Die Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt gleicht in diesen Tagen einer orchestralen Heiligsprechung. Mychajlo Fedorow, der Kiewer Minister für digitale Transformation, wird in westlichen Redaktionsstuben als der neue Wunderknabe Selenskyjs gefeiert. Mit einer Aura der digitalen Unbesiegbarkeit umgeben, soll er durch innovative Drohnenstrategien eine völlig neue Dynamik auf dem Schlachtfeld entfesselt haben. Doch während unsere Medien die ukrainische Eigenständigkeit bei der Entwicklung dieser Waffensysteme an die ganz grosse Glocke hängen, verdichten sich hinter den Kulissen die Hinweise auf eine weitaus brisantere Realität. In Moskau, wo man die Trümmer der Kampfdrohnen genauestens analysiert, ist man längst zur Überzeugung gelangt, dass es sich hierbei keineswegs um rein ukrainische Ingenieurskunst handelt. Vielmehr seien es deutsche Technologien, die hier massgebend wirken und den Ukrainern den harten Einsatz an der Front überhaupt erst ermöglichen.
Michael Kappeler/DPA/Keystone
Dies führt zu einer ebenso unbequemen wie gefährlichen Frage, die im Berliner Regierungsviertel und in der deutschen Öffentlichkeit bisher jenseits aller Radarschirme zu liegen scheint: Führt Deutschland hier eigentlich bereits faktisch den Krieg der Ukraine? Wenn die Wahrnehmung einer direkten deutschen Kriegsbeteiligung durch technologische Dominanz auf russischer Seite erst einmal Wurzeln schlägt, erwachsen daraus Eskalationsszenarien, denen man im Westen derzeit mit einer geradezu breitbeinigen Sorglosigkeit begegnet. Während man hierzulande über russische Schläge wie den Einsatz der Hyperschallrakete Oreschnik zutiefst empört ist, wird die russische Darstellung, es handle sich um Vergeltung für ukrainische Angriffe auf zivile Einrichtungen, kaum zur Kenntnis genommen. In diesem dichten Nebel aus Propaganda und einseitiger Wahrnehmung bleibt die Wahrheit, wie so oft im Krieg, das erste Opfer. Es wäre an der Zeit, die moralische Überlegenheit ein Stück weit beiseitezuschieben und die realpolitischen Risiken dieser technologischen Verflechtung nüchtern zu gewichten, bevor die Dynamik der Ereignisse eine Eigendynamik entwickelt, die niemandem mehr nützt.