Erstgeborene Geschwister schneiden bei Bildung und Einkommen im Schnitt besser ab – neue Forschung sieht gesundheitliche Nachteile jüngerer Kinder als entscheidenden Faktor. Die Autoren einer internationalen Studie halten fest, dass jüngere Geschwister «zwei- bis dreimal häufiger» im ersten Lebensjahr wegen schwerer Atemwegserkrankungen hospitalisiert werden, berichtet der Economist.
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Im Zentrum steht die frühe Kindheit. Ältere Geschwister bringen Krankheitserreger in den Haushalt und setzen damit Säuglinge einem höheren Infektionsrisiko aus. Diese frühen Gesundheitsbelastungen können die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen – direkt durch Entzündungen oder indirekt, weil der Körper Energie für die Krankheitsabwehr statt für das Wachstum verwendet.
Die Folgen reichen laut Studie bis ins Erwachsenenalter. Früh erlittene Erkrankungen stehen in Zusammenhang mit geringeren Einkommen später im Leben. Die Auswertung dänischer Registerdaten zeigt, dass dieser Effekt rund die Hälfte des beobachteten Lohnunterschieds zwischen erst- und zweitgeborenen Kindern erklären könnte.
Hinzu kommen Unterschiede in der elterlichen Aufmerksamkeit: Erstgeborene erhalten über ihre Kindheit hinweg mehr ungeteilte Zuwendung. Zeitstudien aus den USA zeigen, dass sie täglich 20 bis 30 Minuten mehr sogenannte «qualitativ hochwertige Zeit» mit ihren Eltern verbringen als jüngere Geschwister im gleichen Alter. Diese zusätzliche Förderung fällt in eine Phase, die für die kognitive Entwicklung besonders entscheidend ist.
Frühere Erklärungen, wonach Persönlichkeitsunterschiede den Ausschlag geben, finden dagegen wenig empirische Unterstützung. Die neuen Befunde verlagern den Fokus auf biologische und familiäre Faktoren.
Die Kombination aus besserer Gesundheit in den ersten Lebensjahren und mehr individueller Förderung könnte laut Studie erklären, weshalb Erstgeborene im Durchschnitt häufiger höhere Bildungsabschlüsse erreichen und später mehr verdienen.