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Wie ein Rap von Shakespeare

Film

Wie ein Rap von Shakespeare

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Highest 2 Lowest (USA 2025) von Spike Lee. Mit Denzel Washington, Jeffrey Wright, Asap Rocky, Aubrey Joseph, Ilfenesh Hadera. Auf Apple TV+

Die Metamorphose des Douglas King, der es von ganz unten nach ganz oben schaffte und kurz davor war, wieder tief zu stürzen, ist erstaunlich. Ed McBain, ein Thriller-Vielschreiber und Drehbuchautor, erfand ihn («King’s Ransom») und stiess von unerwarteter Seite auf grosses Interesse: Der einstige Doyen des japanischen Films, Akira Kurosawa («Die sieben Samurai»), griff nach ihm, und es entstand das Meisterwerk «Zwischen Himmel und Hölle» («High and Low», 1963). Das liess Hollywood keine Ruhe, das ohnehin vielfach von Kurosawa profitierte («Die glorreichen Sieben»). Grössen wie David Mamet, Martin Scorsese und andere versuchten sich an Versionen.

David Lee
Moralisches Dilemma: Denzel Washington als David King.
David Lee

Erst dem «Black Movie»-Rebellen Spike Lee gelang es nun mit Co-Autor Alan Fox. McBains Plot fusst auf einem vertrackten moralischen Dilemma, das Kurosawa fasziniert hatte: King hat es mit Risiko zum Schuhfabrikanten gebracht. Sein Sohn wird gekidnappt, und ein hohes Lösegeld wird gefordert. Doch bald stellt sich heraus, dass die Gangster nicht Kings Sohn, sondern den seines Chauffeurs entführten – aber das Geld trotzdem verlangen. Was nun: den Besitz retten oder den Jungen des Chauffeurs? King gerät in die moralische Bredouille, und Kurosawa nutzte sie für eine Kritik am japanischen Wirtschaftswunder.

 

Mann von gestern

Spike Lee transferiert in «Highest 2 Lowest» die Geschichte ins fashionable New Yorker Musikmilieu, und aus Douglas King wird David King (Denzel Washington), ein Musikmogul, der Kunst sammelt, protzige Brillanten trägt, stolz und von sich und seinen Fähigkeiten restlos überzeugt ist. Mit Frau Pam (Ilfenesh Hadera) und Sohn Trey (Aubrey Joseph) wohnt er in einem superedlen Penthouse. Ein wahrer König, die Skyline des Big Apple schwärmerisch von seiner Terrasse aus geniessend.

Unten in den Schluchten Brooklyns wartet Kings Rolls-Royce mit seinem treuen Kumpel Paul (Jeffrey Wright) als Chauffeur. King gilt in der Szene als Mann von gestern. Seinem Label Stackin’ Hits fehlen die Hits. Da ereilt ihn die Hiobsbotschaft der Entführung und der Verwechslung. 17,5 Millionen soll er herausrücken – und King beginnt abzuwägen, zur Enttäuschung seines Chauffeurs.

Bei Kurosawa liegt das Penthouse hoch, bei Spike Lee superhoch. Die Kamera gleitet dahin wie in der legendären Werbung «Up, up and away in die grosse weite Welt!», als wollte Spike Lee seine alte Werberkunst (Nike, Levi’s) nochmals präsentieren, ehe er mit der Story beginnt. Pam ist ein Hochglanzmodel mit einem Temperament, dessen Temperatur eher dem Gefrier- als dem Schmelzpunkt zuneigt, selbst nach der Entführung ihres Sohnes.

Die erste Hälfte des Films ähnelt einem Surfen über sanfte, visuelle Wellen. Druck und Kraft nehmen erst zu, sobald sich die Handlung hinabbegibt in die Schluchten der Stadt, ins Kreischen und Donnern der U-Bahn, zwischen ein feuriges puerto-ricanisches Fest, in die Hatz, den Erpresser dingfest zu machen. Da gelingen Lee – abgesehen von der völlig konfusen, frei von jeder Logik ablaufenden Geldübergabe – spannende und quirlig-atmosphärische Szenen. Da steigt das Adrenalin, das ist Kino pur.

Spike Lee transferiert Kurosawas Meisterwerk ins fashionable New Yorker Musikmilieu.

Die substanziellsten Szenen finden sich erst am Ende, mit der Konfrontation des Musik-Tycoons King mit dem Lösegelderpresser, dem Rapper Yung Felon (Asap Rocky). Spike Lees Porträt der kulturell dominanten Musikbranche wird von Denzel Washington mit seiner Selbstgefälligkeit fast authentisch verkörpert. Rapper Felon, der immer hoffte, mal mit King in Kontakt zu kommen, sah nur in der Entführung eine Chance, sich Gehör zu verschaffen.

 

Generationenkonflikt-Battle

Ein Besuch Kings bei Felon entwickelt sich zur fulminanten Generationenkonflikt-Battle («Fuck, is this a battle right now?!»). Denzel Washington feuert seine Argumente wie eine rappende Shakespeare-Figur ab («But sometimes the rap game. Remind me of the crap game»), während Asap Rocky wie ein wütender Kaliban aus dem Dunkel seiner Zelle gegen das Musik-Establishment tobt, das jede musikalische Kühnheit abschmettert.

Das ist eine Glanznummer, die man sich unbedingt im Original ansehen beziehungsweise anhören sollte, um diesen melodischen Singsang und besonderen Rhythmus miterleben zu können. «Highest 2 Lowest» spielt, wie das Original «High and Low», mit den Elementen der Tragödie. Sein Überschuss an Verlust, der das Wesen der Tragödie ausmacht, wird am Ende von Spike Lee rasch aufgefangen: Sein King bescheidet sich mit einem neuen, familiären Label.

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