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«Gruetzi Mittenand» «Ganz herzlich willkommen und einen wunderschönen guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde aus nah und fern. Ich begrüsse Sie zu einer weiteren Folge von Meilensteine der Schweizer Geschichte mit Professor Christoph Mörgeli. Bitte verzeihen Sie, wenn wir Ihnen hier die Aussicht verstellen.» auf diese wunderbar idyllische Szenerie, die die Hauptrolle spielt oder zumindest die Kulisse abgibt für unsere heutige Sendung zu einer einschneidenden, wegweisenden, ja, wie soll man das nennen, Christoph, Episode, Biografie der weltweiten Wissenschaftsgeschichte. So würde ich das vielleicht einordnen, aber ich übergebe gleich an den fachkundigen Leiter hier. Ja, Christoph. Was ist das Thema? Was hat es mit dieser Brücke auf sich? Vielleicht spielt auch das Haus im Hintergrund eine Rolle, ich weiss es nicht. Und dann sehr imposante Pfeiler mit einem Fluss. Ja, bitte kläre uns auf. Grüezi miteinander. Wir befinden uns vor der sogenannten Teufelsbrücke. Die geht über die Siel und steht in Eck. Das ist ein Dorfteil des Klosterdorfes Einsiedeln im Kanton Schwyz. Eine andere Teufelsbrücke haben wir auch schon gesehen, die ist dann über die Schöllnernschlucht im Kanton Uri. Der Ursprung ist eigentlich immer derselbe. Es ist eine so tollkühne Brücke, dass man sich nicht vorstellen konnte, dass das ohne Mitwirkung des Teufels zugegangen wäre. Und dieser Teufel hat natürlich dann auch eine menschliche Seele verlangt, beziehungsweise im Kanton Uri ein Lebewesen. man hat ja dann... ein Tier über die Brücke als erstes geschickt. So haben die Urner gewissermassen den Teufel überlistet. Aber auch hier also Teufelsbrücke, bereits eine Holzbrücke im 12. Jahrhundert errichtet, durch den Abt von Einsiedeln. Die liegen nämlich an einer Pilgerstrasse zwischen dem Kloster Einsiedeln und dem Etzel. Und dann 1517 erstmals eine Steinbrücke. In der heutigen Form aus dem 17. und 18. Jahrhundert 1794 wurde sogar in der Mitte der Brücke noch eine Art Kapelle oder jedenfalls ein Denkmal für den heiligen Nepomuk errichtet. Bevor wir auf den durch engeren Gegenstand der Sendung zu sprechen kommen, interessiert mich noch das Motiv mit diesen Teufeln und den Brücken. Warum eigentlich der Teufel? Man könnte ja auch göttlichen Beispielen... anrufen, wenn man eine Schlucht überwinden muss. Warum haben eigentlich die Menschen im Mittelalter, in der frühen Neuzeit, den Teufel ins Spiel gebracht, wenn es darum ging, Gelände, Hindernisse in den Griff zu kriegen? Das ist interessant. Viele Jahrhunderte lang spielte der Teufel eine ganz ähnliche Rolle, nämlich das Böse wie eben andererseits das Gute. Und man hat offensichtlich ein so gewaltiges menschliches Werk, es ist ja nicht letztlich ein göttliches Werk, sondern ist aus Menschenhand entstanden, doch eher dem Teufel zugetraut. Aber die Menschen wussten, der Teufel verlangt immer seine Gegenleistung, immer sein Opfer. Das ist natürlich ein altes Motiv, wir kennen das auch aus der Faustlegende. Also das ist offenbar hier auch passiert. nicht anders gegangen ist, als dass der Teufel mit im Bunde stand. Und beim Faust geht es ja darum, dass ein Mensch seine natürlichen Grenzen überschreitet und da eben dann die Mächte des Bösen dazu in Dienst nimmt. Vielleicht hier, wenn man so eine imposante Schlucht überwindet, dann ist das vielleicht damals auch als unstatthaft, sozusagen als Grenzüberschreitung gewertet worden, moralisch fragwürdig so eine Brücke zu bauen. Das könnte man sich vorstellen. Es ist wirklich eine Grenzüberschreitung, eine Grenzerfahrung, so etwas zu machen, eine schwere Steinbrücke in doch stattlicher Höhe über diese Siel zu schlagen, die übrigens heute auch von Autos befahren werden kann. Es ist natürlich immer wieder restauriert worden und 1984 hat der Bezirk Einsiedeln hier diese Brücke übernommen und pflegt sie. Wir reden ja nicht über die Brücke, sondern über einen Mann. der hier auch an einem Steindenkmal verewigt ist. Das sehen Sie jetzt nicht im Bild, aber präsent. Um wen geht es in der heutigen Sendung? Warum ist diese Brücke so wichtig für das Thema des heutigen Tages? An dieser Stelle ist im Jahr 1493 1994 oder 1994, man ist nicht ganz genau sicher, eine eminente Persönlichkeit geboren worden. Hier eben Teufelsbrücke bei Eck in Einsiedeln und das ist Paracelsus. Bürgerlich heisst er ja anders, Theophrastus Bombastus von Hohenheim. Er ist der Sohn eines Wilhelm und Diese wiederum der uneheliche Sohn eines niedrigen Adligen aus dem Schwabenland. Und die Mutter war aber hier eine Einheimische aus Einsiedeln. Darum ist er hier geboren. Und er selber ist seit Lebens letztlich ein Untertan des Kloster Einsiedeln geblieben. Er war also nicht ein freier Eidgenosse, sondern galt als Untertan von Einsiedeln. Auch wenn die Familie bzw. der Vater nach dem frühen Tod der Mutter... hier diese Gegend relativ rasch verlassen hat, weil er eben in Kärnten dann Arzt geworden ist und da eine Stelle gefunden hat. Theophrastus Bombastus, ein Name, den er wirklich bei der Geburt bekommen hat oder eine Art Künstlername, den er sich schon im Lichte seines Ruhms dann selber gegeben hat, der Paracelsus? Der Name ist eigentlich richtig, aber Paracelsus ist dann tatsächlich ein... Kunstname, der er sich später dann im Leben zugezogen hat, beziehungsweise selber angeheftet hat. Es nimmt nämlich diese Bezeichnung Bezug auf den berühmten römischen Arzt Zelsus aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Und Paracelsus heisst, je nach Übersetzung, neben Zelsus. Die meisten meinen aber über Zelsus, also dass sich Paracelsus doch eigentlich besser gefunden hat als diese klassische antike Autorität namens Celsus. Und die Bombastik des Vornamens? Die Bombastik ist eigentlich doch letztlich, sofern ich richtig orientiert bin, schon früher angelegt worden. Aber Theophrastus war dann sicher der... Richtige Taufnahme, so wie man annehmen darf. Auch wenn aus dieser frühen Jugendzeit, die wahrscheinlich relativ ärmlich war, sehr, sehr wenig bekannt ist. Und eben eine bombastische Karriere, könnte man sagen. Ja, was ist an Paracelsus das Wesentliche? Was sind vielleicht auch die entscheidenden Stationen in diesem Leben? Hier aus einer ländlichen Gegend ins Zentrum, wenn man so will, der medizinischen Wissenschaften der damaligen Zeit mit. Fernwirkung bis heute? Paracelsus ist wahrscheinlich von Klostermönchen, von Geistlichen erzogen worden, sicher auch vom Vater, der ebenfalls Arzt war, auch Alchemist. Und er selber hat sich dann medizinisch ausgebildet, ist auf die übliche Wanderschaft gegangen und hat mit höchster Wahrscheinlichkeit einen Doktortitel erreicht in Medizin und Chirurgie in Ferrara. in Italien, ist dann zurückgekommen und hat ein eigentliches Wanderleben betrieben. Er war in Salzburg, er war im süddeutschen Raum, er war in verschiedensten deutschen Gebieten. Er war natürlich in Österreich, er war in der Schweiz, also man findet ihn an sehr, sehr vielen Orten. Er ist Bürger geworden in Straßburg und ist dann im Jahr... 1527 als Stadtarzt und Professor nach Basel berufen worden. Das war eine wichtige Station für ihn und da hat er dann auch gewissermassen Furore gemacht. Was befähigte ihn oder was zeichnete ihn aus? Was war gewissermassen die Innovation, die ihn berühmt machte? In Basel hat er sich vor allem dadurch Er hat ausgezeichnet, wenn man das als Auszeichnung bezeichnen will, dass er Deutsch unterrichtet hat. Er hat sich also geweigert, in lateinischer Sprache zu unterrichten und das war etwas Neues. Er war von übertriebenem Geltungsbewusstsein, er war außerordentlich selbstbewusst. Er war sicher auch in seinem Charakter nicht in jeder Beziehung angenehm, sondern er war Das Gegenteil. Und hat sich in Basel dann auch sofort viele Feinde gemacht. Er war zuerst hoch geachtet, er hat berühmte Patienten wieder auf die Beine gebracht oder jedenfalls etwas gebessert, zum Beispiel den berühmten Buchdrucker Froben. Als der aber dann gestorben ist, hat er eine wichtige Stütze verloren. Und er hat auch die Apotheker gegen sich aufgebracht, weil er die besser kontrollieren wollte. Die Professorenkollegen waren dann gegen ihn, die Ärzteschaft in Basel, sodass er bereits im Jahr 1528 dieses Basel wieder verlassen musste. Und damit war eigentlich auch der Höhepunkt seines Lebens dann letztlich vorbei. Aber war er schon ein genialer Arzt, dass man immer noch über ihn spricht? er ist ja sozusagen zum Archetyp des modernen Arztes geworden, eine Figur, wobei jetzt mit geringer Kenntnis von meiner Seite, würde ich sagen, eine Figur, die man immer auch an der Schnittstelle zwischen Medizin und Alchemie vielleicht etwas einzuordnen hat. Ja, war er ein Genie? Ob er ein Genie war, darüber könnte man streiten. Es ist sicher sehr viel Mittelalter noch in ihm und in seinen Auffassungen. Man denke eben nur an seine alchemistischen. Man denke an seine magischen Fähigkeiten bzw. seinen Glauben an magische Möglichkeiten. Dann war natürlich auch die Theologie sehr wichtig. Er war ein Laientheologe und hat eben auch die Bibel ausgelegt, immer nach seinen Vorstellungen, wobei er auch seine Wissenschaft da mit einbezog. Er hat über Hexen berichtet und für ihn waren Hexen eine Tatsache. Staatssachen, also all das ist doch eher ein Stück weit noch Mittelalter, auch wenn ja leider dieser Hexenaberglaube weit in die Neuzeit dann hineinreicht. Aber was bei ihm besonders ist und was ihn in die neue Zeit dann gewissermassen katapultiert, ist, dass er die antike Säftelehre bekämpft hat, die Humoralpathologie, die eben seit der Antike gilt und die im Mittelalter völlig unbestritten war. Der Mensch besteht aus den Säften, Helle, Galle. Dunkle Galle, Blut und Schleim. Und solange die Säfte im Gleichgewicht sind, ist der Mensch gesund. Und das kann man dann auch diagnostizieren in der Harnschau. Das kann man dann sehen, wie genau diese Säfte funktionieren. Und da kommen dann auch die entsprechenden Therapiemethoden, Adalas, Clistire und so weiter zum Einsatz. Und er hat dann gewissermassen chemische Überlegungen mit einbezogen. Er hat gesagt, diese Säftelehre. ist nicht das Gelbe vom Ei. Und er hat gesagt, eine ganz wichtige Rolle spielt das Quecksilber, spielt das Sulfur und das Salz. Also das seien wichtige Bestandteile. Und so wird er oftmals eben auch als ein früher Chemiker, der gewissermassen naturwissenschaftlich dachte, interpretiert. Vieles aber bei ihm ist sehr dunkel, ist schwierig, ist letztlich unverständlich. Vor allem für mich, ich bin überhaupt kein Paracelsist und verstehe da ihn wirklich in manchen Bereichen überhaupt nicht. Aber Medizinhistoriker bist du und hast die Geschichte der Medizin genauestens erforscht. War Paracelsus Zeit seines Lebens ein Star, eine Berühmtheit? Er war sicher recht berühmt, der ist es dann aber nach seinem Tod erst so richtig geworden. Ja. Er hat viel geschrieben. Sein Werk ist, wenn man vielleicht mal von berühmten Romanen absieht, wahrscheinlich das reichhaltigste deutschsprachige Werk neben oder hinter dem von Luther. Also er ist ein Vielschreiber. Nicht sehr vieles hat sich absolut erhalten, wobei man mit Sicherheit sagen kann, dass er der Autor ist. Das ist nicht immer ganz einfach, aber zum Beispiel in seiner Lebzeit gedruckt. wurde seine Chirurgie und die ist im Jahr 1536 entstanden. Ein Jahr früher hat er das Bad Pfeffers besucht und da eine sehr interessante Abhandlung drüber verfasst. Er hat auch über Siphilis und die entsprechende Bekämpfung geschrieben und da zu Recht das Quaiakholz als unbedeutend in der Therapie bezeichnet. er hat Quecksilberkuren verordnet, was im Prinzip wirksam ist, aber natürlich hochtoxisch und dann entsprechende Nebenwirkungen hat. Aber er hat also wirklich gesagt, dieses Guajac, das man teuer importierte aus Amerika, das hat keinen Sinn, das ist absolut wirkungslos. Und damit hat er die berühmten Fucker gegen sich aufgebracht, die natürlich an diesem Guajac-Handel ein Vermögen verdient haben. Ist er nach Basel diesen Querelen... Ist er dort geblieben oder ist er in eine andere Stadt gezogen? Er ist dann rasch in eine andere Stadt gezogen. An verschiedensten Orten, man kann das fast nicht alles aufzählen, hat auch versucht zu drucken, zum Teil eben dann gedruckt. Diese Chirurgie, das ist ihm gelungen in Ulm, dann auch in Augsburg, aber eben vieles blieb ungedruckt. Er war ein Polemiker, hat auch wacker ausgeteilt gegen seine Feinde und es gab dann gewissermaßen eben die Paracelsisten und die Galenisten, die eben bei den Lehren des antiken Galen geblieben sind. Und so richtig berühmt wird er aber erst nach seinem Tod im Jahr 1541. Da ist er nämlich in Salzburg verstorben. Er war dann relativ arm, hat noch versucht, da in Kärnten das Erbe seines Vaters zu retten. Es ist ihm aber, wie gesagt, nicht mehr richtig geglückt, eigentlich Fuss zu fassen im späteren Leben. Basel war letztlich doch der Höhepunkt seines Lebens. Und der Schlüssel zu seinem Durchbruch? Postum, der Schlüssel ist dann eigentlich doch die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts, als man begann, seine Werke herauszugeben, und zwar möglichst vollständig. Da gibt es verschiedene Ausgaben an verschiedenen Orten, über seine medizinischen Werke einerseits, dann natürlich auch über die ganze Magie und über die theologischen Auffassungen, die er vertreten hat. Er blieb zeitlebens katholisch, hat aber die Kirche, so wie er sie angetroffen hat, auch massivst kritisiert. Aber theologisch hat er sich durchaus auch geäußert. Natürlich nicht anerkannt in dem Sinn von der Kirche, aber interessant. Und die Überlieferung geht dann wirklich weiter. Er wird eine feste Grösse in der Wissenschaftsgeschichte. Er wird ernst genommen, er wird berücksichtigt. Man darf natürlich nicht vergessen, dass die sogenannte Schulmedizin, also die an den Universitäten gelehrte wissenschaftliche Medizin, natürlich letztlich auch nicht sehr viel festere Grundlagen hatte als vielleicht Paracelsus zu seiner Zeit. Kann man diese Texte noch lesen? Ist das interessant, wie bestimmte Schriften von Luther, die ja heute noch durchaus mit Genuss, da sprachlich sehr kompetent zu lesen sind? Man kann sie lesen, man versteht einiges, aber wie gesagt, manches bleibt doch etwas rätselhaft. Und der Schlüssel erschliesst sich mir zumindest nicht in jedem Fall. Es gibt aber durchaus Spezialisten, die ihn sehr, sehr ernst nehmen, die ihn auch studiert haben. Er ist heute präsent natürlich auch in der Alternativmedizin. Er hat in der Homöopathie von Hahnemann im ausgehenden 18. Jahrhundert bei seinen Vorstellungen eine gewisse Rolle gespielt. Es gibt heute Paracelsus-Gesellschaften, die sein Wirken wissenschaftlich untersuchen. Es gibt aber eben auch natürlich alternativmedizinische Paracelsus-Kliniken und Ähnliches. Und er ist wirklich präsent, der Name, sowohl in der wissenschaftlichen Medizin wie auch eben in der Alternativszene. Gibt es Familiennachkommen? Meines Wissens nicht. Er war wirklich nicht mit legitimen Kindern gesegnet. Wenn ich richtig informiert bin, er hat eben doch ein recht unstetes Leben und da wäre vielleicht eine Familie etwas im Wege gestanden. Paracelsus und die Schweiz? Paracelsus ist letztlich Schweizer, er ist hier geboren. Es war ihm bewusst, dass er ein Einsiedler ist. Er hat sich natürlich auch als Bürger des römisch-deutschen Reiches empfunden und ist ja dann auch wirklich Bürger geworden einer Reichsstadt, nämlich von Straßburg. Aber er empfand sich durchaus von der Herkunft her als Schweizer und seine Mutter war, man kennt leider ihren Namen nicht ganz sicher, aber man geht davon aus, dass sie hier eine Einheimische aus dem heutigen Kanton Schweiz war. Paracelsus als historische Figur, als Untersuchungsgegenstand, aus der Sicht des Historikers, was macht ihn faszinierend? Was macht für dich auch seinen speziellen Reiz? Das aus, was ihn ebenso interessant werden lässt? Ich glaube, wenn wir vor einer Brücke stehen, könnte man seine Brückenfunktion zwischen Mittelalter und Neuzeit bezeichnen. Da ist er doch recht interessant, indem er einiges... in sich trägt, das ist ja gar nicht anders möglich als dieses scholastische Wissen, das er natürlich aufgenommen hat, aber eben neue Wege versucht und eigentlich im Zweifel doch auf seine Erfahrung sich abstimmt. Er schützt eher als auf Antike oder andere Autoritäten aus dem Bücherwissen. Und das macht ihn eigentlich interessant, seine Beobachtung auch von Patienten, seine Behandlung von Patienten. Da hat er eigene Wege beschritten, da hat er nicht einfach alles geglaubt, was andere glaubten und was überliefert wurde. Also eine pionierhafte Erscheinung in der Entwicklung des forschenden Geistes. Nach dem theologischen Weltbild des Mittelalters plötzlich geht man wieder selber und gräbt und widmet sich der Empirie. Gibt es noch eine Bemerkung? Haben wir noch etwas Wichtiges vergessen im Zusammenhang mit Paracelsus? Ich meine, wenn man von Paracelsus spricht, müsste man schon auch den Missbrauch seiner Figur, seiner Gestalt und überhaupt seines Wirkens im Nationalsozialismus bezeichnen. im Jahr 1941. Es war ein sogenanntes Paracelsus-Jahr. Wir haben 500 Jahre nach seinem Tod, habe ich jetzt richtig gerechnet? 400 Jahre sind es, glaube ich, Entschuldigung. Und da ist dann doch in Deutschland ein Kult betrieben, der natürlich heute abstösst. Also man hat Paracelsus verstanden als Urbild des deutschen Arztes, der eben Deutsch schrieb, Deutsch sprach, der eben eine Führergestalt war. die Menschen da eben zu ihrem besseren Glück und zu einer besseren Gesundheit führte. Das sind auch entsprechende Propagandafilme, vor allem ein Film, der 1943 des Regisseurs Papst entstanden, über Paracelsus, die eben diese Gestalt natürlich vollkommen im Sinne des Nationalsozialismus vereinnahmt haben. Hat aber Paracelsus überlebt, er ist sozusagen detoxed worden, also heute. Ist das vermutlich nicht die allererste Assoziation, die man mit diesem Namen verbindet? Mir ist ein Zitat bekannt, ob es von ihm ist oder nicht, die Dosis macht das Gift, wenn es von ihm stammt. Also irgendwie scheint Paracelsus diese Vereinnahmung, diesen Missbrauch doch irgendwie überstanden zu haben. Ja, und ich glaube auch zu Recht, er kann ja nichts dafür, dass er so missbraucht wurde und instrumentalisiert. Und tatsächlich ist das wahrscheinlich im Allgemeinwissen das. wichtigste Zitat, allein die Dosis, also jedes Ding ist Gift, aber die Dosis ist dann entscheidend und das ist wirklich ein kluger Satz, der sich durchaus auch dann wissenschaftlich gehalten hat. Gilt natürlich auch für unsere Sendezeit, je mehr wir das in die Länge ziehen, desto toxischer kann es werden, wobei wir hätten hier jetzt natürlich noch ein stundenlanges Redepotenzial, aber ich glaube wir sind am Endpunkt angekommen. Geniessen Sie, ich stehe noch ein bisschen auf die Seite hier, Geniessen Sie noch einen Ausblick auf diese tatsächlich auch etwas mittelalterlich anmutende Szenerie, wobei die Stützpfeiler hier alles andere als mittelalterlich sind. Meine Damen und Herren, wir bedanken uns für die Aufmerksamkeit. Christoph, auch dir vielen herzlichen Dank für die Ausführungen. Und wir freuen uns auf unser Wiedersehen am nächsten Samstag bei Meilensteinen der Schweizer Geschichte. Musik

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Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über Paracelsus, den Schwyzer Pionier der modernen Medizin

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Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über Paracelsus, den Schwyzer Pionier der modernen Medizin
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Kapitel

  1. Einleitung und Begrüssung
  2. Vorstellung der Teufelsbrücke
  3. Mythos und Geschichte der Teufelsbrücke
  4. Einführung zum Thema Paracelsus
  5. Herkunft und Name von Paracelsus
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