Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

Kanzler des Klagens und der Ohnmacht: Das unfassbare, entlarvende Merz-Interview im Spiegel

Anhören ( 2 min )
Kanzler des Klagens und der Ohnmacht: Das unfassbare, entlarvende Merz-Interview im Spiegel
Kanzler des Klagens und der Ohnmacht: Das unfassbare, entlarvende Merz-Interview im Spiegel
0:00 -0:00
1.0×
100%
Mehr ▾

Im jüngsten grossen Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel offenbart Bundeskanzler Friedrich Merz ein bemerkenswertes Seelenleben, das tief blicken lässt. Nach gut einem Jahr im Amt präsentiert sich der Regierungschef nicht als gestaltender Staatsmann mit festem Kompass, sondern vielmehr als ein Getriebener, der zwischen Hilflosigkeit und einer fast schon wehleidigen Klage über das politische Klima schwankt. Besonders markant ist sein Hadern mit der Kritik in den sozialen Medien; kein Kanzler vor ihm habe eine solche Herabwürdigung ertragen müssen. Es ist die Klage eines Mannes, der zwar betont, sich nicht beschweren zu wollen, es aber im selben Atemzug ausführlich tut.

Filip Singer/DPA/Keystone
Bundeskanzler Friedrich Merz vor einer CDU-Sitzung in Berlin
Filip Singer/DPA/Keystone

Anstatt die Ursachen für den Unmut der Bevölkerung in der eigenen Regierungspolitik oder der mangelnden demokratischen Mitwirkung zu suchen, flüchtet sich Merz in die Rhetorik des «Erklärens». Wenn die Botschaften nicht ankommen, so die Logik des Kanzlers, dann liegt es nicht an der Substanz seiner Taten, sondern am mangelhaften «Erwartungsmanagement». Es ist ein gönnerhafter, fast schon obrigkeitsstaatlicher Gestus: Das Volk wird hier nicht als der mündige Souverän begriffen, dem der Kanzler dient, sondern als eine Masse, der man die Komplexität der Welt lediglich noch intensiver erläutern muss, damit sie die vermeintliche Genialität der Regierenden endlich erkennt.

Diese diagnostizierte Ratlosigkeit wird durch die sture Verweigerungshaltung gegenüber neuen politischen Mehrheiten untermauert. Während Merz die «politische Mitte» beschwört und diese als letzte Chance der Demokratie stilisiert, verbarrikadiert er sich hinter einer selbst errichteten Brandmauer. Er beklagt die Schwierigkeiten innerhalb seiner Koalition, verweigert sich jedoch der offensichtlichen mathematischen Realität einer bürgerlich-konservativen Mehrheit. So bleibt der Kanzler der Gefangene seiner eigenen Taktik: Er regiert gegen den erklärten Willen einer wachsenden Zahl von Wählern und wundert sich anschliessend über den rauen Ton des Widerspruchs.

Am Ende bleibt das Bild eines Kanzlers, der die Verantwortung für den schwindenden Wohlstand zwar verbal anerkennt, aber vor den notwendigen Konsequenzen zurückscheut. Eine echte «Blut, Schweiss und Tränen»-Rede lehnt Merz ab, aus Angst, man könnte ihn am Tag danach an seinen Worten messen. Es ist die Kapitulation der Gestaltungskraft vor der reinen Selbsterhaltung. Wer die Demokratie jedoch nur noch als Erklärungsmodell begreift und die Kritik des Bürgers als persönliche Beleidigung abtut, verliert den Kontakt zur Realität eines Landes, das nach Führung und Klarheit verlangt, statt nach weiterer wehleidiger Selbstbespiegelung.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 02.06.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.