedervereinigung aus der Eurokrise herausgewachsen. Empörte Bürgerbewegung mit professoraler Anführung. Das waren die ersten Samenkern, die da gelegt wurden. Die Migrationspolitik von Angela Merkel, auch die Energiepolitik, verursacht immer mehr Empörung. Das politische Establishment schien unfähig, diese Probleme zu lösen, beziehungsweise man hat sie immer noch grösser gemacht. Dafür ist die AfD gewachsen, um weitere Themenbereiche hat sie sich erweitert. Die Frage der deutschen Identität ist eben auch die Frage, die diese AfD immer wieder... nach vorne bringt. Und das ist übrigens auch der Grund dafür, meines Erachtens, warum die AfD dermassen skandalisiert wird. Das geht eben zurück, und jetzt sind wir wieder bei Björn Oecke, als vor einigen Jahren in der Talkshow von Günther Jauch, der bis damals völlig unbekannte Lokalpolitiker, eine Deutschland-Fahne ausgerollt hat, am Sonntagabend zur Hauptsendezeit, oder zumindest zu einer Sendezeit, als sehr, sehr viele Deutsche zugeschaut haben. Und das wurde als absoluter Tabubruch empfunden. dass hier jetzt mal jemand ausserhalb des Fussballs, aus dem bürgerlichen, aus dem rechten Spektrum der Politik kommend, eine Fahne ausrollt und sagt, ich bin stolz auf Deutschland. Und wir müssen stolz auf Deutschland sein. Und wir müssen einen versöhnlicheren Umgang mit uns selber finden. Und das hat mir einmal mehr bestätigt, dass es nichts Gefährlicheres gibt, als wenn du den Deutschen sagst, habt euch gern, misstraut euch ein bisschen weniger, dann... brandet einem eine offensichtlich, wie man im Fall Höcke gesehen hat, gleissende Empörung entgegen. Ist natürlich verständlich aufgrund der Geschichte, aufgrund der Abgründe. Da sind die nationalen Symbole verseucht worden, sind sie kaputt gemacht worden, zu Schanden geritten worden, sind sie toxisch, radioaktiv aufgeladen worden und viele patriotische... stolze, ja mit einem gesunden Nationalgefühl ausgestattete Deutsche, zum Beispiel Otto Graf Lambsdorff, der FDP-Politiker, hat mir das mal in einem Interview gesagt, der ist aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekommen und hat gesagt, ich schäme mich für alles, was deutsch ist, ich will nichts mehr mit diesen Symbolen zu tun haben. Und dafür habe ich grösstes Verständnis, das ist ja logisch, aber trotzdem, jetzt sind wir eben in einer ganz kniffligen Situation, du brauchst eben ein patriotisches Selbstgefühl. Du brauchst ein Wir-Gefühl, einen Team-Spirit. Weil der Nationalstaat bleibt eben der entscheidende Referenzpunkt des politischen Handelns und auch des Rechtsstaats. Es gibt weder Demokratie noch Rechtsstaat ausserhalb des Nationalstaats. Weil der Nationalstaat hat ein Staatsvolk, er hat Staatsgrenzen, er hat eine Staatsverfassung. Und wenn Sie das entgrenzen, wenn Sie so eine... supranationale Fehlkonstruktion machen wie die Europäische Union, dann haben sie weder Demokratie noch Rechtsstaat. Und das sehen wir jetzt. Das sehen immer mehr Deutsche. Und darum werden die Deutschen, faute mieux, zurückgeworfen auf ihren Nationalstaat. Und Leute wie Höcke sind da an diesem hochempfindlichen Nerv natürlich von Anfang an ganz stark dran gewesen. Und ich habe mit Höcke 2019 das erste Interview gemacht, lange vor Ben übrigens. Das wollen wir dann hier schon noch festgehalten haben. Auch etwa vier Stunden haben wir diskutiert über ihn als Menschen, aber eben auch über diese Frage. Deutsche Identität, wohin treibt die Bundesrepublik, was ist deutsch? Und das, meine Damen und Herren, war jetzt der Schwerpunkt des Gesprächs hier in diesem Studio. Und das löst offensichtlich, ich will es jetzt auch nicht zu hoch hängen, aber vielen Dank, das löst jetzt etwas aus. Wir haben intensiv über diese Frage gesprochen. Schauen Sie sich dieses Interview an. Ich habe ihn gefragt, was bedeutet das für Sie, Herr Höcke? Als konservativer Politiker, der nicht nur im Jetzt denkt, im aktuellen Gegenwartszusammenhang. Der Konservative sagt, es gibt frühere Generationen, es gibt die jetzige Generation und es gibt die künftigen Generationen. Und der Konservative versucht eben dieses Wir, dieses nationale Wir, diese Gruppe, diese Schicksalsgemeinschaft, etwas in übergreifenden Zusammenhängen zu sehen, nicht einfach nur aus der Spontanität. die Selbstverwirklichungs- Ego-Reflex-Perspektive, die sich natürlich im Gefolge der 68er-Generation der Wohlstandsverwahrlosung weitgehend durchgesetzt hat. Wir erleben jetzt auch in Deutschland, nicht nur in Deutschland, auch in Amerika, in der Schweiz, überall, nach diesen Ausschweifungen des Progressivismus, eine Rückkehr zu den konservativen Werten und eben auch zu diesen Dingen wie etwa den nationalen Interessen Klaus von Donany oder aber eben dem nationalen Wir-Gefühl. Immer mehr Deutsche spüren, dass hier etwas fehlt und dass die Probleme, die das Land hat, eben auch mit diesem Fehlen, mit diesem Vakuum der Identität, mit diesem Identitätsvakuum zu tun haben. Und Höcke, und das muss man einfach ihm zugutehalten, war einer der ersten Politiker, der sich auch provokativ getraut hat, mit einer Fahne im Fernsehen diese Frage wirklich fast schon handgreiflich vor Augen zu führen. Und er ist da natürlich verteufelt worden. Und ich habe mit ihm auch diesmal wieder darüber gesprochen. Wollen Sie die deutsche Geschichte verharmlosen? Wollen Sie den Nationalsozialismus verniedlichen? Hören Sie, was er sagt? Das ist doch alles dummes Zeug, was man da vorwirft. Nein, aber das ist ein Politiker, der sagt, wir dürfen doch unsere Geschichte nicht auf zwölf Jahre reduzieren. Natürlich ist das schlimm. Und die Lehre dieser Jahre ist eben, dass der politische Grössenwahn in den Abgrund führt, dass der Verlust an Bodenhaftung in der Politik, der Machtmissbrauch, Das ist das grosse Problem, wenn man die Lebenswirklichkeit der Leute vergisst, wenn man die nicht mehr ins Zentrum rückt. Aber wir müssen doch ein Verständnis wieder entwickeln von Deutschland, dass sie nicht nur in einer pathologischen Fixiertheit nur diese zwölf Jahre gelten lässt, sondern wir müssen uns ja bis zu einem gewissen Grad mit uns versöhnen, damit wir auch wieder wissen, wer wir sind, wie wir leben wollen. Wo wir die Grenzen setzen unseres nationalen und unseres Wir-Gefühls. Und die letzten Jahre, eben auch dieser Migrationspolitik, das waren die Jahre einer Entgrenzung dieses Wir-Gefühls. Wir umarmen die ganze Welt. Alle seid willkommen. Das geht nicht. So verständlich und so wunderbar ja auch in der Theorie eine solche Forderung sein mag, als Weltsamariter, sich da gewissermassen als deutsche Mutter Teresa unter strahlendem Firmament, als Super-Wohltäter zu betätigen. Aber aufgepasst, Wohltäter sind eben auch Täter. Und deshalb muss man wieder zurückbuchstabieren, um von diesen Überflieger-Szenarien auf den Boden der Wirklichkeit zurückkehren. Darüber schreibt übrigens Borchmeier, ganz interessant, dass eben das Universalistische, diese hermeneutische Fähigkeit der Deutschen, sich in alles hineinfühlen zu können. Das war immer natürlich auch ihre Tragödie, dieses Überschiessende, dieses Transzendente, dieses Vielfältige. Hoch faszinierend, Deutschland von diesem Flickenteppich der über 100 Singapur-Fürstentümer dann zu diesem preussischen Pickelhaubenstaat mit nicht nur Militarismus, auch grossen unternehmerischen und wissenschaftlichen Leistungen, aber das war zu gross und dann ist man selber daran verschluckt. Und die Nachbarn sind auch nicht fertig geworden damit, dann haben sie natürlich gegen Deutschland und so weiter. Darüber haben wir alles gesprochen, die Frage der Identität mit Björn Höcke. Und jetzt sehe ich also, dass zum Beispiel Pioneer von Gabor Steingart, dieses sehr innovative, tolle Portal, ich respektiere die Kollegen enorm, finde sie machen einen super Job, dort sind auch sehr erfolgreich, die haben das jetzt aufgegriffen, diese Identitätsfrage. Und ich würde meinen deutschen Kollegen wirklich raten hier, Das ist die Kernfrage. Was ist Deutsch? Wohin treibt die Bundesrepublik? Wer sind wir? Das klingt jetzt ein bisschen gönnerhaft aus dem schweizerischen Munde, aber ich sage es euch, das ist die Frage, die Höckefrage sozusagen der deutschen Politik. Und ich habe mich gestern noch unterhalten in einem Interview in Magdeburg mit Ulrich Sigmund. Ulrich Sigmund ist der Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026. liegt. gemäss Umfragen bei 41 Prozent, könnte als die absolute Mehrheit erreichen. Und auch mit ihm habe ich darüber gesprochen, wie er als junger Deutscher, 1990 geboren, Politiker AfD, ehemals Union, CDU, gewechselt hat, übrigens wegen der Euro-Rettung, wegen des ganzen Euro-Debakels, ein ostdeutscher Politiker, wie er es denn mit dem Nationalen hält. Wie viel Nationalgefühl darf es denn sein und welches? Und wie ist diese schreckliche Periode des Höllensturzes einzuordnen in diesen grossen, havarierten Resonanzkörper der tausendjährigen oder übertausendjährigen deutschen Geschichte, die ja Inspirationen ohne Ende bietet. Die Schweizer Geschichte ist auch hochinteressant, vor allem in ihrer relativen Langeweile. Verglichen damit, in den letzten 150 Jahren war ja Deutschland zum Teil ein richtig gehendes politisches Irrenhaus. Während wir uns in der Schweiz nicht mal daran erinnern können, wer eigentlich unsere Bundesräte waren. Das ist eben der Unterschied. wenn sie ein Land haben, das von unten nach oben regiert wird und nicht ein Land, das von oben nach unten regiert wird. Und vielleicht merken die Deutschen jetzt auch allmählich, dass sie anfangen müssen, von unten nach oben zu regieren. Dass eben die Lebenswirklichkeit der Leute das Entscheidende ist. Und das hat mir Ulrich Sigmund gesagt. Er hat gesagt, diese zwölf Jahre, das ist eben auch... Die Tragödie, das Verbrechen, das Debakel der Abgehobenheit. Und wir dürfen nicht abheben, wir müssen geerdet bleiben. Das ist die Lehre hier, dass man eben nicht Politikern hinterherrennt, die sich loslösen. Er hat einen sehr provokativen Satz gesagt. Er hat gesagt, ihn erinnere eine gewisse Abgehobenheit, die man heute beobachtet in der deutschen Politik, an schlimmere Perioden in der deutschen Geschichte. Also was ist Deutsch? Was ist die deutsche Identität? Wie kann man dieses Team und dieses Wir-Gefühl entwickeln, in Zeiten, in denen die Europäische Union, Europa, keinen Vaterlandsersatz mehr bietet, wie nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Trümmern? Da hatte man auch andere Sorgen, als sich über solche Fragen Gedanken zu machen. Wie definiert man nationale Identität und natürlich auch nationale Interessen vor dem Hintergrund, dass wir ein Ostdeutschland haben, das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bei der Bevölkerung natürlich die Sehnsucht wieder aufgetaut hat. Wir wollen Deutschland zurück. Wir wollen nicht die Europäische Union. Wir wissen gar nicht, was das ist. Ist das eine Form von Sowjetunion-Leid? Oder was ist das eigentlich? Da bekomme ich ja sofort Frostbeulen, wenn ich an Brüssel denke. Nein, ich möchte eigentlich Deutschland wieder zurück. Wir waren doch jetzt unter der sowjetischen Eisplatte, sozusagen im Permafrost des Sowjetismus, gefangen. Und jetzt möchten wir Deutschland zurück. Und diese Diskussion ist doch jetzt das hochinteressanteste in Deutschland. Hier eine Sprache zu entwickeln, die eben dieses Nationalgefühl, geläutert, natürlich aufgeklärt, ein Nationalgefühl des Stechschritts wieder zurückbringt. Das mag jetzt in einigen Ohren abgehoben klingen, aber ich sage Ihnen, und diese Reaktionen bestätigen mich darin, hier haben wir den 100er-Nagel in den Bühnenboden geschlagen. Da hat ein Mann wie Höcke schon vor vielen, vielen Jahren, und er ist ja aufs Himmeltraurigste zusammengeprügelt worden und in die superrechtsextreme Ecke geschoben worden, einfach deshalb, weil er diese Grundfrage des Nationalen wieder zurückgebracht hat. Und diesen Respekt bringe ich ihm entgegen und sage, das ist gerade auch in der deutschen Politik, in diesem Minenfeld, in diesem stets explosionsbereiten, dauerentbeurten Superminenfeld, ist das natürlich eine Leistung, meine Damen und Herren. Also... Beschäftigen Sie sich damit, das Morning Briefing von Gabor Steingart mit einer grossen und auch schönen bildlichen Darstellung. Sie sehen hier noch unser Studio, das Gespräch, wie man das aufgreift. Das freut mich, dass wir hier eine interessante und ich glaube wirklich wichtige Diskussion angestoßen haben. Ohne Nationalgefühl geht es nicht. Und ich benutze jetzt bewusst dieses etwas provokativ klingende Wort National, das ist ja in der Deutschen. Sensibilität, nachhaltig, eben toxisch verseucht. Aber es ist eben ein Nationalgefühl, ein Wir-Gefühl. Und das müssen sie haben, um Grenzen zu setzen, um ihren Weg zu finden, institutionell. Wie viel EU darf es denn sein? Wie viel Deutschland? Wie viel Zuwanderung? Was ist genau unser Weg in der Wirtschaftspolitik? Was ist die Rolle von Deutschland in der Welt? Wo stehen wir in dieser Welt? In dieser multipolaren Welt der Raubtiere und der Reviere? Das ist die ganz entscheidende Frage. Was ist Deutsch, meine Damen und Herren? Wohin treibt die Bundesrepublik? Und wir sind natürlich froh und fühlen uns geehrt, wenn wir dazu einen Beitrag leisten können. Gute Nachrichten, gute Nachrichten. Ich glaube, es verändert sich etwas da draussen beim Thema Ukraine-Krieg. Ich bin ja da der Daueroptimist, der... Überall das Licht am Ende des Tunnels sieht, selbst dort, wo es gar keinen Tunnel gibt. Aber das muss man immer wieder aufspüren. Und ich glaube tatsächlich, wir erleben ein paar interessante Phänomene im Moment. Ich habe ja ein Interview gemacht mit Klaus von Donany und Erich Fad zu diesem Thema. Wie geht das Frieden? Klaus von Donany mit seinem Buch «Nationale Interessen» der SPD, er war ja ehemaliger Bürgermeister von Hamburg. Auch er mit diesem Tabubegriff, ganz wichtig. Da sind wir wieder in dieser Geländekammer bei diesem hochempfindlichen Reiznerv. Aber jetzt eben auch die... Situation in der Ukraine. Die zarten Knospen der Diplomatie. Alexander Stubb, der finnische Präsident, hat sich da in dieses Vakuum der Unfähigkeit hineingewagt, nämlich der Unfähigkeit der Europäischen Union, sich auf einen Unterhändler mit Putin zu verständigen. Der finnische Präsident hat gesagt, ich rede mit Putin, ich gehe mit ihm, ich spreche mit ihm. Der Zeitpunkt ist günstig, die Russen kommen da nicht so voran, wie sie gerne hätten. Klar, ein paar Triumphalisten im Westen sind der Auffassung, dass das quasi schon der Vorbote der militärischen Niederlage sei. Gefährliche Überheblichkeitsfantasien, Stubseit. Nein, nein, die Russen stecken fest. Und ganz wichtig, Putin hat ja selber die Diplomatie angeregt. Und diese Aussage zeigt vielleicht, dass er eben doch in grösseren Schwierigkeiten steckt, dass meine russischen Gewährsleute und meine russischen Gesprächspartner dies zuzugeben bereit gewesen sind. Schwierig zu beurteilen. Auf jeden Fall sagt der russische Präsident, wir sollten jetzt wieder die Weichen stellen in Richtung Diplomatie. Schickt mir einen Unterhändler. Es könnte ein Gerhard Schröder sein, aber auch jemand anderes. Er hat die Türe aufgestossen. Und jetzt löst das etwas aus in der EU. Ein Alexander Stupp ist da. Gut, die anderen haben jetzt noch niemanden gefunden. Das überrascht ja nicht, angesichts des nicht sehr gewaltigen Leistungsregisters der Europäischen Union in letzter Zeit. Dass die da nichts finden, ist ja alles andere als überraschend. Aber es bewegt sich da etwas. Und ich glaube, der Zeitpunkt ist günstig. Denn tatsächlich, aufgrund dieser ganzen Drohnenlage, der Festgefahrenheit in der Ukraine, steigt die Bereitschaft, diese Blutmühle nicht mehr länger am Laufen zu halten. Aus der ukrainischen Sicht ist das Problem natürlich, dass sie einer Forderung der Russen nicht nachgeben wollen und vielleicht auch nicht nachgeben können, nämlich diese Festungen, diese Hügel im Donbass den Russen zu überlassen. Das sind die letzten 17 Gebiete, 17 Prozent Luhansk, Donetsk. Dort sind die Befestigungen, sozusagen die Golanhöhen der Ukraine. Und wenn das die Russen haben, dann hat man sich quasi ausgeliefert. Und die Israeli wollen ja auch auf den Golanhöhen keine syrischen Artilleriekanonen und keine Panzer. Das bedroht die Sicherheit vor dem Hintergrund natürlich der jetzt verkachelten Lage. Und deshalb wird hier ganz heftig gestritten und wir sind gespannt, ob es da dann eine Verhandlung, eine Kompromisslösung gibt. Wenn Putin so sicher wäre, wie er immer wieder sagt, dass er militärisch gewinnen könnte, dann würde er einfach durchmarschieren und würde es nehmen. Also offensichtlich... ist auch da jetzt die Bereitschaft gekommen zu reden. Und anscheinend hat man da diese Eisblockade, diese Eiszeit der Gesprächsverweigerung in der Europäischen Union mit dem Eispickel hier etwas aufgeknackt. Und es zeigen sich da eben die zarten Knospen diplomatischer Fingerübungen. Man versucht hier tatsächlich in diese Richtung zu gehen. Und ein Phänomen, das ich am Anfang als sehr gefährlich angeschaut habe, nämlich dass der amerikanische Präsident jetzt im Treibsand steckt, des Nahen Ostens, und deshalb fehlt als Friedensschlichter in Europa, das ist jetzt vielleicht gar nicht so schlecht, dass die Europäer hier selber wieder den Faden finden können, die völlig derotierten und desorientierten Europäer, die eben einer falschen, supranationalen Identität hinterherlaufen, die eben institutionell nicht funktioniert, die eine Fehlkonstruktion ist. in der Europäischen Union. Sie machen das jetzt selber. Und das könnte auch ein in dem Sinn guter Faktor sein, denn man muss ein Einvernehmen wiederfinden mit Russland. Also, wir bewegen uns hier, meine Damen und Herren, in einer sehr, sehr interessanten Phase. Und dann gibt es gleich noch eine positive Nachricht. Der Spiegel sieht es natürlich nicht, der schreibt vom Ende des Liberalismus. Wir haben darüber gesprochen, dass bei der FDP ja dann am Schluss noch eine Kampfwahl stattgefunden hat. Sozusagen Deus ex machina, DA ex machina. Die Agnes Strack-Zimmermann hat sich ja dann noch in letzter Sekunde als Spreng- und Kampfkandidatin gegen den erfahrenen Nicht-Anhänger der politischen Korrektheit gegen Wolfgang Kubicki in Stellung gebracht. Und jetzt kommt's. Aber die Frau, die wie kaum eine andere in der deutschen Politik für vehementeste Zuspitzung gegenüber Russland steht, für einen fast schon für eine Frau bemerkenswerten Militarismus, um es mal so zu sagen, ziemlich ballistisch wie diese Dame, aber auch beeindruckend, wie sie unterwegs ist, sie hat sich nicht durchgesetzt. Und das wäre vor einigen Jahren noch anders gewesen. Also meine Damen und Herren, und es bewegt sich doch, es gibt Entwicklungen in Deutschland. Nun gut, jetzt werden Sie sich sagen, um Himmels Willen, wie viel Unheil braucht es denn noch, bis diese Blinden und Tauben in Berlin das hören? Und jetzt bringe ich etwas Versöhnliches. Sie müssen Verständnis haben für Ihre Politiker. Erstens sind Sie gewählt worden, von wem? Von Ihnen. Das beflügelt natürlich. Und zweitens ist Deutschland das Land, Westdeutschland. Alte Bundesrepublik ist das Land, in dem eben diese antinationale, supranationale, Ersatzvaterlandsidentität des Europäismus quasi wie im Sinne eines Freiluftexperiments durchexerziert wurde. Verstehen Sie mich auch da richtig? Ich bin ein absoluter Europa-Befürworter. Ich gründe sofort einen Club der wahren Europäer. Das sind aber alles EU-Skeptiker. Nicht, weil wir gegen Zusammenarbeit sind, sondern weil wir sagen, das sind institutionelle Fehlkonstruktionen. Alle sind für alles verantwortlich, niemand für etwas. Kein nationales Subjekt, das sich diese Verfassung, diesen institutionellen Aufbau der EU gegeben hat, funktioniert nicht. Darendorf, der bedeutende Soziologe Ralf Darendorf. Nur im Nationalstaat gibt es Rechtsstaat und Demokratie. Also, widersprechen Sie mir, werfen Sie Gegenstände, aber ich muss heute Morgen ausnahmsweise ein positives, ein erfreuliches Fazit ziehen. Es gibt gute Tendenzen und die zentrale Frage, wir haben es gesprochen, drei zentrale Fragen. Frieden, wie geht das? Das neue Buch, Klaus von Donani, Erich Fad, das Interview erscheint, ich glaube heute. das ich gemacht habe in Hamburg. Wohin treibt die Bundesrepublik? Karl Jaspers, er hat damals schon gesagt, zu viel Parteienstaat, zu viel Parteiendiktatur. Wir brauchen mehr Volksnähe, mehr Bodenständigkeit. Mit Björn Höcke beantworten wir die Jaspers-Frage. Und Dieter Borchmeier, was ist Deutsch? Man ist zurückgeworfen auf die ewigen Fragen. Ich danke Ihnen, einen wunderschönen guten Tag. Entschuldigen Sie, bevor Sie dieses Video nun wegklicken, was Sie eben gesehen haben, diese Art von Journalismus, die gibt es eigentlich in dieser Form fast nicht mehr auf dieser Welt. Rede und Gegenrede, die andere Sicht beleuchten, das ist die Weltwoche unabhängig, kritisch und ja, auch gut gelaunt, weil wir eben glauben, dass selbst in den schlimmsten Abgründen immer irgendwo ein Lichtblick liegt. Wir beleuchten, was andere weglassen. Wir sprechen mit jenen, mit denen sich sonst... Niemand so unterhalten getraut. Wir schreiben, was ist. Abonnieren Sie daher die Weltwoche. Jedes Abo ist eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt. Denn unabhängiger Journalismus funktioniert eben nur mit unabhängig kritischen und vielleicht auch gut gelaunten Lesern. Sie sind der Grund, warum wir machen können, was wir eben machen. Alle Abo-Optionen finden Sie auf unserer Website www.weltwoche.de sowohl für Print als auch digital und maßgeschneidert auch für Deutschland. Und wenn Sie bereits Abonnent sind, dann möchte ich mich an dieser Stelle einfach mal bei Ihnen bedanken und wünsche Ihnen nun viel Vergnügen beim nächsten Video.
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