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Trump droht, Putin siegt

Editorial

Trump droht, Putin siegt

Der Ukraine-Konflikt wird zur nicht mehr enden wollenden Tragödie, ein sich dahinschleppender, verlustreicher Abnützungskrieg, eine Materialschlacht, in der sich die materiell überlegene Seite durchsetzen wird. Russland hat inzwischen die Oberhand. Doch auch Putin kämpft mit Problemen. Seine Truppen rücken vor, aber nicht genügend. Es mangelt an kompetenter Führung. Die Ukraine wehrt sich stärker als erwartet. Putins «militärische Spezialoperation» reicht punkto Ressourcen- und Truppeneinsatz kaum aus für einen Krieg dieser Grössenordnung.

Illustration: Fernando Vicente
Trump droht, Putin siegt
Illustration: Fernando Vicente

Dennoch dürfte es schwer bis unmöglich sein, die Russen noch an einem Sieg zu hindern. Selenskyjs Truppen haben nach Schätzungen des amerikanischen Strategie-Experten John J. Mearsheimer rund eine Million Mann verloren, Tote und kriegsuntaugliche Schwerverletzte. Auch die Russen beklagen grosse Verluste, doch die Logik des Kriegs besagt, dass man eine Atommacht nicht besiegen kann, wenn sie sich existenziell bedroht fühlt. Je mehr man die Russen in die Enge treibt, desto wahrscheinlicher wird der Einsatz nuklearer Waffen.

Das ist der Grund, warum man diesen unseligen Krieg längst schon durch Verhandlungen hätte beenden müssen. Doch ist die westliche Seite, auch unter Trump, bis heute nicht bereit, sich auf die russischen Forderungen einzulassen. Man muss Putins Position nicht mögen, aber sie ist seit Jahren bekannt und konsistent: Moskau sieht einen Nato-Beitritt der Ukraine als existenzielle Bedrohung seiner Sicherheit und Souveränität. Ausserdem verlangt Putin vom Westen die Anerkennung seiner militärischen Eroberungen sowie der Krim als russisches Territorium.

Mit Ach und Krach sind die Russen am Gewinnen, und wer einen Krieg gewinnt, kämpft weiter, hört nicht auf, bis er seine politischen Ziele erreicht. Das muss jetzt auch der amerikanische Präsident erfahren, der doch angetreten war, diesen Konflikt noch vor Amtsantritt mit einem glorreichen Frieden zu beenden. Trump ist wütend, weil es mit den Russen nicht nach Plan läuft. Darum will er der Ukraine wieder Waffen liefern, welche die Europäer bitte schön bezahlen möchten. Ausserdem droht er Russland und dessen Handelspartnern mit Zöllen, sollte es in fünfzig Tagen keine Friedenspläne geben.

Der amerikanische Präsident ist kein Dummkopf. Er ist auch keine Neuauflage seines erfolglosen Vorgängers Joe Biden, nur weil er nach seinen diplomatischen Charmeoffensiven auf einen konfrontativeren Putin-Kurs umschwenkt. Trump spekuliert, dass auch den Russen irgendwann die Luft ausgehen könnte und sich Putin kein ukrainisches Vietnam leisten will. Er hofft auf einen heimlichen Verbündeten – die mutmassliche Unfähigkeit der Russen, im Ukraine-Krieg zu ihren Bedingungen definitiv zu siegen.

Ob sein Kalkül aufgeht? Moskau zeigt sich unbeeindruckt. Strategen rechts von Putin rasseln mit Atomraketen. Man sollte das nicht einfach wegwischen. Es gibt namhafte Stimmen im Umfeld des Präsidenten, die schon lange raten, Putin müsse eine taktische Bombe zünden, um dem dekadenten Westen die Realität des nuklearen Gleichgewichts des Schreckens in Erinnerung zu rufen. Doch auch amerikanische Experten sind skeptisch, ob Trumps Massnahmen greifen, ob seine jüngsten Ankündigungen jene Wunderwaffe sind, mit der sich der Krieg noch gegen Russland wenden lasse. Wohl kaum.

Eine diplomatische Lösung rückt nach dieser Woche in die Ferne. Trump hält zwar immer noch die Türe für Gespräche offen, doch es bleibt eine Tatsache, dass in der Ukraine amerikanische und russische Interessen aufeinanderprallen. Friedlich lassen sie sich nicht so leicht entflechten. Auf diesen blutgetränkten Schlachtfeldern liefern sich die Grossmächte seit Jahrhunderten mörderische Kriege. Halbe Bibliotheken sind vollgeschrieben worden mit Abhandlungen, die in der Ukraine, Fluch der Geopolitik, den Schlüssel zur Vorherrschaft über Europa sehen.

Auf jeden Fall macht es sich der Westen zu einfach, wenn er das Ukraine-Debakel einfach den Russen in die Schuhe schiebt. Putin ist mit seinen Armeen zwar in die Ukraine eingefallen, deren Grenzen auf das brutalste überrollend. Aber sein Einmarsch fiel nicht aus heiterem Himmel, war auch nicht die Ausgeburt eines kranken Gehirns, dessen Besitzer sich auf einmal eingebildet hätte, er sei ein seitenverkehrter, östlicher Napoleon oder ein Alexander der Grosse in der Gegenwart. Nicht Eroberungsdrang ist aus russischer Sicht Putins Motiv, sondern Notwehr gegen das Vorrücken dieser Speerspitze amerikanischer Hegemonie, der Nato.

Davon will die Nato natürlich gar nichts wissen. Sie sieht sich als militärisches Friedensprojekt der Weltbeglückung, vor dem sich die Rechtschaffenen nicht fürchten müssen. Es braucht wenig Fantasie, um sich auszumalen, dass sich die Sache aus russischer Warte etwas anders darstellt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion waren die Russen zu schwach, um sich zu wehren, doch schon Gorbatschow und Jelzin tobten gegen den amerikanischen Ostwärtsdrang. Erst Putin allerdings war stark genug und schlug zurück. Kluge US-Diplomaten übrigens hatten den Nato-Knall in der Ukraine vorausgesehen.

Putin entfesselte einen Krieg, den der Westen provozierte und der ukrainische Präsident Selenskyj, wohl auch verführt von seinen Unterstützern, nicht verhindern mochte. Für die Welt wäre es am besten, wenn sich die drei Kriegsparteien schleunigst zusammensetzten, um das von ihnen angerichtete Unheil zu beheben. Denn mit jedem Tag, den das Gemetzel weitergeht, sterben Menschen. Das Klima auf der Welt verpestet sich. Schwefeldämpfe steigen auf. Auf Entspannung folgt Verkrampfung. Aus Partnern werden Feinde. Wohlstand und Frieden verfallen.

Wer Kriege beenden will, muss die Kriegsursachen beseitigen. Das wird nicht gehen, solange man Putin zum Teufel macht und Russland zum Schurkenstaat. Man muss hoffen, dass Trump, dieser zeitweilige Hoffnungsträger einer diplomatischen Verständigung, das von ihm wohl auch aus Verzweiflung gezückte Kriegsbeil bald wieder vergräbt. Einen Frieden kann es nur mit, nicht gegen Russland geben. Der Westen muss Konzessionen machen, sonst endet der Krieg zu Putins Gunsten auf dem Schlachtfeld. Das wäre unheilvoll und hätte eine finster-frostige Ära, eine neue Eiszeit dumpfer Spannungen zur Folge.

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