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Die Weltwoche

Grüezi miteinander, ganz herzlich willkommen und einen wunderschönen, sonnigen guten Morgen, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde aus nah und fern. Ich begrüsse Sie aus der russischen Hauptstadt Moskau zur internationalen Ausgabe von Weltwoche Daily. Die andere Sicht, unabhängig, kritisch, gut gelaunt und zuversichtlich am Mittwoch, dem 27. Mai 2000. 26. Ja, irgendwann geht immer wieder die Sonne auf. Siehe, die Welt ist nicht verdammt. Es geht bergauf, es geht bergab, aber es geht eben nicht immer nur bergauf, nicht immer nur bergab. Das darf man nicht vergessen. Das ist eine wichtige Erfahrungstatsache. Aber der Mensch ist natürlich ein emotionales Lebewesen. Er lässt sich da ergreifen, erfassen, mitreissen von Stimmungen und vor allem auch vom Herdentrieb der allgemeinen Meinungen. Und deshalb haben Journalisten einen ganz wichtigen Auftrag, sie müssen dagegenhalten. Wo immer der Hartbeton sich da verfestigt, gilt es dagegen anzutreten, gilt es manchmal sogar dagegen anzuhemmern. die andere Sicht unkonventionell gegen Steuer geben, das sind für mich wesentliche journalistische... Und ja, man ist natürlich immer auch wieder der Pflichtverteidiger aller Verfehmten und Verdammten. Das ist ja meine ultimative Schutzbehauptung, wenn ich da von Kritikern umzingelt werde. Und das kommt ja doch gelegentlich und nicht allzu selten vor. Doch wer nie kritisiert wird, der macht alles falsch. Denn nur der, der nichts sagt, kommt überall gut an. Und dieser Devise dürfen wir ja bei der Weltwoche nicht. nachleben. Was Sie da im Hintergrund sehen, schemenhaft erkennen können, sind die Umrisse von Hochhäusern in der Moskauer Innenstadt. Wir sind hier an einer der wichtigsten und grössten Verkehrsachsen. Gelegen nicht weit von hier das russische Aussenministerium von Sergej Lavrov, dem Dinosaurier der Diplomatie. Und wieder nur wenige hundert Meter weit entfernt dann eine neckische kleine Okay. Kulinarisch-Kulturelle Pointe, ein ukrainisches Traditionsrestaurant. Vor zwei Jahren habe ich dort einen kleinen Film gedreht und mit Gästen, auch mit Angestellten gesprochen. Sie haben mir gesagt, sehen Sie, Lavrov sitzt nur einen Steinwurf von hier entfernt in diesem stalinischen Zuckerbäcker im Ponierbau, der in der Nacht übrigens eindrucksvoll illuminiert wird. Und hier sind wir mit unserer kulinarischen Hommage. An die ukrainische Kultur und dieses Restaurant sei seit bald 100 Jahren Ausdruck der tiefen Verbundenheit der Kulturen, der ukrainischen, der russischen, die ja aufs engste miteinander verbunden seien. Und der Krieg in der Ukraine, das sagen mir hier alle, das haben die Leute immer betont und beteuert und ausdrücklich herausgestrichen, dieser Krieg sei eine fürchterliche Tragödie. Die Russen hätten das nie gewollt, übrigens auch nicht ihr Präsident Putin. Das sei alles dummes Zeug von einem Eroberungskrieg, von imperialen Bestrebungen zu reden. Nein, der Ukraine-Krieg sei den Russen aufs Auge gedrückt worden von der westlichen Hegemonialpolitik der Amerikaner mit ihrer NATO-Osterweiterung. Das sei ja klar, dass man das nicht tolerieren könne. Ein Übersetzer sagte mir damals, sollen wir warten, bis die NATO ihre Atomraketen auf dem Roten Platz... aufstellt, seid ihr eigentlich verrückt geworden, seid ihr von allen guten Geistern verlassen. Nein, man hat hier den Krieg in einer ganz anderen Optik wahrgenommen, wie man das im Westen tut. Und indem man das natürlich ausblendet bei uns, verkennt man die Situation und zieht falsche Schlüsse und steigert sich dann eben in diese Feindbilder hinein, in diese Verzerrungen, in diese Zerrbilder. Und da muss man aufpassen, da muss auch ich aufpassen, das ist mir klar. Darum schätze ich übrigens auch die vielen kritischen Kommentare. die ich immer wieder erhalte, wenn ich mich da zum Nahen Osten äussere, wo ich ja auch den Pflichtverteidiger der jetzt Angeprangerten und Verfemten gebe. Aber eben immer bewusst bleiben muss man sich das eben so, wie man es selber sieht, wie man es selber empfindet. Das sind nur Ausschnitte aus der Wahrheit. Man hat nie die Wahrheit. Niemand besitzt sie. Aber man muss versuchen, sie eben entsprechend herauszufinden. Wahrheitssuche. ist das Gebot und nicht das Wahrheitsbesitzen. Darüber habe ich auch mit den Studenten an der Uni Zürich gesprochen. Also, wir stehen jetzt im fünften Jahr. Dieses Kriegs und so wie es aussieht, mutmasslich, ich bin da einfach immer vorsichtig, ich glaube nichts, was die Mainstream-Medien sagen oder fast nichts, stütze mich zwar in meinen Sendungen sehr stark ab auf diese öffentlichen und verfügbaren Quellen, aber es scheint sich da der Eindruck zu verfestigen, dass tatsächlich dieser Krieg sich festfährt. Die Russen machen da keine erheblichen... Fortschritte mehr. Man sagt mir zwar in Moskau, die Truppen stünden da sicher, auch in gesicherten Stellungen, aber eben der Drohnenkrieg der ukrainischen Seite, der übrigens massiv da von den Deutschen und von den Engländern alimentiert wäre, das sei ja so ein Unsinn zu behaupten, das sei alles exklusiv nur ausschliesslich von den Ukrainern so zustande gebracht. Hier sieht man eine grosse Einmischung auch der westlichen Seite. Ja, diese Drohnen würden eben verhindern. dass man Vorstösse machen könne. Und ich versuche jetzt hier etwas herauszufinden. Wie ist denn die Stimmungslage jetzt? Wie bildet sich auch die wirtschaftliche Anspannung ab? Ist das in Moskau anzumerken? Beim letzten Mal hat man das sehr, sehr wenig gespürt. Überfluss in den Geschäften, alle Produkte des Bedarfs, aber auch darüber hinaus, waren erhältlich. Jetzt höre ich aber doch auch von einigen Gewährsleuten von damals, dass sich die Situation verschlechtert hätte. Die Stimmung sei nicht mehr so gut. Es sei eine gewisse Ungeduld, eine Unsicherheit da. Man sehe natürlich, dass die Fortschritte auf dem Schlachtfeld ausbleiben. Fünf Jahre Krieg. Allerdings, da auch wieder die Gegenmeinung, habe gestern mit ein paar Konferenzteilnehmern hier an dieser Sicherheitskonferenz gesprochen, dem eigentlichen Anlass meines Kommens. Und die wirkten tiefenentspannt. Zum Beispiel hat mir ein äthiopischer... Diplomat mitgeteilt, der jetzt seit einigen Jahren schon in Moskau lebt. Ja, die Rede von Nervosität, das sei westliches Wunschdenken. Die Russen seien sehr geduldig und hätten sich auf diesen Krieg eingestellt. Und man müsse ihn gewinnen, das sei den Leuten klar. Aber man könne ihn nicht mit allen Mitteln gewinnen. Man müsse sich da auch an bestimmte Restriktionen halten. Also da wurde Entwarnung gegeben, auch von einigen russischen... Konferenz teilnehmen. Auf der anderen Seite haben wir in den ausschlaggebenden Zeitschriften einen interessanten Richtungsstreit zwischen den Falken und den Tauben. Über die Falken habe ich schon gesprochen. Sergej Karaganov, ich werde ihn heute übrigens treffen und sprechen können. Bin sehr gespannt. Er hat die Forderung aufgestellt, Russland solle den Krieg eskalieren. Man solle die Nachschublinien auch von NATO-Staaten bombardieren, zum Beispiel aus Polen oder Rumänien. und auch den Deutschen gehörte ein Denkzettel verpasst, denn der Westen habe vergessen, was nukleare Abschreckung bedeutet. Karaganov provoziert mit der Forderung, taktische Nuklearwaffen in diesem Krieg einzusetzen. Das ist vielleicht nicht die Mehrheitsmeinung im russischen Establishment. Das ist sicherlich die provokativste und pointierteste Ausprägung einer bestimmten Stimmungslage auf der rechten, auf der Falkenseite. Sergei Karaganov selber eine interessante Persönlichkeit, einst sehr eng mit dem Westen verbunden, gerade so eine Liebesbeziehung mit Deutschland unterhaltend, aber eben enttäuschte Liebe, kann dann ziemlich rabiat auch in Hass umschlagen. Auf der anderen Seite gibt es die Gemässigten, und ich glaube, das ist das Lager, das er für Putin ausschlaggebend ist. Da spielt Ivan Timofeev eine grosse Rolle, mit dem habe ich mich auch vor zwei Jahren unterhalten, werde ihn ebenfalls wieder treffen, aber auch Vasily Kaschin, mit einem... bemerkenswerten Aufsatz jetzt furore gemacht hat, mit einer ungeschminkten Kritik an der Realität. Er hat gesagt, vergesst jetzt diese unrealistischen Pläne, hört auf, diese Szenarien zu entwerfen, die jenseits jeder Realität liegen. Russland müsse auf der Grundlage der Abmachungen von Anchorage einen Frieden jetzt anstreben. Es seien da keine Durchbrüche an der Front mehr möglich. Anchorage, Alaska, ich habe Ihnen das hier berichtet damals. hatten sich Putin und die amerikanischen Unterhändler verständigt. Russland bekommt die beiden Oblasten Donetsk und Luhansk vollständig, auch die Gebiete, die sie jetzt noch nicht erobert haben. In den beiden südlichen Provinzen des Donbass gilt die Frontlinie als neue Grenze, keinen Millimeter weiter. Die Krim dürfe man behalten, völkerrechtlich anerkannt. Dann gäbe es Sicherheitsgarantien und eine Aufhebung der Sanktionen. kein NATO-Beitritt der Ukraine. Und das wäre ja auch für Putin das Erreichen seiner Ziele. Denn in diesem Krieg, das beteuern Ihnen hier in Russland alle, geht es nicht primär um Territorium, sondern es geht um die Zukunft. Es geht um Prinzipien, es geht um Sicherheitszonen, es geht um Einflusssphären, aber es geht natürlich auch um Emotionen, um Geschichte, ähnlich wie im Nahen Osten, wo sich da um die heiligen Tempelberge in Jerusalem die Muslime und die Juden seit vielen Jahrhunderten streiten. Und auch heute spielen diese biblischen Realitäten eine Rolle. Ja, genauso oder vielleicht ähnlich ist es auch in der russischen Seelenlage. wo man immer wieder bedenken muss, dass eben in Kiew, der Mutter aller russischen Städte, übrigens auch der weissrussischen, die Wiege sozusagen der russischen Kultur, auch der Orthodoxie liegt. Und Wladimir Putin hat vor nicht allzu kurzer Zeit in Kiew noch eine Statue eröffnet, eines der ersten grossen russischen Zaren, könnte man sagen, der Rurikiden-Dynastie. Ich glaube, es war Wladimir I., der hier eben die... entsprechenden Weichenstellungen vorgenommen hat. Also da reden wir von historischen Bezügen, die sehr weit zurückgehen und eben in diesem Konflikt auch eine Rolle spielen. Und wir sollten uns im Westen, das ist meine tiefe Überzeugung, nicht einfach mit den Kampfstiefeln da hinwegtrampeln, darüber hinwegsetzen, sondern man sollte eben versuchen, diesen tragischen Konflikt, der wirklich ein tragischer Konflikt, ein Bürgerkrieg ist, den sollte man versuchen. nach Kräften zu entschärfen. Was habe ich erlebt an dieser Konferenz? Sie lesen darüber in der morgigen Weltwoche ein wichtiger Aspekt. Und das ist auch etwas, was bei uns völlig ausgeblendet wird. Und darum ist es eben wichtig, sich auch mal die andere Seite anzuhören. Im Krieg betreiben alle Seiten Propaganda. Das ist klar. Die Ukraine betreibt Propaganda. Die EU betreibt Propaganda. Leider betreibt auch die Schweiz Propaganda. Denn unser Bundesrat ist mit den Sanktionen auch Kriegspartei. Aber selbstverständlich betreiben auch die Russen Propaganda. Sind sie im geistigen Mobilmachungs- und im Kriegsmodus. Mein Eindruck ist, dass sich die Rhetorik jetzt doch da auch ein bisschen verschärft hat. Von meinen ersten Eindrücken jetzt da zu schliessen. Der kollektive Westen, wie es heisst, ihm wird also alles Mögliche unterstellt. Die systematische Desinformation, die Verseuchung gewissermassen der öffentlichen... Die Wahrnehmungen, die Manipulation der Ereignisse usw. Da hat ein, zumindest jetzt oberflächlich betrachtet, an dieser Konferenz ein Ton gewisser Bitterkeit Einzug gehalten. Möglicherweise ein Symptom, auch für ein Stresssymptom, vielleicht auch hier etwas in den politischen Eliten. Also da hat niemand die Wahrheit auf seiner Seite, aber es ist eben wichtig, sich beide zu verhalten. Seiten anzuhören. Und was bei uns komplett untergeht, ist, dass es eben auch zum Beispiel ukrainische Kriegsverbrechen gibt. Bei uns ist ja Butscha die Chiffre für die absolute kriminelle, verbrecherische Charakteristik dieser russischen Kriegsführung. Und Butscha war ja damals auch ein Grund, warum die Friedensverhandlungen in Istanbul gescheitert sind. Man hat gesagt, nach diesem Massaker an Zivilisten durch russische Streitkräfte Könne es doch kein Gespräch mit Russland geben, nur die militärische Antwort, nur die Waffen dürfen sprechen. Übrigens interessant, Putin gilt ja im Westen als absoluter Kriegstreiber, halte das auch für Propaganda, wenn es denn so wäre, warum hat er nach wenigen Wochen Einmarsch in der Ukraine, bereits in der Istanbuler Konferenz, Friedensofferten gemacht. Man stand ja sehr nahe an einer Reinigung, aber eben dann legten die Briten, die Amerikaner das Veto ein. und dieses Butcher kam sozusagen wie gerufen, dieses... Massaker an der Zivilbevölkerung. Da hat eben gestern eine Vertreterin der Regierung in Moskau, des Außenministeriums, die Sprecherin von Lavrov, Maria Sakharova, sie ist natürlich keine neutrale Expertin, aber sie gibt eben eine Parteimeinung wieder, mit der man sich auch auseinanderzusetzen hat. Sie hat dieses Butscher, diese Chiffre ganz entschieden zurückgewiesen. Sie hat auf die Chronologie von Ereignissen hingewiesen. Ich kann nicht Überprüfen, ob das stimmt. Das sind auch subjektive Darstellungen aus russischer Sicht. Das müsste man dann eben tatsächlich unabhängig einmal abklären von einer neutralen Instanz. Es ist ja umstritten, ob das wirklich passiert ist. Auf jeden Fall gibt es da dezidierte Gegenmeinungen. Und was an der gestrigen Tagung auch sichtbar wurde, anhand von Erzählungen, dass es Kriegsverbrechen mutmasslich auch von den Ukrainern gibt. Da sind also sehr anrührende Geschichten erzählt worden. Ja, Wahrheit oder Propaganda, schwer zu sagen, aber eben darum muss man sich beide Seiten anhören. Zum Beispiel letzte Woche, das ist keine Propaganda, das ist Realität, haben ukrainische Drohnen ein Studentenwohnheim einer pädagogischen Hochschule in Starobilsk, Oblast Luhansk, angegriffen. 21 junge Menschen zwischen 18 und 19 sind gestorben, 35. Das haben unsere Medien überhaupt nicht entsprechend gewürdigt, die ja sonst jede terroristische Aktion Russlands, jede tatsächliche oder auch wutmassliche und vermeintliche in schärfsten Worten anprangern. Aber eben, wenn es dann umgekehrt läuft, dann gelten doppelte Massstäbe. Das haben wir ja auch bei Nord Stream gesehen. Dieser grösste Terroranschlag auf eine europäische Infrastruktur ist überhaupt nicht... angeprangert, ist überhaupt nicht kritisiert worden. Im Gegenteil, man hat sogar die Aufklärung behindert. Und jetzt noch, als da ukrainische Verdächtige sich zum Teil in Deutschland aufhalten, ausgeliefert werden sollen, sperrt man sich dagegen. Aber eben, wenn in Russland etwas passiert oder durch Russland etwas passiert, dann ist Alarmstufe rot und dann sind sich alle in ihrer Empörung einig. Das zeigt einfach, wie stark man da selber schon in der Propaganda eingebunkert ist, Gewisser Also das ist eine Erzählung, eine Schülerin, die das Ganze überlebt hat, hat da aus erster Hand berichtet, aber wir haben auch von einer Mutter gehört, die da auf der Bühne sass, aus Belgorod. Statt an der ukrainisch-russischen Grenze gab es Vergeltungsschläge der ukrainischen Seite auf Angriffe auf Kharkov. Interessant übrigens die Angriffe auf Kiew vom letzten Wochenende. Das war explizit eine Vergeltung für die terroristische Zertrümmerung dieser Schule. Aber das unterschlagen eben unsere Medien auch. Dieser Kontext wird nicht hergestellt, denn das Feindbild des mörderischen Russen darf eben keinen Schaden. Aber es gibt natürlich diese zivilen Verletzten auch auf russischer Seite, nicht nur auf der ukrainischen Seite. Und diese Mutter eines Kindes ist mit ihrem Mann, hat sie erzählt, im Auto waren sie unterwegs, wollten, glaube ich, einkaufen, kam es zu einem Drohnenangriff. Der Mann wurde getroffen, das Auto brannte aus, die Mutter und das Kind konnten sich in Sicherheit bringen, mussten aber mit ansehen, wie ihr eigener Vater verbrannt ist oder ein Chirurg. der sein rechtes Bein und seinen rechten Arm verloren hat bei einem Drohnenangriff auf ein Spital, hat von seinen Erfahrungen erzählt. Wir haben Filmaufnahmen gesehen aus einer ukrainischen Provinz, der russisch besetzten ukrainischen Provinz. Da waren mehrere ausgebrannte Zivilfahrzeuge und auch ausgebrannte Fahrzeuge der Ambulanz zu erkennen. Zwei Filmemacherinnen haben gesprochen. Die einen hat... sich aufgemacht, war unterwegs mit einem forensischen Team im Donbass. Und eine Ärztin ist da in einer Halle, in einer Lagerhalle mit Leichensäcken, eine fürchterliche Szenerie. Und sie nimmt da Hände, Arme, also in diesen Leichensäcken sieht man Arme, sieht man Beine. Und sie erklärt dann, dass dies Zivilisten gewesen seien, die Opfer, die da point blank, also sozusagen hingerichtet geworden seien. Nun das ist... Eine Behauptung, das steht jetzt einfach so im Raum, aber diese Geschichten spielen bei uns überhaupt keine Rolle und bilden natürlich dann eben sozusagen eine verzerrte Sicht, wenn man das alles nicht zur Kenntnis nehmen will, wenn man sich damit eben nicht auseinandersetzen will. Eine andere Filmemacherin hat mit russischen Kriegsgefangenen gesprochen, die unter ukrainischem Gewahrsam waren. Auch da Gräuel-Geschichten. Nochmals, Wahrheit oder Propaganda, schwierig zu sagen. Im Krieg fast unmöglich, gerade darum muss man sich beide Seiten anhören. Und die Quintessenz ist ja klar, man muss alles daran setzen, diesen Krieg zu stoppen. Und dies nicht nur aus diesen humanitären Überlegungen, sondern auch aus Interessensüberlegungen. Es ist schlicht nicht im Interesse Europas, Deutschlands, mit Russland diesen Krieg aufrechtzuerhalten. Man muss zu einem Frieden kommen und eine ewige Verfehmung Russlands oder die Hoffnung, Russland militärisch in die Knie zu zwingen. ist genauso illusorisch, wie vielleicht einige in Russland glauben, dass man die Ukraine sozusagen wieder integrieren könnte in ein grösser werdendes Russland, wobei ich ja nicht glaube, dass das das ursprüngliche Ziel der russischen Staatsführung war. Was sind ein paar Schlagzeilen? Ich möchte es heute kurz machen, Schwerpunkt auf meinen Erlebnissen hier in Moskau. Ukraine-Munition, die Kriegskoalition bröckelt, ja nicht nur in Russland, wird diskutiert über die Die Sinnhaftigkeit der Strategie auch in der Europäischen Union. Die tschechische Munitionsinitiative hat nur noch neun zahlende Länder, halb so viele wie zuvor. Seit 2024 wurden über vier Millionen Artilleriegranaten für Kiew organisiert. Leibpräsident Peter Pawel bis zu 50 Prozent der grosskalibrigen Munition für die Ukraine. Doch immer mehr Staaten steigen aus oder gehen eigene Wege. Europa redet weiter von Durchhaltewillen, aber an der Kasse wird es. Still, der neue tschechische Premier Andrei Babisch sagt offen, was viele Bürger denken. Zuerst kommen die eigenen Leute, ihre Energiepreise, ihre Haushalte, ihre Steuern. Der moralische Druck aus Brüssel funktioniert nicht mehr wie früher. Man könnte vielleicht auch sagen, die Realität setzt sich durch. Iran und USA. Trump will den Deal, aber einen Deal aus Stärke. US-Aussenminister Marco Rubio dämpft die Erwartungen. Ein Abkommen mit Iran könne noch ein paar Tage dauern. Wer es glaubt, gleichzeitig bombardieren die USA erneut iranische Ziele und erklären die Angriffe als defensiv. Im Zentrum steht die Strasse von Hormuz, durch die ein bedeutender Teil des weltweiten Öl- und Gastransports läuft. Rubio sagt, diese Passage muss offen bleiben. So oder so. Das ist die Trump-Logik. Verhandeln nicht aus Schwäche. Ein Deal ja, aber kein symbolischer Papierfrieden. Ja, natürlich, dieser Krieg im Nahen Osten bereitet Unbehagen. Und wir versuchen uns hier ja nicht einfach nur sozusagen digital und auch dann noch rechtfertigend auf die eine oder andere Seite zu schlagen, aber es gilt eben die unterschiedliche Interessenlage zu berücksichtigen. Aus Sicht Israels verteidigt man sich gegen eine Bedrohung und der Iran stellt sich gegen eine Bedrohung. Es fällt eine Bedrohung dar, wenn man dann in der Geschichte etwas weiter zurückblättert. Und das sind natürlich auch Wahrnehmungen, die einem hier in Moskau begegnen. Dann sagen halt die Kritiker Israels, sie sagen ja aber um Himmels Willen, jetzt auch in der arabischen Welt, und Iraner, die man antrifft, die sagen ja, Israel ist ein künstliches Gebilde. Das ist 1947, ja, per UNO-Beschluss gemacht worden. Aber das ist doch ein Kunststaat und da sind dann Millionen von Leuten eingewandert im Rahmen eines kolonialistischen Besiedlungsprojekts. Die haben ja überhaupt keinen Bezug gehabt zu diesen Regionen, während wir, die Muslime, hier seit über tausend Jahren ansässig geworden sind. Und die Rede davon, dass noch viel früher die Juden hier gelebt haben, die ergibt doch überhaupt keinen Sinn. Das sagt man, das sieht man. Das wäre ja wie wenn die Römer jetzt plötzlich Anspruch erheben würden auf Grossbritannien oder auf Frankreich. Das sei doch vorbei, das könne man doch nicht so zur Kenntnis nehmen. Und hier liegt die Wurzel allen Übels. Und es gibt natürlich tatsächlich Stimmen, die sagen, ja, diese Staatsgründung sei eine schlechte Idee gewesen. Übrigens auch der Theologe Karl Barth, der Protestant, überhaupt kein Gegner der Juden, sagte, das könne zum Unglück werden. diese Staatsgründung. Also da geht es um ganz... tief liegende, letztlich auch biblisch verwurzelte Auseinandersetzungen in Identitätsvorstellungen. Denn das jüdische Volk, soweit ich das als theologischer Laie beurteilen kann, leitet ja seine Identität letztlich aus dem Glauben ab. Und dieser Glaube bleibt bezogen auf diese heiligen Städten, ebenso wie der Glaube der Muslime auf die Städte in Jerusalem bezogen bleibt. Es ist übrigens interessant, dass der muslimische... Religionsstifter Mohammed, ganz am Anfang, so habe ich das in einer Geschichte von Bernard Lewis gelesen, in Richtung Jerusalem hat beten lassen und erst später, nach der Zurückweisung, in Richtung Mekka gebetet habe. Das sind historische Erkenntnisse. Also da geht es auch um sehr vielschichtige und facettenreiche Aspekte und machen natürlich die diesen ganzen Konflikt sehr, sehr schwierig und anspruchsvoll. Und ich gebe hierzu, dass es natürlich schwierig ist, allen Befindlichkeiten gerecht zu werden. Das muss man sich auch klarmachen. Einfache, schablonenhafte Diagnosen, in meiner Wahrnehmung, treffen da überhaupt nicht zu. Wenn nur eine Seite, die sogenannte Wahrheit, auf ihrer Seite hätte, dann gäbe es ja eine Lösung. Die Unwahrheit, der Wahnsinn, der Unsinn kann sich ja nur eine Zeit lang durchsetzen, aber nicht für immer. Heizungsgesetz. Der grüne Staat gibt nicht auf. In Berlin soll das alte Heizungsgesetz entschärft werden. Die 65-Prozent-Pflicht für neue Heizung soll fallen. Öl- und Gasheizung sollen wieder möglich sein. Mit schrittweiser Beimischung klimafreundlicher Brennstoffe dagegen sperren sich jetzt allerdings die Rot-Grünen in Hamburg. möchte diesen Kurs umgehen. Kiew, Moskau und der Terrorvorwurf, die Doppelmoral ist gewaltig, darüber haben wir schon eingangs gesprochen. Die Pipelines, Nord Stream, da das grosse Schweigen, wenn die Russen irgendetwas angreifen, was halbwegs zivil ist, dann ist eine gewaltige Empörung im Raum. Menschenrechtsverletzungen der russischen Seite, mutmasslich, die werden angeprangelt, aber wenn es eben die Ukrainer machen, dann sind das ja irrtümliche Kollateralschäden. Bei den Russen ist es natürlich Absicht in der Kriegführung. EU gegen China, Europa isoliert sich selbst. Frankreich und mehrere EU-Staaten wollen eine härtere Handelspolitik gegen China. Neue Schutzinstrumente, Zölle, Kontingente. Begründung China sei unfair, Europa zu abhängig, vor allem bei seltenen Erden. Hier zeigt sich das Problem. Europa macht seine eigene Industrie mit hohen Energiepreisen, Klimaauflagen und Bürokratie schwach und ruft dann nach Schutzmauern. Die grossen Märkte, Rohstoffe und Wachstumsräume liegen nicht in Europa. Die Pointe, so wird die EU nicht stärker, sondern isolierter. Eine Festung ohne Rohstoffe, ohne billige Energie und ohne echtes Wachstum. Meine Damen und Herren, das war es von Weltwoche Daily International. Ihnen einen schönen, einen sonnigen Tag. Ich melde mich zurück aus der russischen Hauptstadt mit hoffentlich sachdienlichen Hinweisen zur internationalen Lage. Entschuldigen Sie, bevor Sie dieses Video nun wegklicken, was Sie eben gesehen haben, diese Art von Journalismus, die gibt es eigentlich in dieser Form fast nicht mehr auf dieser Welt. Rede und Gegenrede, die andere Sicht beleuchten, das ist die Weltwoche unabhängig, kritisch und ja, auch gut gelaunt, weil wir eben glauben, dass selbst in den schlimmsten Abgründen immer irgendwo ein Lichtblick liegt. Wir beleuchten, was andere weglassen. Wir sprechen mit jenen, mit denen sich sonst... Niemand zu unterhalten getraut. Wir schreiben, was ist. Abonnieren Sie daher die Weltwoche. Jedes Abo ist eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt. Denn unabhängiger Journalismus funktioniert eben nur mit unabhängig kritischen und vielleicht auch gut gelaunten Lesern. Sie sind der Grund, warum wir machen können, was wir eben machen. 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Wie verzweifelt ist Putin? Eindrücke aus Moskau. Tabuthema: Ukrainische Kriegsverbrechen. Munition für Kiew: Koalition bröckelt. Iran: Trump will Deal aus Stärke. Heizungen: Der grüne Staat gibt nicht auf. EU gegen China: Brüssel isoliert sich

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Wie verzweifelt ist Putin? Eindrücke aus Moskau. Tabuthema: Ukrainische Kriegsverbrechen. Munition für Kiew: Koalition bröckelt. Iran: Trump will Deal aus Stärke. Heizungen: Der grüne Staat gibt nicht auf. EU gegen China: Brüssel isoliert sich
Wie verzweifelt ist Putin? Eindrücke aus Moskau. Tabuthema: Ukrainische Kriegsverbrechen. Munition für Kiew: Koalition bröckelt. Iran: Trump will Deal aus Stärke. Heizungen: Der grüne Staat gibt nicht auf. EU gegen China: Brüssel isoliert sich
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  1. Einleitung und Begrüssung
  2. Über den Lauf der Welt und Journalismus
  3. Ortsbeschreibung und kulturelle Beobachtungen
  4. Erfahrungen und Eindrücke aus Moskau
  5. Politische Diskussionen und Meinungsstreit in Russland
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