In deutschen Geschäften wird so viel gestohlen wie seit Jahren nicht mehr. Das zeigt eine neue Studie des Forschungsinstituts EHI, über die der Spiegel berichtet. Demnach summierten sich die Verluste durch Kundendiebstahl im Jahr 2024 auf rund 2,95 Milliarden Euro – ein Anstieg um 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
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Als Ursache nennen Experten unter anderem die zunehmende Nutzung von Selbstbedienungskassen. «An Selbstbedienungskassen wird deutlich mehr geklaut», erklärte Studienautor Frank Horst. Fast die Hälfte der Händler, die solche Kassen einsetzen, meldet demnach höhere Schwundraten. Besonders häufig verschwinden alkoholische Getränke, Markenbekleidung, Elektronik, Tabakwaren und Drogerieartikel wie Parfüm oder Babynahrung. Auch klauende Senioren und Familien tragen laut Horst immer stärker zur Schadensbilanz bei: «Es gibt immer mehr Leute, die sich bestimmte Produkte nicht mehr leisten können oder wollen – auch aus Protest gegen die Preise.»
Ein Drittel der Kundendiebstähle geht auf das Konto gewerbsmässig organisierter Täter oder Banden. Die Gewaltbereitschaft nimmt laut der Studie ebenfalls zu: Händler berichten häufiger von Übergriffen auf Mitarbeiter. Drei von vier Handelsunternehmen rechnen mit einer weiteren Zunahme der Diebstähle. Bereits heute investieren sie rund 1,6 Milliarden Euro pro Jahr in Sicherheitsmassnahmen – vor allem in die Schulung des Personals.
Während die Schäden steigen, bleibt ein grosser Teil der Taten im Dunkeln. Laut EHI werden 98 Prozent der Fälle gar nicht entdeckt. Selbst bei Anzeigen komme es selten zu Verurteilungen, kritisierte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland, Stefan Genth. Die Politik müsse härter durchgreifen.