Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband fordert die Abschaffung des Sitzenbleibens am Gymnasium und schlägt stattdessen ein modulares System vor. Der Verband skizziert ein Modell, in dem Schüler künftig nur noch einzelne nicht bestandene Lernmodule wiederholen sollen, anstatt eine ganze Klasse zu absolvieren.
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Kern des Vorschlags ist eine grundlegende Neuorganisation ab der siebten Klasse: Das Gymnasium würde in Fach-, Förder-, Brücken- und Projektmodule aufgeteilt, der klassische Klassenverband weitgehend aufgelöst. Jeder Schüler erhielte zudem eine feste Lehrperson als «Coach», die den individuellen Lernfortschritt begleitet.
Der Sozial- und Wirtschaftsforscher Andreas Herteux ordnet den Vorstoss als weitreichende Strukturreform mit offenem Ausgang ein. Er verweist darauf, dass Gymnasien bereits stark wachsen: In Bayern wechseln inzwischen rund 40 Prozent eines Jahrgangs dorthin. Gleichzeitig liege die Studienanfängerquote bundesweit bei über 56 Prozent, während zehntausende Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.
Kritik kommt von mehreren Seiten. Der Bayerische Philologenverband bezeichnet den Umbau als «Träumerei» angesichts des akuten Lehrermangels. Auch praktisch wirft das Modell Fragen auf. Zwar halten Bildungsforscher flexible Modullösungen teilweise für sinnvoll, doch der Aufwand erscheint hoch: Nur wenige Prozent der Schüler bleiben jährlich sitzen. Gleichzeitig zeigen Erhebungen eine hohe Belastung der Lehrkräfte, insbesondere im Umgang mit heterogenen Lernniveaus.