Angela Merkel hat Europa zu direkten diplomatischen Kontakten mit Russland aufgefordert und kritisiert, dass sich die europäischen Staaten im Ukraine-Krieg zu stark auf die USA verlassen. Die frühere Bundeskanzlerin sagte beim WDR-Europaforum auf der Digitalkonferenz Republica, es reiche nicht aus, «wenn nur US-Präsident Donald Trump den Kontakt zu Russland halte».
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Die CDU-Politikerin bekräftigte zugleich ihre Unterstützung für militärische Hilfe an die Ukraine. «Persönlich finde ich es absolut richtig», die Ukraine militärisch zu unterstützen und eine abschreckende Wirkung gegenüber Russland aufzubauen, sagte Merkel. Gleichzeitig bemängelte sie jedoch, Europa setze sein «diplomatisches Potenzial» nicht ausreichend ein. «Diplomatie war immer die zweite Seite der Medaille, auch im Kalten Krieg», erklärte sie. «Militärische Abschreckung plus diplomatische Aktivitäten – das finde ich wichtig.»
Mit Blick auf Kremlchef Wladimir Putin warnte Merkel davor, Russland zu unterschätzen. Europa müsse eine gemeinsame Haltung entwickeln und selbst aktiv werden. «Wir sind ja auch wer als Europäer», sagte sie. Putin zu unterschätzen, sei ebenso ein Fehler wie die Annahme, Europa könne keinen eigenen diplomatischen Weg finden.
Zur Diskussion über mögliche Vermittler im Ukraine-Konflikt äusserte sich Merkel skeptisch. Nachdem Putin den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder als Vermittler ins Gespräch gebracht hatte, sagte Merkel mit Verweis auf die Minsk-Verhandlungen nach der Krim-Annexion 2014, sie wäre damals «nicht auf die Idee gekommen, einen Vermittler zu fragen». Gespräche mit Putin müsse man «selber in die Hand nehmen».